Ich bin nun seit einiger Zeit stolzer Besitzer meiner ersten Action-Cam. Das Modell Prism der Firma Sena soll mich auf der Tour begleiten und dieses einmalige Erlebnis neben meiner Sony RX100 III in Bild und Ton festhalten. Da dies, wie bereits erwähnt, meine erste Kamera dieser Art ist, fehlen mir leider konkrete Erfahrungswerte, um einen Vergleich mit anderen Produkten anstellen zu können. Der nachfolgende Test, stellt daher mehr einen subjektiven Erfahrungsbericht dar.

Die Spezifikationen der Kamera entnommen aus dem Benutzerhandbuch:

Allgemeines
•             Aufnahmezeit: 2 Stunden
•             Betriebstemperatur: -10˚C ~ 55˚C
•             Wasserfest
•             Maße (Hauptmodul): 63,0 mm x 44,0 mm x 23,0 mm
•             Kameragewicht: 100 g
•             Akkugewicht: 25 g
Bluetooth
•             Profil: Headset-Profil, Handsfree-Profil (HFP)
•             Bluetooth 4.0
Audio
•             Eingebautes Mikrofon
Optik
•             Sichtfeld: 137 Grad
•             3,5 Megapixel CMOS
•             Blende f/2,0
Video-Modus
•             Auflösung
–              1080 Pixel 30 fps
–              720 Pixel 30/60 fps
–              480 Pixel 120 fps
Foto-Modus
•             Auflösung
–              3,5 MP (3:2)
–              3,2 MP (4:3)
–              3,0 MP (16:9)
–              5,0 MP (16:9)
•             Serienbild
–              10 / 5 / 3 Bilder
Zeitraffer-Modus
•             Foto und Video
–              Einzelbild alle 1 / 3 / 5 / 10 / 30 / 60 Sek.
TV-Ausgang
•             Micro HDMI
Akku
•             Ladedauer: 3,5 Stunden
•             1100 mAh
•             Typ: Lithium-Ionen-Akku
Zertifizierungen
•             CE, FCC, IC

 

Verglichen mit anderen Kameras (auf dem Papier) ist die Kamera lediglich im oberen Mittelfeld anzusiedeln. Vor allem die Bildwiederholungsrate hätte bei einer Kamera, die für die Aufnahme von „schnellen“ Szenen gedacht ist, etwas höher als lediglich 30fps ausfallen können. Bei der Videowiedergabe fällt (mir) dies zwar kaum auf, bei genauerer Betrachtung von z.B. einer zügigeren Motorradfahrt und dem gleichzeitigen drehen des Kopfes, wirkt das Bild aber etwas verwaschen. Auch Zeitlupenaufnahmen sind in Full-HD aufgrund dessen leider nicht möglich. Neben diesem Kritikpunkt hat mich die Kamera aber in vielerlei Hinsicht überzeugen können. Zum einen finde ich die Form sehr gelungen. Vor allem beim Anbringen der kleinen Kamera am Helm, merkt man kaum, dass sie da ist. Ich habe, wie erwähnt, keine Erfahrung mit der GoPro, könnte mir aber vorstellen, dass sie aufgrund der Form im Vergleich einen deutlich spürbareren Luftwiderstand bietet. Ebenfalls super ist das an der Unterseite angebrachte Stativgewinde, was mich auch direkt zu einem der absoluten Top-Gründe, die für einen Kauf der Prism sprechen, bringt. Das Zubehör! Wahnsinn! Ich habe glaube ich bisher außer einem Werkzeugkoffer selten ein Produkt erworben, was so unglaublich viel Zubehör mitliefert. Im Bild seht ihr was alles dabei war. Hierdurch wird es dem Nutzer ermöglicht angefangen von Gestängen (z.B. Lenker) über glatte Oberflächen (z.B. Tank) bis hin zu einem Stativ und natürlich Helmen (Fahrrad oder Motorrad) alles als potentielle Halterung für die Kamera zu betrachten. Da die Kamera über ein Stativgewinde verfügt und das meiste Zubehör über die entsprechende Schraube, ist die Nutzung dessen nicht an die Prism gebunden, sondern kann durchaus auch mit einer DSLR oder anderen Kameras genutzt werden.

Ein weiterer Pluspunkt, der vor allem für Motorradfahrer interessant sein kann, ist die Wasserfestigkeit. Wenn es regnet, hat man als Motorradfahrer schon genug damit zu tun evtl. eine Regenkombi überzuziehen oder das Gepäck zu sichern. Vielleicht hat man aber auch kein Gepäck dabei und die Kleidung ist bereits wetterfest. Egal mit welchen Voraussetzungen man in den Regen fährt. Zu wissen, dass man nicht unbedingt an die Kamera denken muss, da ihr Regen nichts anhaben kann, ist ein gutes Gefühl.

Ein weiteres tolles Feature ist die Bluetooth 4.0 Konnektivität. Vor allem in Verbindung mit einem Sena Headset (z.B. dem 20S) wird so die Bedienung sehr intuitiv gestaltet, da die Kamera, wie ein verbundener MP3 Player gesteuert werden kann. Negativ ist hierbei lediglich, dass man logischerweise nicht beides gleichzeitig steuern kann. Hört man also gerade über sein Smartphone Musik und hat die Kamera ebenfalls verbunden, hat diese Vorrang und die Musik ist nicht steuerbar (die Telefonfunktion kann ohne Einschränkung weiter genutzt werden). Start/Stop gilt also für die Aufnahme und nicht für die Musik. Man kann die Prism aber über das Headset in einen Standby Modus schicken, sodass zum einen die Steuerung für den MP3 Player wieder freigegeben wird und zum anderen der Stromverbrauch der Kamera deutlich verringert wird. Die kabellose Verbindung bringt außerdem die Möglichkeit während der Fahrt aus untypischen Winkeln zu filmen. Angenommen man hat die Kamera nach hinten auf dem Gepäckträger oder vorne am Motorschutz angebracht, wäre das Starten und Beenden der Aufnahme während der Fahrt unmöglich. Über einen Griff zum am Helm angebrachten Headset, ist dies jedoch kein Problem. Die Verbindung über Bluetooth bringt außerdem noch ein weiteres Feature: Die Möglichkeit Audiosignale, die über das Headset innerhalb des Helms erfasst werden, als Audiospur aufzunehmen. Hierdurch kann man seine Videos beispielsweise direkt kommentieren und es werden keine störenden (Fahrt-)Windgeräusche erfasst.  Was mich abschließend an der Verbindung noch begeistert hat, ist die relativ simple Funktion des Sprachfeedbacks. Es besteht keine Notwendigkeit nochmal auf die Kamera zu schauen, ob man denn nun aufnimmt oder nicht, da man sofort innerhalb des Helms die Information erhält, dass die Aufnahme beginnt oder endet.

Aber auch ohne Verbindung zu einem Headset lässt sich die Kamera sehr einfach bedienen. Über lediglich zwei Knöpfe wird alles erledigt. Der vordere ist hierbei leicht erhöht, was selbst durch Motorradhandschuhe gut fühlbar ist und so ein einfaches Starten und Beenden der Aufnahme ermöglicht. Der Ton den die Kamera dabei von sich gibt ist so laut, dass man ihn bei langsamer Fahrt auch sehr gut durch den Helm hören kann. Sollte man zu schnell unterwegs oder die Umgebungsgeräusche einfach zu laut sein, sodass der Ton untergeht, kann man über einen Blick in den Rückspiegel anhand der LED erkennen was Sache ist. Anhand der Farbe erkennt man den momentan Modus und ein blinken verrät, dass die Aufnahme aktiv ist.

Abschließend gibt es allerdings noch eine Kleinigkeit, die ich zumindest zu Beginn sehr bemängelt habe. Es gibt keinerlei Möglichkeit in irgendeiner Form ohne Computer auf das Bild der Kamera zuzugreifen. Zur Wiedergabe von Videomaterial sicherlich sehr schade, aber verschmerzbar. Was mich deutlich mehr gestört hat, ist die fehlende Möglichkeit ein Livebild zur Justierung zu erhalten. Man muss also ein Video aufnehmen und erkennt erst im Nachgang ob der Winkel überhaupt so eingestellt ist, dass die gewollten Motive eingefangen werden. Sicherlich ein kurzfristiges Problem, da zum einen nach erfolgter Justierung alles klar ist und Sena angekündigt hat hier bei ihrem ersten Softwareupdate nachzubessern. Die bereitgestellte App, die für solch eine Bildübertragung prädestiniert ist, bietet sonst aber keinen Grund zur Beanstandung. Mit ihr kann die Kamera komplett und in einem sehr übersichtlichen Appdesign eingestellt werden.

Fazit: Als Einsteiger im Bereich des Action-Cam Genres habe ich keinen Möglichkeit zum Vergleich. Ich glaube aber, dass die Sena Prism den Vergleich mit aktuellen Action-Cams nicht scheuen muss. Die Videoqualität ist meiner Meinung nach gut, hat aber sicherlich noch Luft nach oben. Die Konnektivität hingegen ist überragend und macht eine Bedienung mit Handschuhen auf dem Motorrad extrem einfach. Wen das alles noch nicht überzeugt, sollte einfach mal einen Blick auf das ganze Zubehör werfen. Anbei noch ein Video, welches einen Eindruck von der Qualität vermitteln kann.