Die letzten Tage in Buenos Aires und ein Resümee der Reise

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Ich möchte meinen letzten Artikel nutzen, um noch eine kurzen Bericht über Buenos Aires zu schreiben und ein Resümee der gesamten Reise zu geben.

Buenos Aires ist eine wirklich tolle Stadt, die uns noch ein paar sehr nette Tage zum Abschluss beschert hat. Da es in der Stadt eine sehr lasche Gesetzgebung bezüglich Graffiti und Street Art gibt, strotzt die ganze Stadt nur so von beeindruckenden Bildern und lässt sie so unglaublich bunt werden. Es gibt in der Stadt aber nicht nur tolle Bilder sondern auch eine beeindruckende Buchhandlung. Das „El Ateneo Grand Splendid“ ist ein ehemaliges Theater welches 1919 eröffnet und im Jahr 2000 in die heute Buchhandlung umgewandelt wurde. Neben der Kultur hat Buenos Aires aber auch sehr tolles einheimisches und überregionales Essen zu bieten. Neben dem „klassischen Steak“, welches wir im angeblich besten Steakhaus von Buenos Aires gegessen haben,  wurden wir von ein paar Venezolanern in deren Restaurant eingeladen, wo uns von ihnen typische Köstlichkeiten aus Venezuela zubereitet wurden. Sehr lecker!

Glück im Unglück hatte ich bezüglich meines Motorrades. Seit Mitte Dezember war ich auf der Suche nach diversen Möglichkeiten, was ich mit meiner BMW machen kann. Aufgrund der Feiertage hat sich die Suche allerdings deutlich schwieriger gestaltet, da ich nur sehr schleppend Angebote über einen Rücktransport erhalten habe bzw. Infos ausfindig machen konnte,  wie die rechtliche Lage bzgl. des Verkaufs in Argentinien aussieht. Das erste Angebot, welches ich über einen Rücktransport erhielt, war mir deutlich zu teuer und außerdem fand ich sehr schnell jemanden, der starkes Interesse an dem Motorrad hatte und es mir zu einem sehr guten Preis abkaufen wollte. Leider wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass der Verkauf eines gebrauchten Fahrzeugs aus dem Ausland in Argentinien nahezu unmöglich ist. Auch die Tatsache, dass der Interessent Roman offiziell Italiener ist, hat uns nicht dabei helfen können das Eigentum an dem Motorrad sauber zu übertragen. Einen Großteil meiner Zeit in der Stadt habe ich damit verbracht von Behörde zu Behörde zu laufen, um einen Weg zu finden das Motorrad doch irgendwie verkaufen zu können… Erfolglos. Das Problem ist, dass in Argentinien (die gleiche Gesetzgebung findet man auch in den umliegenden Ländern) kein gebrauchtes Fahrzeug aus dem Ausland angemeldet werden darf. Ich habe das Motorrad temporär importiert und ich muss nach jetzigem Stand höchstpersönlich nach spätestens acht Monaten inklusive des Motorrads wieder ausreisen. Leider habe ich diese Information erst viel zu spät erhalten, sodass mein Motorrad jetzt immer noch in Buenos Aires auf mich wartet. Der große Vorteil ist allerdings, dass ich nun genügend Zeit habe, alles für einen Rücktransport vorzubereiten, das Motorrad kostenlos bei Roman geparkt ist und es schlimmeres gibt, als nochmal nach Argentinien zu müssen 😉

Und das Essen:

Resümee

Wer den ersten Artikel der Reise gelesen hat, weiß dass wir in Alaska mit einer größeren Verspätung ankamen als gedacht und eigentlich am Flughafen hätten übernachten müssen, weil wir nicht an unsere Motorräder gekommen wären. Aber schon in den ersten Minuten trafen wir jemanden von Homeland Security, der für uns eine Extraschicht einlegte und somit einen reibungslosen Start unserer Tour ermöglichte. Diese enorme Gastfreundschaft, die wir hier bereits am ersten Tag erlebten, setzte sich in den kompletten USA fort. Sicherlich mehr als Hilfreich war der Fakt, dass Constantin und ich der englischen Sprache mächtig waren. Dadurch bekamen wir die Möglichkeit wirklich richtige Gespräche mit den Leuten zu führen, die uns meist auf unser Gepäck ansprachen. Was natürlich schon vorher klar war, ist mir dadurch nochmals vor Augen geführt worden: Eine Sprache zu sprechen hilft beim Reisen enorm und eröffnet einem deutlich mehr Möglichkeiten als ohne. Aber auch wenn der Kontakt zu den einzelnen Personen für mich einen der Hauptbestandteile der Reise ausmachte, gab es natürlich in jedem Land auch atemberaubende Landschaften, interessante Tiere oder exotisches Essen. Diese Dinge sind auch ohne Sprachkenntnisse erlebbar und genau das passierte, als wir nach Mexiko kamen. Es war wirklich ein Segen, dass wir in Tijuana bei Erik und Arturo sein konnten. Sie nahmen uns das unangenehme Gefühl, welches uns bis dahin bei dem Gedanken an Lateinamerika begleitete, da wir in den USA immer wieder gehört hatten, wie gefährlich es doch in Mexiko und dem weiteren Mittel- und Südamerika werden würde. Außerdem spricht Arturo perfekt Englisch, logischerweise auch perfekt Spanisch und hatte sichtlich Freude daran, uns im Alltag ein paar „Spanischstunden“ zu geben. Im weiteren Verlauf durch Mexiko merkten wir, dass die sprachliche Barriere durchaus dazu beitrug, dass wir weit weniger Einladungen zum Übernachten oder ähnlichem bekamen, schlicht weil wir die Leute nur mäßig verstanden und nur sehr eingeschränkt mit ihnen kommunizieren konnte. Mexiko bietet allerdings so viel, dass man dieses wahnsinnig tolle Land auch ohne Spanischkenntnisse genießen kann. Außerdem machten wir hier eine Erfahrung, die sich ebenfalls auf der gesamten Tour fortsetzte, die aber leider im nördlichen Teil des Kontinents etwas anders gesehen wird: Nicht jeder Mensch ist böse. Ganz im Gegenteil: Auch dort wurde uns, soweit es die Sprache zuließ, nach bestem Bestreben geholfen, wenn wir ein Problem hatten und mit zunehmendem Spanisch lernten wir im Verlauf der Reise auch wieder mehr Leute kennen, mit denen wir tolle Gespräche führen und eine schöne Zeit verbringen konnten. Das Problem ist einfach, dass sich bei nahezu allen Personen, die uns im Vorfeld gewarnt hatten, auf Nachfrage herausstellte, dass diese selbst nie in den jeweiligen Ländern waren, vor denen wir uns in Acht nehmen sollten. Sie hatten lediglich durch Erzählungen Angst bekommen und verbreiteten diese Angst wiederum durch Mundpropaganda weiter. Dabei ist gerade das Unbekannte das gewesen, was mich an dieser Reise immer am meisten gereizt hat. Ich kann daher wirklich jedem nur empfehlen, lediglich auf Leute zu hören, die selbst Erfahrung mit einzelnen Gebieten oder Menschen gemacht haben. Besser ist es jedoch seine eigenen Erfahrungen zu machen. So hatte mein Freund Arne, der uns in Santiago besuchte beispielsweise deutlich weniger Glück als wir. Nach zwei Tagen wurde er bereits in einem Taxi ausgeraubt. Er selbst hat aber dazu gesagt, dass dies seiner damaligen Freundin in seiner Wahlheimat Berlin auch passiert sei und daher kein Grund ist, die Tat eines Einzelnen auf das ganze Land zu beziehen. Es gibt natürlich überall auch schlechte Menschen, mir hat die Reise allerdings gezeigt, dass die Anzahl derer deutlich von den guten und hilfsbereiten Menschen überstiegen wird. Zur falschen Zeit am falschen Ort kann eben bedeuten, dass man ein paar Euro ärmer ist. Diese persönliche Erfahrung, die uns (Kopieren der Kreditkarte mal ausgenommen) glücklicherweise erspart blieb, ist allerdings auch etwas was man in einer anderen Art auf die gesamte Reise übertragen kann: Die gesamte Reise und alles was ich hier im Blog geschrieben habe, spiegelt lediglich meine persönliche Erfahrung wider. Ich wurde schon einige Male gefragt, was ich von der Reise am ehesten empfehlen kann. Ich nehme bewusst zwei Beispiele, um zu verdeutlichen, wieso ich darauf kaum etwas antworten kann: Den Full Throttle Saloon in Strugis und die Überfahrt mit dem Motorrad auf der Stahlratte. Der Full Throttle Saloon war die größte Bikerbar der Welt, ist zwei Wochen nachdem sich über eine Millionen Motorradfahrer in Sturgis eingefunden hatten aufgrund eines Kabelbrands komplett abgebrannt und existiert daher nicht mehr. Vor drei Wochen erhielten wir über Facebook die Nachricht, dass Cartagena die Bestimmungen bezüglich der Einreise von Motorrädern geändert hat, was zur Folge hat, dass keine Motorräder mehr über den Seeweg eingeführt werden dürfen, wie wir es gemacht hatten. Sowohl das Motorradtreffen in Sturgis als auch Motorradfahrer, die von Norden nach Süden fahren und eine Möglichkeit suchen, ihr Motorrad von Panama nach Kolumbien zu transportieren wird es weiterhin geben, aber eben nicht diese beiden Optionen. Es kommt also auf so viele Gegebenheiten an, dass es mir mittlerweile als falsch erscheint, einzelne Dinge der Reise zu empfehlen, ohne dass ich weiß wie eine Person reist, was die Person sehen will, wie viel Zeit sie hat etc. Letztendlich waren die spannendsten Momente der Reise die, in denen unvorhergesehene Dinge passierten. Das war, was die Reise letztendlich ausmachte und von einem normalen Urlaub unterscheidet. Innerhalb von 6,5 Monaten entwickeln sich so viele Facetten, die alle ihr eigenes Highlight hatten, dass mir in jedem Land mehrere verschiedene Dinge einfallen, wieso ich genau dieses Land empfehlen könnte. Gegen Ende mit jedem Moment damit rechnen zu müssen, dass ein Elektronikfehler das Motorrad wieder mitten im Nirgendwo stehenbleiben lässt, war beispielsweise etwas, was ich in einem normalen Urlaub nicht unbedingt haben wollte, auf der Reise aber mit zu den Dingen gehört, die es zu etwas spannendem werden ließen. Ich habe während der Zeit durch solche Vorkommnisse erlebt, dass man schon irgendwie eine Möglichkeit findet, um weiterzukommen und einfach positiv und erfinderisch in die Zukunft blicken muss. Daher ist auch die Frage, was mir am besten an der Reise gefallen hat, schlicht nicht zu beantworten. Der Weg von Alaska nach Argentinien ist ein zusammenhängendes Projekt gewesen und hatte zu jederzeit etwas, was die Reise zu dem werden ließ, was sie letztendlich war. Dazu zählten auch die eher unschönen Dinge, die wir sahen. Extreme Armut, Städte, die im Müll versanken, Drogenabhängige und ein anderer Motorradfahrer, der die gleiche Tour wie wir machte, aber leider aufgrund eines schweren Unfalls in Kolumbien verstarb, führten mir immer wieder vor Augen, wie glücklich ich mich schätzen kann, dass ich gesund bin und abgesehen von der Möglichkeit diese Tour überhaupt machen zu können auch sonst ein Leben führen kann, wie ich es mir vorstelle. Leider gibt es zu viele Menschen auf der Welt, die diese Möglichkeit nicht haben…

Zwei Dinge möchte ich hier in jedem Fall hervorheben, die mir die Reise wirklich sehr angenehm gemacht haben. Mein Anzug der „Touratech Compañero“ ist auf der Reise zu einer Art zweiten Haut für mich geworden. Da wir fast jeden Tag mit dem Motorrad unterwegs waren, hatte ich auch den Anzug fast jeden Tag an und egal ob es kalt war, geregnet hat, gestürmt hat oder über 40°C heiß war, der Anzug hat bei jedem Wetter genau das geboten, was ich als Fahrer benötigte. Zur Sicherheit kann ich erfreulicherweise nichts sagen, da ich keinen Unfall hatte. Das Sicherheitsgefühl, das der Anzug vermittelt, ist aber auch nach knapp über 45.000 Kilometern immer noch sehr positiv. Außerdem ist der Anzug wirklich unglaublich bequem. Teilweise bin ich daher auch selbst nach unserer Ankunft am Zielort noch in den Klamotten geblieben und habe ihn nur zum Schlafen abgelegt. Da das Material zudem Mückendicht ist, hatte ich in Alaska einmal die Idee in dem Anzug zu schlafen, muss aber davon abraten, weil die Grenzen des Komforts hier aufgrund der Protektoren doch überschritten werden. Alles in allem bekommt man für sein Geld ein hervorragendes Teil.

Als zweites möchte ich die Betreuung durch meine Naspa Bankberaterin Emine Özaslan hervorheben, auf die ich jederzeit zählen konnte. Mir wurde in den USA leider die Kreditkarte kopiert und während wir in Tijuana waren, habe ich angeblich in New York eingekauft. Ich hatte natürlich eine zweite Karte für den Notfall dabei, allerdings musste das Limit so schnell wie möglich angehoben werden, da aufgrund der gesperrten Hauptkarte nun alles über diese Karte lief. Die neue Karte wurde mir ebenfalls schnell zugestellt und ob ich nun eine Überweisung tätigen musste oder aufgrund eines Problems in meinem online Account eine schnelle Umsatzauskunft brauchte, ich konnte mich immer auf Emine verlassen. Selbst während sie krankgeschrieben war, hat sie trotzdem alles eingeleitet, sodass unverzüglich alles durch ihren Vertreter Sascha Lippert erledigt wurde. Persönlich würde ich auf solch einer Reise aber zukünftig nicht nur mit zwei Master Cards losziehen, sondern auch eine Visa oder EC mitnehmen, für alle Fälle.

Den letzten Part möchte ich meinem Reisegefährten Constantin widmen, da ich auch diesbezüglich extrem unterschiedliche Meinungen im Vorfeld und auch während der Reise gehört habe. Personen, die eine Reise mit mehreren Personen (auch mit Freunden) starteten und nach kurzer Zeit schon nicht mehr miteinander klar kamen, sodass sie sich trennten und alleine weiterreisten. Ich hatte im Vorfeld aufgrund dessen immer wieder mal Bedenken, ob wir es schaffen würden die komplette Reise gemeinsam durchzustehen oder ob auch wir irgendwann einfach genug voneinander haben würden. Komplett unterschiedliche Herangehensweisen an die Planung und etwas unterschiedliche Erwartungshaltungen an die Reise machten das Gefühl nicht unbedingt besser. Aber auch hier hat sich bewährt, dass wir uns einfach beide locker gemacht haben und daher so gut wie nie aneinander gerieten. Nicht nur, dass es einige Dinge vereinfacht hat zu zweit zu reisen, war es einfach zu jederzeit toll einen guten Freund dabei zu wissen und diese grandiose Erfahrung zu teilen. Da somit für mich auch Constantin ein Teil der Reise war, würde ich sie jederzeit auch wieder gemeinsam mit ihm machen.

Abschließend möchte ich auch denen Danken, die hier im Blog mitgelesen haben und den vielen Leuten, die mir geschrieben haben und teilweise wirklich gute Tipps gegeben haben. Ich war tatsächlich ziemlich baff, dass weit mehr Personen, als ich erwartet hatte, auf meiner Seite waren. Ich hoffe, dass zumindest ein paar Leute, die sich vorher nicht getraut hätten, dadurch den Mut finden, auch einfach mal den Schritt zu gehen und für eine längere Zeit zu reisen. Es gibt einem so viel mehr, als man dadurch verlieren könnte.

13.12 – 25.12 Patagonien und Feuerland

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Seit wir die ersten Vulkane auf unserer Reise sahen, haben sie mich begeistert. In Santiago hatten wir von Paulina einige interessante Ziele mitgeteilt bekommen. Eines war der aktive und besteigbare Vulkan Villarrica in Pucón in dessen Krater man nachts das Glühen der Lava sehen kann. Daher war unser erstes Ziel in Patagonien einen weiteren aktiven Vulkan (den letzten sahen wir in Ecuador) zu sehen. Leider fing es ca. 30 Kilometer vor der Stadt an zu regnen und die Sicht verschlechterte sich zunehmend, je weiter wir uns Pucón näherten, sodass man von einem Vulkan weit und breit nichts erahnen konnte. Da es schon spät war, entschieden wir uns trotzdem in der Stadt zu bleiben und buchten uns in ein Hostel ein. Als wir in das Haus eintraten, sahen wir direkt das beherrschende Thema: Der Vulkan. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Eigentümer und nach einem Blick auf die Wettervorhersage war klar, dass auch am nächsten Tag weder mit guter Sicht noch mit der Möglichkeit einer Besteigung zu rechnen war und auch für den Tag danach sah es übel aus. Wir beschlossen trotzdem erstmal zu warten und vielleicht doch mit Glück zumindest einen Blick auf den Vulkan zu erhaschen. Am nächsten Tag sah es aber nochmals deutlich schlimmer aus und wir überlegten doch einfach weiter zu fahren, allerdings sagte uns die Wettervorhersage, dass es zwei Tage später wolkenlos werden sollte und wir buchten „Auf Gut Glück“ eine Besteigung zum Gipfel. Tatsächlich war das Wetter auf unserer Seite und morgens um 6:30 ging es zum Fuße des Vulkans. Bepackt mit Eispickel, Steigeisen, wasserdichten Anzügen und mit einem dieser Schlitten aus Plastik mit Griff, die an eine Art Matte erinnern, wanderten wir zunächst einen Pfad entlang, von dem aus man den gesamten Vulkan eindrucksvoll vor sich aufragen sah. Nach ca. einer halben Stunde erreichten wir die Schneegrenze und unser Bergführer bedeutete uns, dass es nun Zeit sei die Steigeisen anzuziehen und den Eispickel vom Rucksack zu nehmen. Durch den enormen Niederschlag der vorherigen Tage waren viele Stellen des Berges stark vereist und durch das enorme Gefälle, gaben die Steigeisen bei jedem Schritt eine gute Sicherheit. Die erste größere Pause machten wir bei einem Betongebilde, welches eine ehemalige Skiliftstation war, die bei einem Ausbruch 1971 weitestgehend zerstört wurde. Bevor es weiterging erklärte uns der Bergführer, dass wir ab nun sehr eng zusammenbleiben sollten und möglichst jeder in die Fußstapfen seines Vorgängers treten sollte, um nicht versehentlich auf eine Eisplatte zu geraten und abzurutschen. Nach knapp vier Stunden war es geschafft. Wir standen am Krater des 2.847 Meter hohen Vulkans und genossen die Aussicht und schauten den aus dem Krater aufsteigenden Rauchwolken zu. Überall verstreut lag schaumartig erstarrtes Lavagestein, welches durch das Blubbern im Krater entsteht, hin und wieder ausgeworfen wird und dann in der Kälte direkt erstarrt. Nach einer kurzen Zeremonie, in der jeder einen Schluck aus einer mitgebrachten Flasche Wein nahm, „Pachamama“, der Mutter Erde, für den geglückten Aufstieg dankte und ihr ebenfalls einen Schluck gab, indem wir diesen auf den Boden schütten sollten, beendeten wir unseren Aufenthalt auf dem Gipfel. Der Weg nach unten gestaltete sich deutlich entspannter als der Aufstieg. Eigentlich sollte schon nach ein paar hundert Metern der Schlitten ausgepackt und den Hang des Vulkans herunter gerutscht werden. Leider hatten die Bergführer bedenken, bzgl. der vereisten Flächen und so mussten wir noch ein wenig warten, bis wir den restlichen Weg im Eiltempo auf den Plastikdingern zurücklegten.  Auf halber Strecke machte uns einer unserer Bergführer auf ein Wetterphänomen aufmerksam. Ein Ring, der sich um die Sonne herum bildete. Ich habe dazu etwas im Internet geforscht. Das Phänomen, welches wir gesehen haben nennt man 22° Ring und ist ein Lichteffekt, der durch Eiskristalle in 8 – 10 Kilometern Höhe entsteht (Wikipedia: Halo). Eine tolle Erfahrung und einen mächtigen Sonnenbrand im Nacken und im Gesicht reicher, endeten unsere Besteigung und auch unser Aufenthalt in Pucón. Am nächsten Morgen ging es weiter in Richtung Süden.

Ursprünglich hatten wir aufgrund der Empfehlung von Matías geplant im Osten die Ruta 7 zu nehmen. Allerdings entschieden wir uns aufgrund der vielen nötigen Fährfahrten dagegen und bogen bei Puerto Montt in Richtung Westen auf die Insel Chiloe ab. Wir hatten kurz vorher an einer Tankstelle nach den Kosten und den Zeiten der Überfahrten gefragt und aufgrund der ebenfalls vielversprechenden Landschaft, die uns vom Tankwart angepriesen wurde und des schnelleren Vorankommens dafür entschieden. Nach einer kurzen Fährfahrt auf die Insel und ein paar weiteren Kilometern entlang der nördlichen Küste kamen wir in der Stadt Ancud an, wo wir uns in ein Hostel einmieteten und im Internet nach den Abfahrtszeiten der langen Fährfahrt vom Süden der Insel zurück aufs Festland erkundigten. Einmal pro Woche und die Abfahrtszeit war vor 2 Stunden… Sehr gut! Nach einem kurzen Gespräch mit anderen Gästen des Hostels war klar, dass wir nur zwei Möglichkeiten haben. Entweder fahren wir zurück bis nach Puerto Montt und biegen dort auf die Ruta 7 ab oder wir fahren bis zum Süden der Insel, den wir locker in einem Tag erreicht hätten und warten dort eine Woche. Wir entschieden uns für Option A und fuhren am nächsten Tag den gesamten Weg wieder zurück. Das kurze Stück was wir von der Insel gesehen hatten war zwar durchaus schön, kann aber keineswegs mit der Landschaft im Osten entlang der Ruta 7 mithalten, weshalb ich im Nachhinein auch sehr froh bin, dass wir diesen Weg einschlagen mussten. Uns erwartete eine Mischung aus einer Fjordlandschaft, wie sie in Norwegen anzutreffen ist, eines Urwaldes, der etwas an Mittelamerika erinnerte und schneebedeckten Bergen.

Je weiter wir allerdings nach Osten in Richtung Argentinien fuhren, desto kahler wurde die Landschaft und nachdem wir die Grenze übertreten hatten, war von der malerischen Landschaft Chiles nichts mehr zu sehen. Wir waren wiedermal im Nichts angekommen. Allerdings hatten wir in dieser kargen Landschaft trotzdem Glück, da sich immer wieder neue Tiere blicken ließen. Als erstes lief ein Gürteltier über die Straße, welches sich, bis wir angehalten hatten, aber bereits vor uns versteckte. Der Größe nach zu urteilen, war es noch recht jung und hat sich wahrscheinlich aufgrund fehlender Erfahrung auch nach dem Motto „Wenn ich euch nicht sehe, seht ihr mich auch nicht“ versteckt. Außerdem sind uns einige Nandus (eine dem Strauß ähnelnde Laufvogelart) und Guanakos (die Urform des Lamas, sehr ähnlich dem im Norden lebenden Vi­cu­ñas) immer wieder über den Weg gelaufen. Da wir trotzdem so schnell wie möglich aus dieser Öde herausfahren wollten, fuhren wir deutlich längere Distanzen und hatten geplant schon nach zwei Tagen wieder in Chile einzureisen. Zur Erklärung: Chile ist im Süden so stark zerstückelt, dass hier auf dem Landweg keine Möglichkeit besteht bis in den Süden zu reisen, daher muss man einen kurzes Stück durch Argentinien fahren und kann erst weiter im Süden wieder zurück nach Chile.

Als wir knapp 70 Kilometer vor La Esperanza anhielten, um aufgrund der extrem niedrigen Temperaturen noch eine weitere Schicht Kleidung anzuziehen, machte mein Motorrad unsere Planung allerdings kurzfristig zunichte. Es sprang nicht mehr an. Ich hatte keine Ahnung was los war und wir tippten darauf, dass vielleicht der Anlasser einen Schlag hat. Aber auch Anschieben brachte nichts. Als wir so am Straßenrand standen, hielt auf einmal der Spanier Alejandro mit seinem Motorrad neben uns und wir gingen zu dritt auf Fehlersuche. Leider ohne Erfolg. Ich hatte glücklicherweise ein Abschleppseil dabei, was nun nach fast sechs Monaten aus den Tiefen des Gepäcks zum Einsatz kam und Constantin schleppte mich mit seiner Transalp bis nach La Esperanza, wo wir auf einen Mechaniker hofften. Stattdessen wartete dort bereits Alejandro, der uns erklärte, dass die hiesige Tankstelle kein Benzin mehr hätte und voraussichtlich auch in den nächsten 2 Stunden kein neues bekommen würde. Da wir nun also sowieso Zeit hatten, aßen wir erstmal zu Mittag und machten uns danach auf die Suche nach einem Mechaniker. Wir fanden zwar einen, aber er und seine Werkstatt sahen eher so aus, als hätte ich nach der Reparatur zwar immer noch keinen funktionierenden Anlasser, aber dafür ein drittes Rad irgendwo drangeschraubt. Er winkte ab und erklärte uns, dass wir es in der nächsten Stadt versuchen sollten (die über 100 Kilometer entfernt war und für mich erstmal schwierig zu erreichen). Ich schob also mein Motorrad zurück zur Tankstelle und es passierte etwas, was schon so oft auf der Reise passiert ist. Ich wollte es noch einmal versuchen und als ich den Anlasser betätigte, hörte ich das gewohnte Geräusch des Anlassers. Irgendwie hatte sich das Problem von selbst gelöst und das Motorrad sprang wieder an. Nach etwas Recherche und Rekonstruierung der Bewegungen am Motorrad, tippte ich auf ein Problem, was auch schon Alejandro vermutet hatte: den Sensor im Seitenständer. Dieser ist seither mit Panzertape fest nach oben geklebt und ich nutze nur noch den Hauptständer (In Deutschland muss bei Motorrädern der Motor ausgehen, bzw. darf nicht starten, wenn der Seitenständer runtergeklappt ist, um einen Unfall in Kurvenlage zu vermeiden). Wir warteten immer noch an der Tankstelle auf neues Benzin und hatten wieder Hoffnung gefasst, heute doch noch weiter nach Chile fahren zu können. Unter sichtlich aufkommender Hektik strömten ca. 1,5h später alle wartenden Personen zu ihren Fahrzeugen, als ein Tanklaster der Betreibergesellschaft angerollt kam. Der Fahrer schaute allerdings ziemlich verwundert, als er von allen Wartenden in überschwänglicher Freude begrüßt wurde und erklärte kurz darauf, dass er kein Benzin bringen würde, sondern lediglich eine Kleinigkeit zum Essen kaufen wollte. Er erklärte sich aber bereit mal nachzufragen, wo der Kollege bleibt und teilte uns mit, dass vor zehn Uhr abends nicht mit ihm zu rechnen sei. Wir checkten daher im Hotel gegenüber ein und fuhren erst am nächsten Morgen mit neuem Benzin weiter in Richtung Süden, erneut über die Grenze nach Chile und nach Punta Arenas, wo wir aufgrund der Vorkommnisse einen Tag später ankamen als geplant. Normalerweise wäre das kein Problem gewesen, aber Weihnachten stand vor der Tür und unsere Reifen hatten trotz Schonung mittlerweile nicht mehr genügend Profil für die bevorstehenden Kilometer nach Ushuaia. Auch meine Kette hatte seit Bolivien so gelitten, dass ich in den sauren Apfel beißen und mir noch eine neue besorgen musste. Wir hatten allerdings  bisher weder neue Reifen, noch jemanden, der sie auf die Felge montieren konnte. Den Abend des 23. Dezember verbrachten wir also mit der Suche nach einem Reifenhändler und einem Mechaniker. Wir fanden zunächst einen Mechaniker, leider hatte dieser, genau wie die meisten anderen Händler der Stadt nicht die richtigen Reifen im Angebot. Nach unzähligen Fehlversuchen bekamen wir den entscheidenden Hinweis. Mitten in einem Wohngebiet, komplett ohne Werbung befindet sich in Punta Arenas ein Mechaniker und Händler, der u.a. für MotoAventura die BMW Flotte wartet und dieser hatte sowohl die passenden Reifen als auch die benötigte Kette. Leider war er komplett ausgebucht und der nächste Termin zum Umbau der Reifen wäre aufgrund des Weihnachtswochenendes erst Tage später gewesen. Wir hatten jedoch die Idee den Reifen einfach dort zu kaufen, bei dem anderen Mechaniker aufziehen zu lassen und selbst umzubauen. Den Heiligabend verbrachten wir daher zunächst auf dem Bürgersteig des Mechanikers und wechselten dort Reifen und Kette, bevor die Läden langsam ihre Tore schlossen und auch wir mehr oder weniger in weihnachtlicher Stimmung Abendessen gingen. Zwar war es in Punta Arenas zu der Zeit trotz des südkontinentalen Sommers sogar kühler als in Deutschland, aber trotzdem fehlten die weihnachtlichen Traditionen, weshalb der Abend eigentlich wie jeder andere auch verlief. Am nächsten Morgen ging es zu früher Stunde schon zur Fähre, die uns nach Feuerland bringen sollte, wo die letzte Station des Projektes „Panamericana“ auf uns wartete.

Am 1. Weihnachtsfeiertag erreichten wir Feuerland. Die Insel trägt ihren Namen aufgrund des portugiesischen Seefahrers Ferdinand Magellan. Bei der Erkundung der heute nach ihm benannten Magellanstraße, sahen sie im Norden (Patagonien) nichts, aber im Süden viele Lagerfeuer der dort lebenden Indianer, weshalb Magellan das Land als Feuerland bezeichnete.

Wir hatten aufgrund des vorherigen Landschaftsbildes schon eine wage Befürchtung was uns erwarten würde und es bestätigte sich als wir in Porvenir einliefen. Nichts…. Überall wieder nichts außer Wiese und Schafe. Sollte so also das Ende der Panamericana aussehen? Langweilig, eintönig und kalt? Egal, noch knapp 400 Kilometer, die wir jetzt auch durchziehen wollten. Wir fuhren aus der Stadt heraus und mit diesem Moment war die Straße weg und eine schön zu fahrende Schotterpiste schlängelte sich die Küste der Insel entlang, was ca. 60 Kilometer lang doch mehr war, als ich zu Beginn dachte. Nach diesen 60 Kilometer machte die Straße allerdings eine Kurve, führte ins Landesinnere und das Landschaftsbild wurde wieder von endloser Wiese und Schafen abgelöst. Zumindest sorgte die Schotterpiste für etwas Spaß, was sich jedoch änderte als wir die Grenze zu Argentinien überquerten. Der Schotter endete und die Strecke wurde des letzten bisschen Abenteuers beraubt. Was sich jetzt wahrscheinlich anhört als wären die letzten Kilometer absolut schrecklich gewesen, hat in mir allerdings dazu geführt, dass ich auf der schnurgeraden Strecke durch die eintönige Landschaft in eine Art Trance gefallen bin. Mit dem Wissen, dass in den nächsten Stunden das Ziel, wofür Constantin und ich die letzten Monate „gearbeitet“ hatten, erreicht sein würde. Irgendwie hatte ich dadurch das Gefühl die Reise nochmal im Schnelldurchlauf zu durchleben. Angefangen in Alaska, was mich so wahnsinnig beeindruckte, über das wilde Yukon durch Kanada in die Vereinigten Staaten, deren Menschen uns überall so unglaublich Gastfreundlich begegneten… Wir fuhren an einem Verkehrsschild vorbei: „Ushuaia 299“ und ich denke „Ende in 299 Kilometern“… Eigentlich fing das Abenteuer aber erst mit dem Grenzübertritt nach Mexiko an. Eine fremde Sprache, eigentlich nur Horrorstorys, die man im Vorfeld und gerade im nördlichen Nachbarland gehört hatte und dann kam alles anders. Eine Woche im Herzen Tijuanas und ich hatte Mexiko bereits lieben gelernt. Auch die Weiteren Wochen in diesem Land mit dem besten Essen der Reise, tollen Sehenswürdigkeiten und einer beeindruckend vielfältigen Natur. Belize läutete karibisches Feeling und Mittelamerika ein, durch das wir aufgrund der Zeit, die wir in Mexiko verbrachten leider etwas durchhetzen mussten, dass aber dennoch überall mit tollen Menschen und einer Art zu leben aufwartete, die so ganz anders war, als das was ich aus Deutschland kannte. Eines meiner Highlights der Reise war die Überfahrt mit der Stahlratte, die unser Tor zu Südamerika bildete… „Ushuaia 185“… Kolumbien mit einer grandiosen Woche in Medellín. Ecuador, der erste aktive Vulkan, den ich sehe und das erste Mal Bungee springen. Peru, und Bolivien, wo wir Besuch von unseren Vätern erhielten und gemeinsam die Mayastadt Machu Picchu  erkundeten bevor wir uns in den bolivianischen Anden verirrten. Chile mit seiner tollen Hauptstadt erneut tollen Menschen, dem Besuch Arnes und Patagonien, was sich über die südliche Landesgrenze nach Argentinien erstreckt, bis wir auf dem letzten Abschnitt angekommen waren: Feuerland.

Die Insel machte fast den Eindruck, als wäre es ihre Absicht Zeit zum Denken zu geben und den Anschein eines langweiligen Schlussstücks zu mimen, was man nur fährt, damit man es eben zu Ende bringt, denn fast unmerklich änderte sich die Landschaft. Die Wiesen wurden allmählich von moosbedeckten Bäumen geschmückt, immer mehr Wald tat sich vor uns auf und auf einmal waren am Horizont Berge zu sehen. Die Straße änderte sich und wurde kurvig, sodass wieder Spaß am Fahren aufkam. Die letzten ca. 100 Kilometer bis nach Ushuaia sind absolut traumhaft und bildeten einen würdigen Abschluss der Tour. Von Euphorie gepackt, konnte ich es kaum abwarten. Fast sechs Monate hatten wir immer wieder die gleiche Geschichte erzählt: „Wir fahren von Anchorage nach Ushuaia“, und nun waren wir kurz davor. Bis wir (endlich) das Ortsschild passierten. Nach 41.697 Kilometern und 177 Tagen hatten wir Ushuaia erreicht und uns damit zu Weihnachten selbst beschenkt.

Wie geht es nun weiter?

Ich fliege am 11.1.2016 von Buenos Aires wieder zurück nach Deutschland. Ich hatte lange überlegt, was ich mit meinem Motorrad machen soll. Ich war eigentlich die ganze Zeit eher davon überzeugt, dass ich es verkaufen und nicht mit nach Deutschland nehmen will. Ich hatte sogar jemanden an der letzten Grenze zu Chile kennengelernt, der starkes Interesse hatte und es mir gerne abgekauft hätte. Ich hätte die Möglichkeit gehabt nach Puerto Natales in Chile zu fahren, mein Motorrad zu verkaufen, von dort nach Buenos Aires zu fliegen, noch ein paar Tage Urlaub zu machen und dann wieder nach Deutschland zu fliegen. Aber wo die Möglichkeit auf einmal so vor mir lag, merkte ich, dass sich in meinem Inneren einiges dagegen sträubte. Ich konnte Constantin doch nach unserer Reise jetzt nicht einfach alleine wieder nach Norden fahren lassen, nur damit ich mein Motorrad verkauft bekomme. Außerdem wäre der Preis den er mir bereit gewesen wäre zu zahlen, deutlich zu niedrig für den ideellen Wert, den das Motorrad durch die Reise bekommen hat. Das Projekt „Panamericana“ wurde erfolgreich abgeschlossen, aber die Tour an sich war und ist das eigentliche Ziel und daher fahren wir nun an der Atlantikküste wieder nach Norden und ich schaue, ob ich in Buenos Aires noch jemanden finde, der das Motorrad zu einem besseren Preis kaufen möchte oder – und das ist viel wahrscheinlicher – ich nehme es wieder mit nach Deutschland.

 

29.11 – 10.12 Chile

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Nach all den Strapazen der letzten Tage dachten wir eigentlich, dass die Umstände mit dem Grenzübertritt nach Chile wieder ein wenig besser werden würden, aber leider war dem nicht so. Schon bevor wir überhaupt offiziell im Land waren, sahen wir neben dem „Bienvenido a Chile“ Schild, dass die nächste Stadt Calama noch 192 Kilometer entfernt war. Unser Tank reichte aber maximal noch für 100 Kilometer und in dem Dorf Ollagüe, wo sich die Grenzstation befand, sahen wir leider auch keine Tankstelle. Durch unsere Müdigkeit stellten wir dieses Problem aber erstmal hinten an und kümmerten uns um den Grenzübertritt, der anders als von anderen berichtet ohne Probleme vonstattenging. Die chilenische Grenzpolizei achtet sehr penibel darauf, dass keine Früchte, Wurst oder Käse ins Land eingeführt werden. Wir hatten gehört, dass zu diesem Zweck das komplette Gepäck für eine Kontrolle ausgepackt werden muss. Unser Grenzbeamte war aber viel mehr an unserer Reise interessiert, unterhielt sich mit uns über Dinge, die wir uns im Land unbedingt anschauen sollten und zeigte uns Bilder von seinem Heimatdorf. Nachdem er einen flüchtigen Blick in unsere Koffer geworfen hatte, gab er uns noch einen Tipp zur Übernachtung und wir waren offiziell in Chile angekommen. Da wir außer den Keksen am Morgen die letzten 36 Stunden schon nichts mehr gegessen hatten, fuhren wir zu dem empfohlenen Gasthaus des Grenzers und bestellten uns eine doppelte Portion Abendessen, bevor wir uns schlafen legten. Am nächsten Morgen machten wir uns auf die Suche nach Benzin und fanden nach mehreren Versuchen jemanden, der uns etwas verkaufen wollte. Die nächsten Kilometer bestanden im Wesentlichen aus Wüste und Sandteufeln, die sich neben uns entwickelten und mich immer wieder beeindruckten. Als Tagesziel hatten wir uns die Stadt Antofagasta herausgesucht. Sie liegt direkt am Pazifik und bot dadurch wieder eine Alternative zur kargen Wüstenlandschaft der letzten Tage. Obwohl die Stadt selbst einen interessanten Eindruck machte, fuhren wir am nächsten Tag dennoch gegen frühen Nachmittag weiter, da sich schon erneuter Besuch aus Deutschland für Santiago ankündigte. Raus aus der Stadt, wieder rein in die Hochebene und wieder nichts als Wüste. Die nächste Station war das kleine Dorf  Taltal, welches ebenfalls am Pazifik liegt. Am Morgen unsere Abfahrt saßen wir beim Frühstück und wurden von den beiden Kunsttherapeutinnen  Paulina und Esther auf unsere Sprache angesprochen. Als wir ihnen erklärten, dass wir deutsch sprechen, wollten sie erfahren was wir hier in diesem kleinen Nest machen. Daraus entwickelte sich ein längeres Gespräch in denen sie uns erklärten, dass sie normalerweise auch nicht hier wohnen, aber aufgrund eines tragischen Erdrutsches, der vor Monaten nach starken Regenfällen die Stadt verwüstete die traumatisierten Kinder therapieren und heute ihr vorletzter Tag dort sei. Paulina, die mit ihrer großen Verwandtschaft in Santiago wohnt, lud uns ein, uns gerne zu melden, wenn wir in Santiago seien und eine Unterkunft bräuchten. Da mein Freund Arne allerdings mitten im Zentrum am „Plaza de Armas“ sein Hostel bezogen hatte und Paulina im äußersten Teil der Stadt wohnt, verwarfen wir den Gedanken zunächst, außerdem hatten wir noch einige Kilometer bis Santiago vor uns. Ich hatte die Tage zuvor schon ein wenig Probleme mit meiner Batterie und musste meist morgens das Motorrad anschieben, da sich die Batterie über Nacht meist weitestgehend entladen hatte. Als wir allerdings in Taltal starten wollten, half auch jedes Anschieben nichts und wir mussten mit dem Überbrückungskabel nachhelfen. Eigentlich hatte ich nicht vor nochmal eine neue Batterie zu kaufen, aber kurz vor der Stadt Caldera brach auf einmal komplett die Leistung des Motorrads zusammen und ich konnte noch mit maximal 20 km/h im ersten Gang weiterfahren. Aus diesem Grund legten wir einen außerplanmäßigen Stopp ein und ich überprüfte als erstes die Batterie als vermutete Fehlerquelle. Tatsächlich war seit meiner letzten Kontrolle die Batterieflüssigkeit bei zwei Kammern komplett verdunstet und die Batterie damit komplett zerstört. Wir checkten in einem Hostel ein und ich dachte zunächst, dass nun eine Odysee des Suchens beginnen würde, aber wie sooft hatten wir Glück und direkt an der Ecke der Straße befand sich ein Händler für Motorradersatzteile, der auch eine passende Batterie da hatte. Kurz umgebaut und wir konnten unsere Reise nach Santiago fortsetzen.

Arne, der auf einen Kurztrip in den Süden Chiles aufgebrochen war, sollte zwei Tage nach unserer Ankunft wieder zurück in Santiago sein, sodass wir die Stadt zunächst alleine erkundeten. Santiago ist mit ca. 6 Millionen die größte Stadt Chiles. Obwohl sie die Hauptstadt ist, liegt der Regierungssitz im 115 entfernten Valpareiso. Bis Santiago hat mir Chile eher weniger gefallen. Natürlich waren unsere vorherigen Stopps ganz nett, aber gerade die Fahrten waren unglaublich langweilig. Kurz vor Santiago änderte sich aber das Landschaftsbild leicht hin zu etwas mehr grün und die die Stadt Santiago empfand ich als einer der schönsten, die wir bisher besucht hatten. Tolle alte Gebäude umgeben von Palmen und etwas außerhalb des Stadtzentrums Streetart wo auch immer man hingeschaut hat. Außerdem gibt es in der Stadt an jeder Ecke kleine Cafés, sehr interessant gestaltete Bars und grandios angelegte Parks, die schnell zu erreichen sind und der Stadt die Hektik rauben, die man ein paar Straßen weiter in den urbanen Gegenden sofort wiederfinden kann, wenn es in der Ruhe der Parks zu langweilig werden sollte. Mir hat der Mix aus alldem sehr zugesagt. Am nächsten Tag um neun Uhr landete Arne ebenfalls wieder in Santiago und wir trafen uns kurze Zeit später, um mit ihm weiter Santiago zu erkunden und das gute Wetter zu genießen.

Am nächsten Tag hatte ich von Paulina eine Nachricht erhalten, ob wir noch in Santiago seien und Lust hätten am Abend zum Grillen vorbei zu kommen. Beim Grillen bin ich immer dabei und auch Constantin und Arne waren von der Idee angetan und so begaben wir uns Abends auf den Weg in einen der Außenbezirke Santiagos, um dort mit einem Teil von Paulinas Familia zusammen zu grillen. Es hätte wirklich keinen besseren Abschluss für Santiago geben können.  „Gracias por la gran noche y la comida deliciosa.“

Nachdem wir Santiago verließen fuhren wir weiter in Richtung Süden und überprüften an einem Rastplatz die Spannung unserer Ketten. Seit der sandigen und salzigen Landschaft in Bolivien hatte besonders meine Kette deutliche Abnutzungserscheinungen gezeigt und auch hier zeigte sich, dass wir beide Ketten spannen sollten. Constantin bekam leider seine Schraube nicht auf und so beschlossen wir in der nächstgelegenen Stadt San Fernando einen Mechaniker mit größerem Schraubenschlüssel für einen besseren Hebel anzuhalten. Als wir bei dem Mechaniker ankamen, nutzte ich die Gelegenheit und fragte nach einer Einschätzung bzgl. der noch fahrbaren Kilometer mit meinem hinteren Kettenrad, da auch dieses mittlerweile ziemlich abgenutzt war. Als er das Rad sah, sagte er, dass ich es eigentlich sofort tauschen müsste, da ich so maximal noch 200 Kilometer kommen würde und danach alle Zähne weg wären. Da er aber kein passendes da hatte, riet er uns zurück nach Santiago zu fahren und es dort tauschen zu lassen. Irgendwie Da das gesamte Material (Reifen, Ketten und die undichte Federgabel) allerdings den Eindruck macht, dass wir unseren Weg ohne weitere Umwege fahren sollten, um nicht noch mehr Geld in die Motorräder stecken zu müssen, beschlossen wir uns erstmal eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen und einen anderen Weg zu finden. Nach ein wenig Recherche im Internet beschloss ich am nächsten Tag mit dem ersten Bus zurück nach Santiago zu fahren, dort ein Kettenrad zu kaufen und es wieder zurück in San Fernando einbauen zu lassen. Nachdem auch alles reibungslos geklappt hatte, konnten wir unsere Reise am nächsten Tag fortsetzen und kamen langsam in Richtung Patagoniens.

Als (geografisches) Patagonien wird das Gebiet zwischen den Flüssen „Rio Bio Bio“ und „Rio Colorado“ und der südlich gelegenen Magellanstraße bezeichnet, wobei es keine genaue festgelegte Grenze gibt. Da sich das Bild von Chile als Land für mich ab diesem Zeitpunkt komplett änderte und nichts mehr mit der eher langweiligen Wüstenlandschaft des Nordens gemeinsam hatte, widme ich mich Patagonien im nächsten Beitrag.

Abschließend ein Lachsceviche:

21.11 – 29.11 Bolivien

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Das mit Abstand anstrengendste Land für Mensch und Maschine durch welches wir bisher gefahren sind heißt Bolivien. Dabei änderte sich zu Beginn kaum etwas zu den Verhältnissen aus Peru. Ca. 120 Kilometer hinter der Grenze liegt bereits La Paz, die Stadt mit dem höchsten Regierungssitz der Erde. Sie befindet sich in einer sehr bergigen Landschaft, weshalb zwischen dem oberen Teil El Alto und dem unteren Teil der Stadt ein Höhenunterschied von knapp 1.000 Metern besteht. Wir kamen zunächst im ärmeren oberen Teil der Stadt auf 4.100 Metern an, ohne zu wissen, dass sich das touristische Stadtzentrum, in dem auch unsere Väter einen Tag später ihr Hotel beziehen würden, im unteren  Teil der Stadt befindet. Wir hatten den Plan uns zunächst ins Zentrum durchzufragen und dort eine Bleibe zu suchen. Wir fragten mehrere Leute, die uns immer wieder in unterschiedliche Richtungen schickten, was letztendlich dazu führte, dass wir uns auf einmal mitten im Leben von La Paz bzw. El Alto und weit weg von Hotels oder Hostels wiederfanden. Ein riesiger Markt, tausende Menschen, die in kleinen ca. ein Quadratmeter großen Läden Dinge wie Handtaschen,  Getränke, Süßigkeiten, Handyhüllen, Kleidung oder ähnliches verkauften und mindestens genauso viele Menschen, die dort diese Dinge kauften oder aus sonstigen Gründen über den Markt liefen. Dass der Markt in keiner Weise vom Verkehr abgetrennt war und wir mittendurch fuhren, machte zwar das Vorankommen zu einer wirklich schwierigen Aufgabe, gab aber die Möglichkeit wirklich mittendrin zu sein. Nachdem wir mehrere Personen ansprachen und diese konkreter nach Übernachtungsmöglichkeiten fragten, aber erneut immer in unterschiedliche Richtungen geschickt wurden, in denen wir lediglich weitere Geschäfte oder noch mehr Markt vorfanden, hatten wir die Idee nach der genauen Hoteladresse unserer Väter zu fragen. Erst dann fanden wir heraus, dass wir im komplett falschen Teil der Stadt waren und eigentlich in den unteren Teil mussten. Mittlerweile hatten wir allerdings ein neues Problem: Das Benzin ging uns aus, bis zum unteren Teil der Stadt waren es noch über 20 Kilometer und wir hatten noch keine Bolivianos. Eigentlich könnte man denken, dass dies in einer so großen Stadt kein Problem sein sollte, aber in Bolivien werden viele Menschen zum Wochenende hin bezahlt, was dazu führt, dass aufgrund leerer Geldautomaten die Verfügbarkeit von Bargeld sehr gering ist. Außerdem haben alle Tankstellen an denen wir fragten die Annahme von Kreditkarten verweigert. Sowieso ist das Tanken für Ausländer in Bolivien ziemlich teuer, da Fahrzeuge mit ausländischem Nummernschild den dreifachen Preis pro Liter zahlen müssen. Dies kann aufgrund eines Computersystems in den das Kennzeichen eingetragen werden muss auch leider nicht umgangen werden. Ausländische Fahrzeuge sind also in der Regel keine wirklich gern gesehenen Gäste, was wir an manchen Tankstellen an denen wir nur unter größter Anstrengung überhaupt Benzin kaufen konnten, zu spüren bekamen. Glücklicherweise fanden wir nachdem wir uns aus der Oberstadt gekämpft hatten ziemlich schnell ins Zentrum und dort ein Hostel, in dem wir unterkommen konnten und das kein Problem mit einer späteren Bezahlung hatte. Am nächsten Tag erkundeten wir ein wenig die Stadt und warteten ab dem späten Nachmittag hauptsächlich in Wlan Nähe darauf die Info unserer Väter zu erhalten, dass sie ebenfalls angekommen sind. Während dieser Zeit planten wir den nächsten Tag. Wir wussten, dass unsere Väter einen Tagesausflug im Programm hatten, bei dem wir nicht eingeplant waren. Wir entschieden uns dafür mit den Motorrädern den Camino de la Muerte (Straße des Todes) zu fahren. Der eigentliche Name der Straße lautet Yungas- Straße, da sie von La Paz aus in das knapp 60 Kilometer entfernte Yungas Gebiet führt. Den Beinahmen Camino de la Muerte bekam sie, da aufgrund der Straßenverhältnisse dort jedes Jahr ca. 200 – 300 Menschen starben. Ein Grund dafür ist die geringe Sichtweite bei häufig auftretendem Nebel oder durch Erosion auftretende Erdrutsche. Größtes Problem war allerdings das hohe Verkehrsaufkommen auf der selten mehr als 3,5 Meter breiten Straße. Durch überbreiten Schwerlast- und Buslinienverkehr, der ebenfalls über diese Straße fuhr, blieb kaum Platz, um aneinander vorbei zu kommen. Um hier den Fahrern mehr Sicherheit geben zu können, wurde entlang der Straße der Linksverkehr eingeführt. Die links sitzenden Fahrer sollten so eine bessere Einschätzung des Abstands zum Abgrund erhalten. 2006 wurde eine gut ausgebaute Umgehungsstraße eröffnet, die dazu führte, dass der Kraftverkehr nahezu nicht mehr existiert und die Straße meist nur noch von Downhill-Fahrradfahrern, Motorradfahrern oder den wenigen Bewohnern der angrenzenden Dörfer genutzt wird. Unser Plan sollte sich allerdings leicht ändern, als wir erfuhren, dass unsere Väter nun angekommen waren und uns für den Tagesausflug am nächsten Tag noch nachgebucht hatten. Erfreut darüber, dass wir nun auch tagsüber Zeit mit unseren Vätern verbringen können, schoben wir den Plan entlang des Caminos zu fahren erstmal beiseite und trafen uns noch auf ein Bier mit Ihnen.

Am nächsten Tag wurden wir morgens abgeholt und fuhren zu unserer ersten Station dem La-Cumbre Pass auf 4.650 Metern. Dieser Pass bietet nicht nur einen tollen Ausblick sondern ist auch gleichzeitig Ausgangspunkt für die Downhill Fahrradtouren entlang der Yungas-Straße. Da wir an unserem Plan festhielten, die Straße ebenfalls fahren zu wollen interviewten wir unseren Reiseführer über alle möglichen Details die Straße betreffend, bis er vorschlug die Straße einfach mit dem Auto zu fahren, da unser Ziel sowieso in der Nähe der am Ende gelegenen Stadt Coroico läge. Unsere Väter waren ebenfalls angetan von der Idee und so bogen wir ca. 10 Kilometer hinter dem Pass mit unserem Van auf die Todesstraße ein. Zu Beginn lässt der Anblick der Straße tatsächlich ein wenig Adrenalin aufkommen, da nur teilweise Leitplanken angebracht sind und es daneben fast rechtwinklig in den Abgrund geht. Deutlich beeindruckender ist aber die Veränderung der Landschaft entlang der kompletten Straße. Innerhalb der knapp 60 Kilometer fährt man 3.450 Höhenmeter nach unten. Hierdurch unternimmt man einen Schnelldurchlauf durch viele Klimazonen des Landes. Anfangs befindet man sich noch in der kargen Berglandschaft des Altiplanos (Name der Hochebene) und gegen Ende im Amazonas Regenwald.

Dort befindet sich auch La Senda Verde eine ähnlich aufgebaute Auffangstation, wie wir sie bereits in Peru besucht hatten. Ursprünglich wurde La Senda Verde 2003 mit der Idee gegründet Touristen am Ende der Straße des Todes inmitten des Regenwaldes durch Ökotourismus eine Alternative zu bieten. Ein Jahr später wurde ein als Haustier gehaltener Affe aufgenommen, wodurch sich der Fokus von einem Anbieter für Ökotourismus dahingehend änderte, geschmuggelten oder falsch gehaltenen Tieren eine neue artgerechte Heimat zu bieten. Leider lässt die Gesetzeslage in Bolivien nicht zu, dass einmal in Gefangenschaft lebende Tiere wieder frei gelassen werden, weshalb darauf geachtet wird, dass sich die Tiere nicht mehr fortpflanzen können. Highlight der Tour war ein 2007 aufgenommener damals vier Monate alter Andenbär, der trotz der Tatsache, dass die Art als gefährdet gilt und die Jagd auf ihn verboten ist, in einem benachbarten Dorf gehalten wurde und gegessen werden sollte.

Anschließend ging es wieder zurück nach La Paz wo die letzte Station unseres Tagesausflugs wartete: Der Hexenmarkt in der Altstadt. Ich glaube nicht an die Wirkung von Glück in Flaschen, Liebestropfen oder Erfolgstabletten, aber es scheint durchaus einige Menschen zu geben, die da anders ticken. Eine komplette Straße mit kleinen Läden, die lediglich Zutaten verkaufen, um beispielsweise Kinder schneller einschlafen zu lassen, Frauen gefügig zu machen oder Männern die Lust auf Alkohol zu rauben, würde ansonsten wirtschaftlich nicht überleben können. Am abgefahrensten empfand ich aber die Möglichkeit, sich in den Läden sogenannte K’oas zusammenstellen zu lassen. Hierunter versteht man ein Brandopfer, dass meist vor einem Hausbau auf dem Hexenmarkt erworben wird. Als Hauptzutat werden hier kleine aus Zucker bestehende Steine verwendet, auf denen bestimmte okkulte Symbole zu sehen sind. Zusätzlich können auch gemalte Bilder mit dazu gepackt werden, die in Kombination dem erhofften Ergebnis des Kunden durch den Zauber entsprechen. Hierzu zählen meist Klassiker wie Geld oder Gesundheit. Das Paket wird mit Gold- und Silberfolie dekoriert und abschließend wird für Glück und Segen noch ein getrockneter Lama Fötus hinzu gepackt. Das Ganze wird dann für ein besonders gutes Ergebnis an einem Freitag verbrannt, da an diesem Tag die Mutter Erde „Pachamama“ besonders empfänglich für Zauber sein soll. Die Asche wird anschließend in das Fundament eingegraben, um seine Wirkung zu entfalten. Nach so viel Zauber und obskuren Waren machten wir eine kurze Pause und trafen uns abends wieder mit unseren Vätern in der Stadt, um bei einer traditionell bolivianischen Show zu Essen und in den Geburtstag von Constantins Vater Wolfgang rein zu feiern.

Am nächsten Tag trafen wir uns morgens nochmal zu viert, um mit der Seilbahn über die Stadt zu fahren und den Blick von oben zu genießen, bevor wir wieder zurück ins Hotel gingen, von wo aus die Beiden wieder die Heimreise antraten. Im Gespräch mit dem deutschen Mitarbeiter der Reiseagentur, der sie abholte, erfuhren wir, dass es in der Nähe ein sehr gutes deutsches Restaurant geben soll und so führte uns der Weg abends zum Restaurant „Reinecke Fuchs“. Als hätten wir die Anstrengungen der kommenden Tage geahnt ließen wir es uns mit Weißwurst und Grünkohl gut gehen und konnten feststellen, dass deutsche Kost und natürlich das Bier im entfernten Ausland sehr gut ankommt.

Zunächst begann der nächste Tag ziemlich normal. Wir holten unsere Motorräder aus dem Parkhaus und tankten, da wir natürlich nach wie vor auf absoluter Reserve fuhren, packten danach unsere Sachen zusammen und starteten unseren Weg in Richtung des südlichen Uyuni. Auf dem Weg raus aus der Stadt kämpften wir uns den Berg hoch in Richtung El Alto und mit jedem Höhenmeter wurden die altbekannten Probleme der dünnen Luft wieder größer. Rauf auf die Schnellstraße und die Fahrt in Richtung Süden begann. Der Weg führte uns durch eine bunte Landschaft aus Sand und Felsen und ich sah das erste Mal wilde Flamingos. Sie standen nicht weit entfernt von der Straße an einem Wasserloch, liefen jedoch weg, als ich versuchte mich etwas zu nähern. Je weiter wir uns allerdings von La Paz entfernten, desto schlechter wurde die Straße. Eigentlich war es eine Abwechslung aus perfektem neuen Straßenbelag und Abschnitten in denen nichts als rutschiger Sand vorhanden war. Das Fahren auf Sand ist sicherlich kein großes Problem, man kommt aber deutlich langsamer voran und erheblich anstrengender als eine Fahrt auf Asphalt ist es auch. Glücklicherweise überwogen die asphaltierten Stellen zunächst noch und so kamen wir nach zwei Tagen an unserem Ziel Uyuni an. Etwas außerhalb befindet sich ein Highlight der Stadt: Ein Zugfriedhof. Hier liegen mitten im Sand dutzende ausrangierte Locks und Wagons, die ihrem vollständigen Verfall entgegengehen und dadurch eine gespenstische Atmosphäre erzeugen. Das eigentliche Highlight befindet sich aber noch etwas weiter vor den Toren der Stadt: Der größte Salzsee der Welt „Salar de Uyuni“. In der Stadt selbst werden zahlreiche Touren angeboten, in denen man mit Jeep und Führer diese Salzwüste erkunden kann. Da die jeweiligen Enden der Wüste mit einer maximalen Ausdehnung von 140 Kilometern mit einem Motorrad locker zu erreichen sind, wollten wir uns auf eigene Faust in die Leere wagen.

Zur Sicherheit mit einer 1,5 Literflaschen voll mit Benzin als Reserve bepackt und einer Touristenkarte, die leider einiges an Detailreichtum vermissen ließ, fuhren wir kurz nach Sonnenaufgang wieder ein wenig in Richtung Norden, wo sich der „Eingang“ zum Salar befindet. Da es seit einiger Zeit nicht geregnet hatte, war der Boden nicht komplett weiß und trotzdem waren dies einer der hellsten Orte an dem ich je war. Selbst mit Sonnenbrille waren die Sonne selbst und ihre Reflektion am Boden kaum auszuhalten. Dass die Sonne hier eine enorme Kraft hat merkte man vor allem an den kurzen Momenten, in denen wir mal für ein Foto, zum Auffüllen des Tanks oder um etwas zu trinken stehenblieben. Innerhalb weniger Minuten wurde es in unseren Anzügen und im Helm trotz der kühlen Luft extrem heiß. Nachdem wir schon eine Weile durch das Nichts fuhren, sahen wir in einiger Entfernung einige Autos und Menschen. Auch wenn wir natürlich in keiner gefährlichen Situation waren, strahlte dieses Bild eine gewisse Beruhigung aus. Leider hielt dieses Gefühl nicht wirklich lange, denn als wir näher kamen stellten wir fest, dass wir einer ersten Täuschung aufgesessen waren. Was wir für ein Auto und Menschen gehalten hatten, waren lediglich Steine… Ein Grund zur Sorge bestand natürlich nach wie vor nicht, machte aber trotzdem klar, wie gefährlich eine Fata Morgana sein kann, wenn wir tatsächlich ein Problem hätten. Ein kurzer Blick auf den Kompass und auf und den Kilometerstand machte klar: Wir müssen noch weiter, um ins Zentrum zu kommen, wo unser Ziel die Insel „Incahuasi“ liegt. Nach ein paar weiteren Kilometern tauchte sie südlich von uns inmitten der Wüste auf und aus der Ferne sah es aufgrund des Flimmerns über dem Salzboden so aus als würden die klar erkennbaren Jeeps, die auf dasselbe Ziel wie wir zusteuerten, fliegen. Wir änderten unseren Kurs und waren kurze Zeit später ebenfalls an der Insel, die durch ihre meterhohen  und teilweise über 1.000 Jahre alten Säulenkakteen charakterisiert wird. Aufgrund der Sonne haben wir uns hier allerdings nicht lange aufgehalten und sind weiter in Richtung Süden gefahren, um sowohl die Salzwüste als auch das Land zu verlassen. Je weiter wir an den Rand des Sees kamen desto brüchiger wurde der Untergrund und wir beschlossen aufgrund der Unfallgefahr nicht am Rand entlang den südlichen Ausgang zu suchen, sondern uns aus etwas größerer Entfernung anhand der umringenden Berge zu orientieren. Nach einigen Kilometern des Suchens fanden wir einen durch LKW für die Salzgewinnung genutzten Pfad in Richtung des Dorfs Chuvica, das am Rand des Sees liegt. Als wir herausfuhren, erwarteten uns allerdings die mit großem Abstand schlechtesten Straßen der bisherigen Reise. Die Sandwege hatten teilweise eine wellenartige Beschaffenheit, die so aussah als wären dort Kettenfahrzeuge entlang gefahren. Die Stoßdämpfer der Motorräder wurden dadurch aufs härteste gefordert. Jeden Meter gab es unzählige Stöße aufs Fahrwerk und ich dachte schon, dass mein Laptop und alle fragilen Dinge, die ich dabei hatte, nach dieser Fahrt reif für den Müll wären. Nach einiger Zeit hörte die wellenartige Straße auf und wurde durch noch feineren Sand ersetz als wir ihn zuvor schon hatten. Dies hatte zur Folge, dass wir zwar nicht mehr so extreme Schläge wegstecken mussten, aber eher über den Sand „schwammen“. Bei einem der diversen Stürze, die wir aufgrund des Untergrunds erlitten, riss auch einer von Constantins Koffern ab. Kurz mit Kabelbindern wieder befestigt und weiter ging die Tour. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir endlich an unserem Ziel angekommen: San Juan. Leider hatte sich weder etwas an den Straßenbedingungen noch an der Dichte des Tankstellennetzes geändert. Glücklicherweise sind die Einwohner aber immer sehr hilfsbereit und verkaufen gerne etwas Benzin. Auch wenn sie dafür einen sehr hohen Preis verlangen, ist man hier immer noch deutlich günstiger, als an den offiziellen Tankstellen aufgrund der Regelung für ausländische Fahrzeuge. Laut der Aussage einiger Bewohner sollte Chile nun auch nicht mehr weit sein und unsere Karte zeigte ebenfalls einen Weg, der direkt über die Grenze führen sollte. Wir fuhren also einer etwas offizieller aussehenden Straße, die wieder einem Waschbrett glich, gegen Nachmittag in Richtung Chile. Vorbei an Lamas führte uns unser Weg immer höher und weiter in die Anden, was wieder zum bekannten Sauerstoffproblem führte und uns gepaart mit der Fahrbahnbeschaffenheit kaum noch vorankommen ließ. Kurz vor Sonnenuntergang beschlossen wir uns einen Platz zum Zelten zu suchen und die Nacht dort zu verbringen. Begleitet von eisiger Kälte und einem grandiosen Sternenhimmel merkten wir zu einer eigentlich recht frühen Uhrzeit, wie die Erschöpfung uns übermannte und wir gingen schlafen.

Der nächste Tag begann mit einem mageren Frühstück, da wir kaum noch Wasser und nur noch wenig zum Essen hatten. Wir stärkten uns mit ein paar Schokocookies die Constantin noch hatte und den Panzerkeksen aus meinem Survival Kit, was mir mein Kumpel Rüdiger zur Abreise geschenkt hatte und waren fit, um nach Chile einzureisen. Nach ca. 20 Kilometern sahen wir in einiger Entfernung eine Stadt und freuten uns, da wir hier zumindest Wasser und Benzin auffüllen konnten. Als wir jedoch in das Dorf herein fuhren, merkten wir, dass hier schon lange keiner mehr wohnte und wir in dieser Geisterstadt keine Hilfe erwarten konnten. Nach ein paar weiteren Kilometern hielten wir an, da wir uns in die falsche Richtung bewegten. Wir fuhren in Richtung der aufgehenden Sonne, Chile liegt aber westlich von Bolivien also genau in der anderen Richtung. Nach einer kurzen Lagebesprechung entschieden wir wieder ein paar Kilometer zurück zu fahren, da wir dort an einer Kreuzung vorbei gekommen waren, an der es einen Weg gab, der nach Westen führte, aber leider wieder komplett aus Sand bestand. An der Kreuzung angekommen schauten wir auf unseren Tacho und setzten uns das Maximum auf weitere zehn Kilometer. Sollte sich abzeichnen, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind, würden wir weiterfahren, ansonsten mit dieser Tankfüllung wieder zurück zum Ausgangspunkt fahren können. Wir kämpften uns den neuen Weg entlang in Richtung Westen und standen nach weiteren anstrengenden sechs Kilometern wieder vor einer Gabelung. Es hatte keinen Sinn. Luftlinie war Chile zwar nicht mehr weit entfernt, aber die Gefahr irgendwo abseits von allem und jedem in den Anden zu stranden, war einfach zu groß. Wir drehten um und kämpften uns den gesamten Weg zurück bis nach San Juan, wo wir Benzin und neues Wasser kaufen konnten. Von dort aus fuhren wir in Richtung Süden zu einer Bahntrasse, die begleitet von einer Straße zur Grenze führen sollte. Die Bahnstrecke fanden wir, die Straße war nicht vorhanden. Lediglich eine große Weite aus Sand breitete sich vor uns aus, die am Ende von den Anden begrenzt wurde. Wir wurden auf diesem Weg immer wieder von kleineren Sandteufeln erfasst, die eine neue Komponente in den Schwierigkeitsgrad der Etappe brachten und die Moral immer weiter drückten. Als Sandteufel bezeichnet man kleinere Wirbelstürme, die nicht die Ausmaße eines Tornados haben aber durchaus Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreichen können und aus Sand bestehen. Am Ende der Bahnlinie, die wir als Wegweiser betrachteten, erreichten wir am Ende erneut völlig erschöpft endlich die Grenze zu unserem vorletzten Land: Chile.

12.11 – 21.11 Peru

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Peru hat wie bisher kein anderes Land sehr unterschiedliche Eindrücke bei mir hinterlassen. Als wir über die Grenze nach Tumbes kamen, erlebten wir zunächst eine sehr touristische Gegend. Auch Máncora, eine nicht allzu weit entfernte Stadt in der wir uns für die Nacht niederließen, machte durch die schönen Strände und das idyllische Bild von Fischerbooten vor der Küste einen ähnlich einladenden Eindruck. Hier hatten wir auch das erste Mal ein peruanisches Gericht, welches sich aufgrund seiner Beliebtheit ebenfalls weiter in den südlichen Ländern verbreitet hat: „Ceviche“. Im Wesentlichen wird hierbei kleingeschnittener roher Fisch in Limettensaft mariniert, was eine Denaturierung des Eiweißes zur Folge hat, also dem Fisch eine Struktur verleiht, als hätte man ihn gekocht. Mit Zwiebeln und Chili schmeckt das wirklich ausgezeichnet. Am nächsten Tag ging es bei 38° C wieder aufs Motorrad und im Eiltempo in Richtung Süden, da unser Besuch ebenfalls schon in Peru angekommen war.

Den Weg, den wir die nächsten zwei Tage bis südlich von Lima zurücklegten, hat wiederum ein sehr unschönes Gefühl in mir aufkommen lassen. Weg vom Tourismus fuhren wir knapp 1.200 km durch ein Landschaftsbild aus Sand, extremer Armut und Müll. Der Müll lag allerdings nicht nur am Straßenrand, sondern wurde durch den Wind überall herum geblasen und dadurch, dass ein Großteil des Mülls einfach verbrannt wurde, stank es jedes Mal, wenn man sich einem besiedelten Gebiet näherte, unbeschreiblich. Irgendwie hatte ich zu dem Zeitpunkt das Gefühl, dass ich Peru liebend gerne direkt wieder verlassen würde. Der Kontrast zu Ecuador und die Erwartung an ein bergiges Land mit grandiosen Inkaruinen (Machu Picchu) hat so gar nicht zu dem gepasst, was wir hier vorfanden und zum wiederholten Mal spürte ich auf der Reise hautnah, dass es Orte auf dieser Welt gibt, an denen die Lebensumstände wirklich katastrophal sind und trotzdem ist dies für viele Menschen alltägliche Realität. Trotzdem begegnete man uns auch inmitten dieser Orte wieder mit außerordentlicher Gastfreundschaft. Am prägnantesten ist mir in Erinnerung geblieben, wie wir durch Trujillo irrten und nach einem Weg aus der Stadt in Richtung Cusco suchten. Nachdem wir an einer Ampel einen Taxifahrer nach dem Weg fragten, muss dieser per Funk an seine Kollegen durchgegeben haben, dass zwei Motorradfahrer Hilfe bei der Navigation benötigen, da auf einmal an allen Ecken Menschen aus gelben Autos heraus in bestimmte Richtungen zeigten, uns Cusco zuriefen und mit nach oben gerichteten Daumen zujubelten.

In der Stadt Mórrope ist uns ebenfalls wieder sehr viel Begeisterung entgegengeschlagen. Wir hatten dort in einem kleinen Restaurant ein landestypisches Mittagessen bestellt, ohne zu wissen was uns erwartet und bekamen als Vorspeise Ceviche, als Hauptgang Ziege und als Getränk Chicha. Chicha ist ein auf Mais basiertes Bier, welches schon zu Inkazeiten getrunken wurde, mir allerdings nur mäßig geschmeckt hat. Erst Tage später haben wir erfahren, dass ein elementarer Teil des (traditionellen) Herstellungsprozesses Speichel ist. Traditionsgemäß werden alle Zutaten verkocht, von Frauen ein Teil der Masse gekaut und wieder zurück in den Gärbehälter gegeben. Die im Speichel enthaltene Amylase ist dabei für die Umwandlung der Maisstärke in Zucker verantwortlich, welcher die Grundvoraussetzung für eine Gärung bildet. Nachdem wir fertig waren mit Essen, wollten die Besitzer unbedingt ein Foto mit uns machen und holten für das spontane Fotoshooting extra den Dorffotografen. Ganz stolz erklärte man uns, dass sie vor ein paar Jahren auch von Schweizern besucht worden wären und wir nächsten Monat ebenfalls als Poster an der Wand hängen würden. Der nächste Fototermin wartete auf uns als wir zufällig an einer Tankstelle die peruanischen Schlagergrößen von „Los Villacorta“ trafen, die uns, nachdem sie hörten was wir machen, jeweils eine CD schenkten und ebenfalls ein Foto mit uns machen wollten. Ich weiß nicht, ob die umstehenden Passanten, die ihr Handy ebenfalls für ein Foto zückten eher uns oder die Musiker fotografieren wollten, ich gehe aber mal davon aus, dass es ein Mix aus beidem gewesen sein muss.

Da wir von Lima gehört hatten, dass es zwar ein paar wenige schöne Ecken hat, aber durchaus spannendere Städte in Peru gibt und wir uns beeilen mussten, um unseren Besuch zu erwischen, nutzten wir die späte Stunde aus, in der wir die Stadtgrenze erreichten, fuhren bei mäßigem Verkehr einfach durch und übernachteten ein paar Kilometer weiter südlich.  Nachdem wir am nächsten Tag durch unzählige Kilometer Wüstenlandschaft gefahren waren, kamen wir in die Nähe der Stadt Nazca, wo die bekannten und gleichnamigen Linien im Wüstenboden vorzufinden sind. Diese Linien bilden Figuren, von denen die ältesten bereits seit 800 v. Chr. existieren. Ursprünglich dachten wir, dass man die Figuren nur aus dem Flugzeug oder von einem Berg aus sehen kann, fuhren dann aber an einem Aussichtsturm vorbei von dem aus man die beiden Bilder „Hände“ und „Baum“ anschauen kann. Um den Turm besteigen zu dürfen, muss man sich in einer Art Gästebuch eintragen und wer stand vier Zeilen über uns? „Wolfgang Dähn“ und „Peter Zey“, unsere Väter. Eigentlich wollten wir uns erst in Cusco mit den Beiden treffen, aber wir waren etwas schneller als erwartet. Nachdem wir uns die Linien angeschaut hatten, fuhren wir in die Stadt und zufälligerweise direkt in die richtige Straße, wo unsere Väter gerade auf der Suche nach einem Restaurant zum Abendessen durchliefen. Nachdem wir uns begrüßt und im gleichen Hotel eingecheckt hatten, schlossen wir uns an und tauschten beim gemeinsamen Abendessen jeweils unsere bisherigen Erfahrungen der Reise aus.

Bevor wir uns am nächsten Morgen vorübergehend wieder voneinander verabschiedeten, nahm ich noch mein Mitbringsel aus Deutschland in Empfang. Mein Vater hatte mir sechs Marzipanriegel mitgebracht. Stark!! Unsere Väter fuhren danach wieder zurück nach Lima, um von dort aus nach Cusco zu fliegen und wir machten uns auf eine zweitagestour über die Anden zu unserem gemeinsamen Ziel. Auf einer Strecke, die ca. 4.000 Metern über dem Meeresspiegel verläuft, wurden die Probleme, die wir vorher schon mit dem Motorrad in Ecuador hatten, nochmal deutlich stärker, sodass Constantin mit seiner Honda zweitweise nur im ersten Gang und unter großer Anstrengung des Motors mit max. 25 KM/h fahren konnte. Diese Langsamkeit hatte allerdings auch etwas für sich, da man deutlich mehr von der Umwelt sieht. Unter anderem haben wir so unsere erste Bekanntschaft mit frei lebenden Vicuñas, Alpakas und Lamas gemacht. Alle drei Tiere sind miteinander verwandt, leben in den Anden, unterscheiden sich aber in ihrer Größe, ihrem Verhalten und von der Art ihres Fells. Das Fell der Vecuñas gilt als das weichste und seltenste der Welt. Alle zwei Jahre werden in den peruanischen Anden in einer traditionellen Scherzeremonie die Tiere in Gatter getrieben, um die Wolle zu entfernen und zu Kleidung zu verarbeiten. Auch sonst merkt man, dass in den Bergen eine komplett andere Art zu leben vorherrscht  als im durch Wüste geprägten Norden des Landes. Gerade die Frauen tragen überwiegend noch traditionelle Kleidung und je nach Art  kann man beispielsweise erkennen, ob sie zur Volksgruppe der in der Andenregion lebenden Quechua gehören (siehe unterschiedliche Hüte in den Bildern). Handwerkliche Arbeiten, Landwirtschaft und das Leben im Einklang mit der Natur hat hier scheinbar eine deutlich höhere Bedeutung als im Norden und langsam wurde die ursprüngliche Vorstellung, die ich von Peru hatte bestätigt.

Nach einer gefühlten Ewigkeit in großer Höhe ging es irgendwann wieder bergab, der Sauerstoffgehalt wurde wieder höher und sowohl wir, als auch unsere Motorräder konnten wieder leichter atmen. Nach einer Übernachtung in der Stadt Abancay fuhren wir am nächsten Tag weiter nach Cusco, wo unsere Väter bereits morgens angekommen und gerade dabei waren die Stadt zu erkunden. Wir checkten ebenfalls im Hotel ein, suchten für die folgenden Tage einen Stellplatz für unsere Motorräder und ruhten uns zunächst von der Fahrt aus, um später zu viert Essen zu gehen. Vorher besuchten wir noch gemeinsam die Kathedrale von Cusco. Das Gemälde des letzten Abendmahls (Link zum Bild) gab bereits einen bildhaften Eindruck von einer der Andendelikatessen. Laut dieser Interpretation stand auf dem Speiseplan für Jesus und seine Jünger nämlich „Cuy“, im Deutschen besser bekannt als Meerschwein. Mein Vater und ich folgten dem Beispiel und bestellten uns eine Platte mit lokalen Delikatessen. Gereicht wurde Meerschwein, Alpaka, Forelle und Rind, die wir begleitet von traditioneller Andenmusik zu uns nahmen. Alpaka hat mir sehr gut geschmeckt. Das Meerschwein hat einen eher strengen Geschmack, der durchaus okay ist, aber sicher nicht zu meinen Favoriten zählt.

Am nächsten Tag wurden wir morgens um acht abgeholt und zu unserem ersten Ziel an diesem Tag gebracht. Dem Santuario Ccochahuasi (link). Diese Auffangstation für Tiere liegt genau zwischen Cusco und Písac und kümmert sich entweder um nicht (mehr) gewollte Haustiere, wie im Müll gefundene Schildkröten oder Tiere, wie zwei Pumas, die mit Drogen vollgepumpt als Attraktion in einem Nachtclub gehalten und nach einer Anzeige durch die Polizei befreit wurden. Das Ziel ist diese Tiere, sofern sie nicht zu verstört oder unheilbar verletzt sind, nach ihrer Genesung wieder freizulassen. Das „größte“ Highlight und ein weiteres Ziel des Santuarios ist allerdings der Einsatz zum Erhalt gefährdeter Arten wie dem Andenkondor. Mit einer Spannweite von ca. drei Metern ist dieser Vogel absolut beeindruckend. Leider werden sie nach wie vor gejagt und die langen weißen Federn für mehrere tausend Dollar auf dem Schwarzmarkt verkauft.

Die nächste Station führte uns nach Písac, eine Stadt die das heiligen Tal (Valle Sagrado) im Norden markiert und am Fluss Urubamba liegt. Berühmt ist die Stadt unter anderem für den großen Markt, auf dem traditionelle Güter aus der Andenregion verkauft werden sollen. Durch die Touristenströme, die hier täglich durchkommen hat sich der Markt aber meiner Meinung nach dahingehend verändert, dass überall überwiegend das gleiche Verkauft wird: Souvenirs und Klamotten aus Alpakawolle. Daher hielten wir uns hier auch nur sehr kurz auf und fuhren entlang des Urubamba weiter nach Süden in die Inkastadt Ollantaytambo, die den südlichsten Punkt des heiligen Tals markiert und noch immer bewohnt wird. An einem der angrenzenden Felsen befindet sich ein großer Komplex der Inka, der früher unter anderem dazu genutzt wurde, auf Terrassen Lebensmittel anzubauen, zu lagern und in dem sich im oberen Teil sowohl spirituelle als auch militärisch genutzte Gebäude befinden. In der gleichen Stadt befindet sich auch die Zughaltestelle, die zu unserem eigentlichen Ziel für diesen Tag führte: Aguas Calientes, Ausgangspunkt zur Besichtigung der Ruinenstadt, des Weltkulturerbes und Highlights „Machu Picchu“. Die Stadt wurde im 15. Jahrhundert auf 2.360 Metern erbaut, konnte bis zu 1.000 Menschen beherbergen und hat noch heute eine aus der damaligen Zeit voll funktionsfähige Wasserversorgung. Als wir dort am nächsten Morgen zur Besichtigung ankamen, war es zunächst sehr bewölkt und neblig, was der Stadt eine noch mystischere Aura verlieh, als sie sowieso schon hat. Gegen frühen Vormittag waren alle Wolken verschwunden und wir konnten die Stadt bei perfektem Wetter erkunden, bis es am Nachmittag mit dem Zug wieder zurück nach Cusco ging.

Unsere Väter reisten am nächsten Tag schon wieder relativ früh in Richtung des Titicacasees ab. Wir hingegen genossen noch etwas die Annehmlichkeit mal in einem „richtigen“ Hotel zu übernachten und machten uns erst am späten Vormittag auf den Weg. Bevor wir Cusco jedoch komplett verließen, suchten wir noch jemanden, der Öl entsorgen konnte und führten einen Ölwechsel durch, um unsere Motorräder fit für die letzte große Etappe in Richtung Feuerland zu machen. Der Weg zwischen dem auf 3.416 Meter liegenden Cusco und unserem Ziel Puno, welches am Titicacasee auf 3.800 Metern liegt, führte uns über den Bergpass „Abra La Raya“ auf 4.338 Metern, was wieder mal zu den altbekannten Problemen mit der Sauerstoffversorgung der Motorräder führte, die sich anders als wir leider nicht an die Höhe gewöhnt hatten. Trotzdem kamen wir ohne größere Zwischenfälle in Puno bei unseren Vätern an. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit gestaltete sich der Abend eher Ereignislos. Am nächsten Tag fuhren wir wieder getrennt voneinander ab und hatten geplant uns erst zwei Tage später wieder in La Paz zu treffen.  Unser Weg führte uns um den See herum und an die Grenze zu unserem nächsten Land der Reise: Bolivien.

Am Ende wieder das Essen:

06.11 – 12.11 Ecuador

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Ecuador begann zunächst so, wie wir Kolumbien verlassen hatten. Sehr nass. Leider war die Regenzeit während unseres Aufenthalts noch nicht komplett vorbei und je näher wir zum Äquator fuhren desto häufiger und heftiger regnete es täglich. Aufgrund guter Kleidung allerdings kein großer Grund zur Besorgnis. Die erste Station in Ecuador hieß Tulcán. Die Stadt liegt direkt hinter der Grenze auf 2960 Meter, weshalb man hier sehr angenehm kühle Temperaturen vorfindet (die einen sagen so, die anderen sagen so). Ich war jedenfalls von der geringen Luftfeuchtigkeit und dem frischen Wetter mal sehr angetan. Die Stadt selbst hatte nicht wirklich viel zu bieten, empfing uns aber wieder mal sehr herzlich. Vor dem Hotel unserer Wahl, stand ein Mann mit einem Essenswagen, der unserer Konversation während des Abladens lauschte, sich kurz darauf mit verständlichem Deutsch dazugesellte und uns erklärte, dass er arbeitsbedingt mal knapp 1 Jahr in Freiburg gelebt habe. Nachdem wir etwas mit ihm gesprochen hatten, bot er uns „Agua de Avena“ und „Empanadas“ an. Ersteres ist ein sehr dickflüssiges Getränk, welches aus Hafer und Zimt hergestellt wird und Empanadas sind gefüllte Teigtaschen. Gut gesättigt, wollten wir unserem neuen Freund zumindest ein Trinkgeld für das gute Essen geben, aber er nahm nichts an und wollte diese Geste als Willkommensgeschenk verstanden wissen. Wiedermal eine tolle Begegnung und ein gelungener Start in ein neues Land.

Ecuador selbst gliedert sich in 4 Gebiete: Das Amazonasgebiet im Osten, die Andenkette, die sich im mittleren Teil des Landes entlang der Nord- Südachse erstreckt, die Pazifikküste und ca. 1.000 km außerhalb die Galapagos Inseln. Ich weiß nicht ob es an der ausgezeichneten Marketingbroschüre liegt, die man bei der Einreise erhält, aber Ecuador macht sofort den Eindruck, als gäbe es in allen 4 Bereichen unglaublich viel zu unternehmen und zu entdecken. Da wir zunächst in die Hauptstadt Quito wollten, um diese ein paar Tage zu erkunden, blieben wir innerhalb der Anden. Mein Hinterreifen war langsam aber sicher auch wieder fällig und Constantin, der ursprünglich schon in San Diego mit dem Gedanken gespielt hatte, ebenfalls seinen Reifen zu tauschen, wollte sich nun anschließen und seinem Motorrad in Quito auch endlich einen neuen Hinterreifen spendieren. Der Plan änderte sich schlagartig, als wir durch San Miguel de Ibarra fuhren. Auf einer Schnellstraße, die gerade wieder aus der Stadt herausführen sollte, hörte ich über mein Headset: „Merkst du auch gerade so ein extremes schlingern? (ggf. wegen Spurrillen)… Scheiße… Ich muss hier raus.“ Wir hatten glücklicherweise direkt fünf Meter vor uns einen großen Platz, der als Bushaltestelle und Ausfahrt genutzt wurde, sodass wir uns hier kurz hinstellen konnten, um einen Blick auf das Motorrad zu werfen. Der Hinterreifen der Honda war platt. Allem Anschein nach war eine Scherbe dafür verantwortlich. Nachdem wir überlegten, wie wir nun am einfachsten den Reifen tauschten, hielt neben mir ein Taxi, welches eigentlich auf die Schnellstraße einbiegen wollte. Ich sprach den Fahrer an, ob er einen Mechaniker mit passendem Werkzeug kenne, der uns bei der De-/Montage des Reifens helfen könnte. Klar kennt er jemanden. Constantin sprang ins Auto und nach ca. 30 Minuten kamen sie mit Mechaniker und Werkzeug im Schlepptau wieder zurück. Reifen ausgebaut, wieder weg gefahren und nach nochmals ca. 30 waren alle wieder da, der Mechaniker baute das Rad mitsamt neuem Reifen ein und wir waren bereit um unsere Fahrt nach Quito erneut aufzunehmen.

In Quito selbst kamen wir bei strömendem Regen und Dunkelheit an und uns verging etwas die Lust darauf hier mehr Zeit zu verbringen als nötig. Aber am nächsten Tag musste zunächst ein neuer Hinterreifen für mich und ein neuer Vorderreifen für Constantin gesucht werden. Nachdem der nächste Tag genauso schön begann, wie der letzte aufgehört hatte, beschlossen wir uns auf der Suche nach neuem Gummi im Taxi und damit im trockenen durch die Stadt chauffieren zu lassen. Zielsicher fuhr uns der Fahrer ganz in der Nähe unseres Schlafplatzes zu „Bavarian Motors: BMW & Mercedes“. Ist Bayern in der Zeit unserer Abwesenheit irgendwie expandiert? Egal, ggf. bekommt man hier trotzdem Motorradreifen oder einen guten Tipp, wo man diese bekommen kann, und tatsächlich: Nachdem der freundliche Verkäufer akzeptiert hatte, dass ich auf mein Motorrad keinen Autoreifen ziehen lassen möchte, egal wie gut der Reifen ist, hatte er die Idee mal zum Nachbarn zu gehen, da dieser ebenfalls Reifen verkauft. Ich beschrieb was ich suche und nach ein paar Minuten im Lager hatte er tatsächlich etwas da, was mir von der Profilart gefiel und auch von der Größe her zu passen schien… Leider in schlechterem Zustand als der Reifen, den ich gerade fuhr. Ich erklärte ihm, dass ich diesen Reifen gerne in „Neu“ kaufen würde. „Neu“ hat er nicht, nur gebraucht… Also wieder raus ins Taxi und weiter gesucht. Neben einer ungeplanten Stadtrundfahrt, fanden wir nach ca. 20 Minuten endlich jemanden, der sowohl Vorder- als auch Hinterreifen in „Neu“ für unsere Motorräder vorrätig hatte und diese auch direkt vor Ort aufziehen konnte. Vergleichsweise zum Vortag am Straßenrand waren nach einer Ewigkeit beide Reifen getauscht, mittlerweile hatte aber der Regen weitestgehend aufgehört, was wir ausnutzten, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Hierzu hatte uns der Chef des Reifendienstes ein paar Empfehlungen aufgeschrieben. Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich in der Altstadt, weshalb wir als erstes die „Basílica del Voto Nacional“ ansteuerten. Die Idee zum Bau dieser Basilika wurde bereits 1883 gefasst. Aufgrund von finanziellen Engpässen und baulichen Verzögerungen konnte der Bau allerdings erst 1924 fertiggestellt werden. Die Turmspitzen sind 115 Meter hoch und daher von weiten Teilen der Stadt zu erkennen. Nachdem wir uns anschließend in einem traditionell ecuadorianischen Restaurant gestärkt und die malerische Altstadt erkundet hatten, trafen wir auf die ebenfalls in der Altstadt liegenden Straße „La Ronda“. Diese ist sehr belebt und lädt mit vielen kleinen Geschäften beispielsweise zum Schokoladenkauf ein, der aus regional gewachsenem Kakao hergestellt wurde. Zum Abschluss unserer Stadtwanderung begaben wir uns noch auf den Berg „El Penecillo“, der nochmals knapp 200 Meter über Quito liegt und es somit auf 3.035 Metern schafft. Auf diesem Berg thront eine 45 Meter hohe Madonna Statue „La Virgen de El Penecillo“. Von oben hat man einen tollen Ausblick auf die gesamte Stadt. Am tollsten war aber der Flair der dort herrschte. Bereits in dem Restaurant hatten wir zum Abschluss ein Glas Canelazo gereicht bekommen. Dieses aus Naranjillasaft, Zimt und Alkohol bestehende Getränk erinnert sehr stark an Glühwein und wird in Quito an jeder Ecke verkauft, so auch aus kleinen Buden auf El Penecillo. Es dauerte nicht lange bis wir mit einer Gruppe einheimischer ins Gespräch kamen, die sich ebenfalls mit Canelazo wärmten. Das nasskalte Wetter, der ecuadorianische Glühwein, die Lichter der Stadt unter uns in der Dunkelheit. Irgendwie keimte hier aufgrund der aktuellen Jahreszeit und der Szenerie nach etwas mehr als 4 Monaten kurzzeitig ein Gefühl von Heimweh auf. Ein schönes Gefühl…

Auf unserem Weg zurück ins Hotel liefen wir an einer Art Terasse vorbei, die mir vorher schon aufgrund ihres großen Graffitis aufgefallen war und aus deren Inneren Live Musik kam. Kurzentschlossen gingen wir hinein und fanden uns in einer Art Kulturzentrum wieder. Nina Shunku  wurde u.A. von Chuzyk gegründet, der an dem Abend auch vor Ort war und uns eine Führung durch das gesamte Vereinshaus gab. Ein eigener Radiosender, eine Werkstatt, in der aus Bananenpflanzen Trommeln hergestellt werden, ein Theater, ein Aufnahmestudio, Plätze zum Schlafen für Reisende etc. All das findet sich inmitten der Innenstadt.

Den nächsten Tag nutzen wir, um die Umgebung der Stadt zu erkunden. Zunächst fuhren wir zum Mittelpunkt der Welt „Mitad del Mundo“. Ein Monument, welches im Norden Quitos errichtet ist und den genauen Verlauf des Äquators markieren soll. Durch den Einsatz moderner Technik (GPS) hat man allerdings herausgefunden, dass die Messungen ca. 240  Meter daneben liegen und daher heutzutage jeder sein Touristenfoto (wie wir natürlich auch) mit beiden Beinen in der südlichen Hemisphäre macht. Es geht aber natürlich auch mehr um die Symbolik… Nachdem das Wetter schon wieder drohte schlechter zu werden, fuhren wir weiter zum benachbarten „El Crater“ einer Caldera (Krater)  des Pululahua. Diese Caldera entstand als die Magmakammer des Vulkans Pululahua einstürzte. Wir hatten gehört, dass man dort herabsteigen kann, leider war es so neblig, dass man kaum etwas sehen konnte. Wir versuchten es trotzdem, da der Nebel durch den Wind im Kessel immer sehr schnell kam und wieder ging. Nach ca. einer halben Stunde Wanderung erkannten wir, dass Wandern in einer alten Caldera deutlich unspektakulärer sein kann, als gedacht. Außer ein paar Bauern, die sich hier niedergelassen hatten, um dort ihrer Landwirtschaft nachzugehen und der durchaus beeindruckenden Kraterform, die man allerdings aufgrund des Nebels nur vereinzelt wahrnehmen konnte, gab es nicht viel zu sehen. Nach unserem Aufstieg stärkten wir uns noch kurz mit lokaler Kost, bevor es wieder zurück nach Quito ging.

Die nächste Station auf unserer Reise durch Ecuador war die Stadt Baños. Der Weg dorthin führte uns in unmittelbarer Nähe vorbei am Cotopaxi, einem Vulkan der mit 5.897 Metern den zweithöchsten Berg Ecuadors markiert. Die Straße verlief auf knapp 3.000 Metern und wir bekamen erstmalig die Auswirkungen der Höhenluft auf unsere Motorräder zu spüren. Mehr als 90 km/h Bergauf war nicht mehr drin und bei Vollgas fing der Motor an unschöne Ruckler von sich zu geben. Wir fuhren einfach langsamer und kamen gegen Nachmittag in der Stadt an, die aufgrund ihrer zahlreichen möglichen Aktivitäten auf sich aufmerksam gemacht hatte. Eine davon: Bungee Jumping. Ich wollte schon länger mal springen, empfand aber beispielsweise einen Kran auf einer Kirmes immer eher als langweilig, sodass sich die Gelegenheit bisher nie wirklich ergeben hat. Bis jetzt… Die 120 Meter hohe Brücke am Rand der Stadt führt über einen reißenden Fluss  und wird von einigen Wasserfällen aus den angrenzenden Felswänden gespeist. Was kann es für einen besseren Ort geben. Das Wetter war perfekt. Was kann es für einen besseren Zeitpunkt geben? Das dachte sich wohl auch der Veranstalter, da er ca. 10 Sekunden nachdem wir die Brücke betreten hatten und runter in den Fluss schauten schon mit Sprunggeschirr hinter mir stand und mich „nur mal zum anprobieren“ hineinschlüpfen lassen wollte. Nach einer kurzen Einweisung war es dann soweit: Ich kletterte auf das Geländer und sprang… Das Gefühl dort oben zu stehen ist wirklich unbeschreiblich. Der Puls schießt in die Höhe und gleichzeitig wird so viel Adrenalin in die Blutbahn freigesetzt, dass man vom Zeitpunkt des Absprungs bis zur Einfederung eigentlich kaum etwas mitbekommt. Aber auch danach lohnt sich die Aktion noch, da man ca. eine weitere Minute im Seil hängt, hin und her schwingt und dabei die Aussicht genießen kann.

Actionreich ging es am nächsten Tag weiter. Um 8 Uhr wurden wir zum Canyoning abgeholt. Unter Canyoning versteht man das Begehen einer Schlucht von Oben nach Unten indem man sich abseilt, klettert, springt oder rutscht. Bepackt mit Neoprenanzügen, Helmen und Seilen ging es in einer ca. 30 minütigen Fahrt in den Dschungel, kurz Umziehen und schon begann die Wanderung auf einen der Berge. Oben angekommen gab es erstmal Trockenübungen. Wie seilt man sich richtig ab, was tun bei einem Unfall etc. Und dann ging es los. Der erste Hang und Wasserfall war verständlicherweise noch ziemlich klein und gut zum ran tasten geeignet, aber schon ab dem zweiten Wasserfall seilten wir uns durch die Wassermassen hindurch ca. 15 Meter ab auf das nächste Plateau bis wir nach einigen Rutschpartien, Sprüngen und Kletterpassagen nach ca. 2h wieder unten angekommen waren. Neben dem eigentlichen Canyoning war sicher das Highlight die Natur in der wir uns befanden. Mitten im Urwald. Wahnsin!

Nachmittags fuhren wir noch zur „Casa del Arbol“  einem Baumhaus, welches direkt an einem Hang neben dem aktiven Vulkan Tungurahua errichtet wurde und mit zwei großen Schaukeln die Möglichkeit bietet über einen Hang zu schwingen, während man links neben sich einem Vulkan beim Brodeln zuschauen und zuhören kann. Das Baumhaus und auch die Schaukeln sind zwar ganz nett, aber das wirkliche Highlight ist der Vulkan. Ich war vorher noch nie so nah an einem aktiven Vulkan. Es ist schon wirklich beeindruckend, wenn es erst tief in der Erde grummelt und dann kurze Zeit später tiefschwarze Rauchschwaden aus dem Schlot emporsteigen.

In Ecuador hätten wir wahrscheinlich ohne Probleme noch vier Wochen länger bleiben können, aber langsam mussten wir wieder auf den Kalender schauen. Wir hatten nicht mehr lange Zeit bis unser deutscher Besuch in Peru eintreffen sollte, bis zu unserem Treffpunkt aber noch einige Kilometer zu bewältigen. Also machten wir uns am nächsten Tag auf in Richtung der Küstenregion, um am Pazifik entlang nach Peru zu fahren. Auf unserem Weg durch die Anden trafen wir zufällig noch auf einige Kakaobauern, die gerade dabei waren Bohnen auf der Straße zu trocknen und uns bereitwillig in ihr Feld führten, um uns einen kurzen Einblick in ihre Arbeit zu geben. Als wir immer weiter in die Nähe der Küste und somit Peru kamen, änderte sich auf einmal schlagartig das Bild der Natur. Wo vor ein paar Kilometern noch sattes Grün, Wasserfälle und eine üppige Vegetation vorhanden waren, gab es nur noch Wüste…

Und zum Abschluss wieder das Essen.

27.10 – 05.11 Kolumbien

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Hätte mir vor 4 Wochen jemand die Frage gestellt, was Kolumbien zu bieten hat, hätte ich kaum etwas darauf antworten können. Kolumbien war, wie viele andere Teile der Welt ebenfalls, eher ein dunkler Fleck auf meiner Landkarte über den ich kaum etwas wusste. Daher kam es uns sehr gelegen, dass Ludwig – der Kapitän der Stahlratte – uns ansprach und fragte, ob wir noch nach einer Bleibe in Cartagena suchen würden. Er wohnt, wenn er nicht gerade auf hoher See ist, mit seiner Frau, einem Teil ihrer Familie und der gemeinsamen Tochter Mitten in Cartagena und hat 2 Gästezimmer, die er vermietet. Wir überlegten nicht lange, sagten zu und hatten so für die nächsten Tage eine zentrumsnahe Bleibe in der ersten Stadt Kolumbiens. Nachdem wir, noch im Hafen liegend, die offizielle Einreisegenehmigung der Behörden erhielten, fuhren wir sofort gemeinsam mit Ludwig an Land und tauchten während der Taxifahrt in Richtung seiner Wohnung immer weiter in das kolumbianische Leben ein. Laute „Gute Laune-Musik“ die aus den Häusern auf die Straße drang, Menschen, die dazu auf verschiedenste Weise den Tag begannen und irgendwie hatte man aufgrund ihrer Ausstrahlung sofort wieder den Eindruck, dass die Menschen hier sehr glücklich und zufrieden sind. Bei Ludwig zuhause angekommen, bezogen wir erstmal unser Zimmer und verbrachten den halben Tag damit uns möglichst wenig zu bewegen und so nicht allzu sehr zu überhitzen, da die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze jede Bewegung zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machten. Stattdessen verbesserten wir im Gespräch mit Ludwigs Frau unser Spanisch, aßen gemeinsam zu Mittag und bereiteten uns auf den Abend vor. Wir hatten geplant uns nochmal mit einigen unserer Mitreisenden der Stahlratte zu treffen und wollten die Stadt erkunden.

Der „Plaza de la Santisima Trinidad“ liegt mitten in dem Altstadtzugehörigen Teil „Getsmani“ Cartagenas und war an diesem Abend nicht nur unser Treffpunkt, sondern auch der vieler Kolumbianer. Der Platz, dessen Zentrum die Kirche „Santisam Trinidad“ bildet, wird von vielen gemütlichen Bars und Restaurants umringt und ist daher Anlaufstelle für Jung und Alt. Regelmäßig tauchen hier diverse Künstler und Artisten auf, die ihr Können präsentieren und dadurch für eine gewisses Entertainment sorgen. Die Altstadt Cartagenas teilt sich in mehrere Stadtteile auf. „Getsmani“ das ehemalige Armen- und Sklavenviertel liegt südlich der Stadtteile „Centro“ und „San Diego“ welche nach einigen Überfällen 1697 durch eine noch heute erhaltene 11 Kilometer lange Stadtmauer befestigt wurden und damals die Händler und obere Schicht Cartagenas beheimateten. Unser nächstes Ziel bestand diese nördlichen Stadtteile zu erkunden. Wir merkten allerdings schnell, dass hier zwar auch an manchen Stellen nette Bars dazu einluden zu verweilen, aber das Flair des Plazas einfach fehlte. Da wir am nächsten Tag früh raus mussten, um unsere Motorräder, die noch nicht offiziell eingeführt waren, am Hafen abzuholen, beschlossen wir noch auf ein Bier zurück nach „Getsmani“ zu gehen und von dort zurück nach Hause zu fahren.

Am nächsten Morgen um halb sechs machten sich Ludwig und wir auf den Weg in Richtung Stahlratte. Als Verkehrsmittel unserer Wahl standen an diesem Morgen für jeden ein „Moto-Taxi“ bereit. In Cartagena (auch in anderen Städten Kolumbiens haben wir sie gesehen) fahren immer wieder Motorradfahrer durch die Gegend, die einen zweiten Helm über den Arm gestreift haben. Einfach per Handzeichen bedeuten, dass man mitfahren will und die lustige Fahrt kann beginnen… Wer sich selbst eher als schreckhaften Beifahrer bezeichnet, sollte ganz großen Abstand davon nehmen mit einem Moto-Taxi zu fahren. Grundsätzlich gilt: Verkehrsregeln sind eher Richtlinien, die aber auch getrost ignoriert werden können UND wenn irgendwo eine Lücke ist, kommen wir da auch durch… bestimmt. Je mehr Verkehr desto abenteuerlicher wird so eine Reise natürlich. Unschlagbar schnell und wohlauf kamen wir am Hafen an, wurden dort eingesammelt und wieder zur Stahlratte gebracht. Ludwig hatte tags zuvor allen ins Gewissen geredet um Punkt sechs am Pier zu stehen und so wurden nach und nach alle wieder an Bord geholt und anschließend ein Motorrad nach dem anderen auf einen Ponton geladen. In bedächtigem Tempo, sodass keines der Fahrzeuge über Bord gehen konnte, fuhren wir zwei Mal hin und her, bis jedes Motorrad an Land war. Unser nächstes Ziel bestand darin auf direktem Weg zur Zollabfertigung zu fahren, wo bereits Ludwigs Agent Manfred auf uns wartete und Stoßweise alle Motorräder auf einmal abfertigen ließ. Während der Wartezeit wurde auch der wahre Grund hinter der strikten Uhrzeit klar. Auch wenn es nur ein paar Meter sind, ist jedes der Fahrzeuge zwischen Pier und Zoll inoffiziell in Kolumbien. Um etwaigen Stress mit der Polizei zu vermeiden, findet das Abladen und die Fahrt zum Zoll immer genau im Zeitfenster des Schichtwechsels statt… Nach zwei Stunden war alles erledigt und wir konnten mit unseren Motorrädern wieder zurück fahren, um abschließend noch das restliche Gepäck von der Stahlratte zu holen. Eigentlich hätten wir danach noch mit Manfred eine Versicherung kaufen sollen, aber da er nirgends zu sehen war, keiner wusste wo sich die Versicherung befand und nachdem wir sie endlich gefunden hatten, die Bürozeiten bereits vorbei waren, beschlossen wir, dass man auch ohne fahren kann und verbrachten den restlichen Tag damit den ummauerten Teil der Altstadt und die Festung San Felipe zu erkunden, die im ebenfalls Zuge der Stadtbefestigung 1697 erbaut wurde.

Am nächsten Tag standen unsere Zeichen wieder auf „Aufbruch“ und unser Weg führte uns in Richtung Medellín. Da die komplette Strecke für einen Tag zu viel gewesen wäre, stoppten wir eine Nacht in Sahagún und fuhren am nächsten Morgen weiter, um die nächsten 8 h durch erste Ausläufer der Anden durch tolle Landschaften über eine perfekte Motorradstrecke unser Tagesziel zu erreichen.  Was wir bereits in Cartagena erfahren hatten, spitzte sich in Medellín zum äußersten zu: Absolutes Verkehrschaos und überall Motorräder, die sich durch noch so enge Lücken quetschten. Relativ schnell hatten wir den Dreh raus und trotz des Gepäcks übernahmen wir relativ die kolumbianische Fahrweise. Ich hoffe, dass Medellín auf meinen Fahrstil keinen nachhaltigen Einfluss hat, da ansonsten mein Führerschein in Deutschland SOFORT weg ist… Für immer… 😉

In Medellín wartete bereits Ralph auf uns. Er leitet hier seit einem Jahr die Firma Jowat Kolumbien, wohnt daher im Herzen der Stadt und ist ein Freund von meinem ehemaligen Nachbar Andreas, der den Kontakt zwischen uns hergestellt hat. Danke nochmal dafür! Ralph hatte die Idee, dass wir uns in der Firma treffen sollten, da diese deutlich leichter zu finden sei, als seine Heimadresse. Wir hatten uns zwar vorher angeschaut wie wir an unser Ziel gelangen konnten, aber in diesem Chaos waren wir so schnell verloren, dass wir etwas Planlos durch die Stadt irrten und auf einmal waren wir in einem Stadtteil, der so gar nicht einladend aussah. Überall Berge von Müll und Leute auf der Straße, die aussahen als wäre Alkohol noch das Gesündeste was sie zu sich nehmen. Ich kann nicht sagen, wie der Stadtteil hieß oder wo er genau war, aber wir hatten augenblicklich das Gefühl, hier sofort wieder raus zu müssen. Im Verkehr sprachen wir einen anderen Motorradfahrer an, erklärten ihm grob wo wir hin wollen und wieder mal hatten wir das Glück auf jemanden zu treffen, der uns fast eine halbe Stunde durch das Chaos führte und schlussendlich an unserem Ziel wieder uns selbst überließ. Ralph, der seit dem Morgen nichts mehr von uns gehört hatte und sich allmählich schon etwas Sorgen machte, da die geplanten 8 Stunden bis zu ihm mittlerweile seit 2 Stunden überschritten waren, empfing uns und wir fuhren zunächst zu seiner Wohnung. Leider wird in Kolumbien relativ früh zu Abend gegessen, was dazu führte, dass bereits einige der umliegenden typischen Restaurants geschlossen hatten. So landeten wir im Hard Rock Café Medellín und Ralph zeigte sich in außerordentlicher Partylaune. Er hatte es in diesem Monat geschafft Jowat Kolumbien, knapp ein Jahr nach deren Start, profitabel zu machen und war daher verständlicherweise sehr euphorisch. Deshalb und aufgrund des Halloweenwochenendes hatten wir uns unbewusst den perfekten Zeitpunkt für unseren Besuch ausgesucht. Neben dem Nachtleben hat Medellín sehr viel Kunst zu bieten. Beispielsweise hat der kolumbianische Künstler Fernando Botero der Stadt 23 seiner Skulpturen gespendet, die im Botero Plaza ausgestellt sind. Außerdem  ist im Zugticket die Möglichkeit enthalten mit einer Seilbahn auf einen der umliegenden Berge Medellíns zu fahren. Da Medellín im Aburrá-Tal, einem Teil des mittleren Bergzugs der Anden liegt, ist dieser Ausblick sehr lohnenswert. Nachdem wir ursprünglich mal geplant hatten Samstags wieder weiter zu ziehen,  wir aber Montags immer noch in Medellín waren, entschieden wir das Dienstags Morgens wieder die Zeit gekommen war, um weiter nach Süden zu fahren. Unser nächstes Ziel war Cali, welches ich nicht empfehlen kann. Es gibt zwar ein paar schöne Ecken, aber größtenteils machte das Stadtbild Calis eher einen unfreundlichen Eindruck, obwohl wir auch hier wieder sehr nette Menschen getroffen haben.

Unser Tagesziel für den nächsten Tag, sollte eigentlich Ipiales sein, aber aufgrund der serpentinenartigen Straßen durchs Gebirge kamen wir deutlich langsamer voran, als geplant, weshalb wir kurz vor der Stadt Pasto in ein Familiengeführtes Hotel einkehrten. Der 8 Jährige Nachwuchs der Familie fragte mich beim Parken nach den ganzen Aufklebern auf meinem Motorrad und ich erklärte ihm, was wir machen und das mir noch ein Aufkleber der kolumbianischen Flagge fehlt. Als wir später unten im Restaurant saßen kam er auf einmal und wollte mir eine selbst gemachte Flagge für mein Motorrad schenken… Aus Knete auf Papier. Ich habe die Flagge zwar nicht aufs Motorrad geklebt, war aber von der Geste trotzdem sehr begeistert.

Der nächste Tag führte uns in die auf 2.900 Meter gelegene Stadt Ipiales mit ihrer Wallfahrtskirche: „El Santuario de la Virgen del Rosario de Las Lajas en Ipiales“, die auf einer Brücke über einer Schlucht errichtet und zum Teil in den angrenzenden Fels gebaut wurde. Nachdem Sightseeing fuhren wir zur 5 Kilometer entfernten Grenze und konnten nach unverständlich langem Warten ohne große Probleme in Ecuador einreisen.

Und natürlich wieder eine kleine Auswahl von dem was wir so gegessen haben:

09.10 – 26.10 Zentralamerika

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Belize, ein Land von der Größe Hessens, aber leider ohne die Möglichkeit irgendwo Handkäse zu bekommen, stellte unsere erste Station auf der Reise durch Mittelamerika dar. Die Einreise verlief komplett problemlos. Kurzer Tipp für alle, die ähnliches vorhaben: Bei der Einreise nach Mexiko kann man bei der „Banjercito“ bereits eine Gebühr von 332$ (mexikanische Peso) bezahlen, muss dies aber nicht. Alternativ besteht die Möglichkeit diese Gebühr erst bei der Ausreise zu entrichten. Scheinbar ist es so, dass beide Möglichkeiten gleichermaßen oft genutzt werden. Wenn man (wie wir) diese Gebühr schon bei der Einreise zahlt, sollte in jedem Fall die Rechnung aufgehoben werden, da man ansonsten ggf. doppelt zahlt. Der Beamte versucht nämlich in jedem Fall zunächst die Gebühr zu erheben. Zumindest an unserer Grenze wurden wir im nächsten Step, als wir die Versicherung für unsere Motorräder bei „Banjercito“ wieder auflösten darauf hingewiesen, allerdings kann es unter Umständen dann schon zu spät sein und die Gebühr bereits in das private Einkommen des Grenzbeamten übergegangen sein. Wir haben daran gedacht und das Geld gespart. Belize selbst hat mir Landschaftlich nicht so gut gefallen. Es ist schlicht ziemlich langweilig. Man fährt schnurgerade Straßen durch wenig abwechslungsreiche Natur. Die Menschen haben die Fahrt durch das Land aber trotzdem zu einem tollen Erlebnis gemacht. Ich war von Mexiko und der offenen und freundlichen Mentalität der Mexikaner schon sehr angetan und habe daher in meinem Artikel auch so von dem Land geschwärmt. Jetzt wo ich gerade an Bord der Stahlratte auf dem Weg nach Kolumbien bin und sechs weitere Länder kennenlernen konnte, habe ich schon vorher lange überlegt, wie ich die Menschen in Mittelamerika beschreiben soll, ohne dass es zu inflationär wirkt. In Belize zeichnete sich schon ab, was wir im überwiegenden Rest von Mittelamerika zu spüren bekamen: Der Volkssport scheint Lachen, Offenheit und Frohsinn zu sein. Ursprünglich wollten wir in die Hauptstadt Belmopan fahren, entschieden uns kurzfristig um und fuhren an das am karibischen Meer gelegene Belize City. Auch hier hat mir die Stadt selbst nur sehr eingeschränkt gefallen, aber als wir die Hauptstraße entlang liefen, kam uns direkt Harry entgegen und fragte, ob wir etwas suchen bzw. ob er uns irgendwie helfen könne. Wir hätten ziemlich fragend in der Gegend herum geschaut und da wir als Weiße natürlich sofort als Fremde entlarvt waren, wollte er uns helfen. Wir sagten ihm, dass wir etwas zum Abendessen suchten und er war direkt mit vollem Enthusiasmus dabei uns aufzuzählen, was es denn so alles an typischen Gerichten gibt und führte uns anschließend aufgrund unseres Verlangen nach Meeresfrüchten zum nächsten Fischrestaurant. Die Speisen in Belize unterscheiden sich grundsätzlich von dem Essen aus Mexiko. Es wird deutlich mehr mit Reis gegessen und als Beilage nehmen Bohnen einen Hauptbestandteil ein. Für uns gab es an diesem Abend Red Snapper (Roter Schnapper) mit Reis und Bohnen. Absolut lecker war der Reis, da dieser in Belize in Kokoswasser gekocht wird. Während des Essens sprach Harry unaufhörlich über sein Land und uns wurde bewusst, dass er verdammt stolz darauf ist aus Belize zu sein. Er legte besonders großen Wert darauf, dass in Belize alles „real“ (echt) ist. Von dem was wir gerade essen würden, wäre nichts importiert. Alles käme aus Belize und würde unter dieser tollen Sonne wachsen. Kein „prozessierter Mist“, wie in anderen Ländern. Nein, Belize legt SEHR viel Wert darauf „real“ zu sein. Wahrscheinlich liegt dies daran, dass das Land noch ziemlich jung ist und erst vor 34 Jahren seine Unabhängigkeit von England erlangt hat (weshalb auch die Amtssprache Englisch ist). Nachdem wir fertig gegessen hatten, führte uns Harry in eine Bar und stellte uns ein paar seiner Freunde vor, die ebenfalls sofort anfingen von ihrem Land zu schwärmen: Alles ist „real“ und Belize ist das tollste Land der Welt. Dieser Enthusiasmus war wirklich sehr ansteckend, denn obwohl mir das Land von seiner Landschaft und von der Optik der Stadt, wie erwähnt, eher weniger gefiel, hat die Art der Menschen und die Zufriedenheit, die sie überall ausgestrahlt haben, eine Stimmung erzeugt, die sehr mitreisend war und wiedermal den Wahrheitsgehalt der Vorurteile, dass alles super gefährlich sei, minimiert. Nach einer gefühlt ewigen Verabschiedung mit allen Freunden und Leuten, mit denen wir eigentlich den ganzen Abend kaum gesprochen hatten, gingen wir schlafen, um am nächsten Tag bereits ins nächste Land aufzubrechen: Guatemala.

An der Grenze war extrem viel los und scheinbar absolutes Chaos. Die Tatsache, dass von nun an wieder Spanisch gesprochen wurde, machte die ganze Sache nicht einfacher und auf einmal stand der 15 jährige Alejandro vor uns. Ein Junge, dessen Geschäftssinn mich wirklich begeistert hat. In perfektem Englisch fing er einfach an uns zu erklären welche Dokumente wir bräuchten und wo wir hin müssten. Zunächst wollten wir die Hilfe eigentlich nicht annehmen, aber da er sich einfach dazustellte, nicht weg zu bekommen war und sich ziemlich schnell rausstellte, dass wir mit ihm deutlich schneller mit allem fertig werden, nahmen wir seine Hilfe doch noch an. Deutlich schneller bedeutet, dass uns der gesamte Grenzübergang knapp 45 Minuten kostete. Ich schätze mal, dass wir ohne Alejandro sicherlich das Dreifache gebraucht hätten. Die Zeitersparnis lag hauptsächlich daran, dass jeder Beamte Alejandro kannte, er sowohl perfekt Englisch als auch perfektes Spanisch sprach und in jeder Schlange eine Art VIP Status hatte. Wir mussten also kein einziges Mal warten, sondern kamen überall immer direkt dran. Als wir mit allem fertig waren, gaben wir ihm ein Trinkgeld von 5$ und dann hat Alejandro etwas gesagt, was mich wirklich verblüfft hat. „Danke für die 5$, aber da wir zwei Leute mit Motorrädern sind, müsste er uns jeweils 5$ in Rechnung stellen…“ Selbstverständlich haben wir ihm das Geld gerne gegeben, aber es ist schon erstaunlich, wenn ein 15 Jähriger Junge mit so einer Selbstsicherheit auftritt. Der Junge hat mich echt beeindruckt und sich die 10$ absolut verdient. Guatemala selbst hat uns erstmal mit einer perfekt geteerten Straße und einer tollen Landschaft begrüßt. Außerdem kam hier zu der guten Laune und dem Lachen auch noch das Winken, Pfeifen und Daumen hoch als Volkssport hinzu. Wirklich unglaublich. Ich habe sicher in meinem ganzen Leben in so kurzer Zeit noch nie so vielen Menschen zurückgewinkt. Gefühlt hat uns jeder dem wir begegneten, ob im Auto, auf der Ladefläche eines Pickups, hinten im LKW oder am Straßenrand fast schon übertrieben zugejubelt und typisch für Guatemala dabei immer gepfiffen. Aus Zeitgründen hatten wir entschieden das Land El Salvador komplett auszulassen und direkt auf kürzestem Weg nach Honduras zu fahren. Das hatte allerdings zur Folge, dass wir von der absolut perfekten Straße abfuhren und die nächsten ca. 100 Kilometer auf einer ziemlich holprigen Schotterstraße immer weiter in die Natur Guatemalas eintauchten. Den Plan durch den kürzeren Weg etwas Zeit gut zu machen, schafften wir so leider nicht, aber die Natur, die wir so zu sehen bekamen, war es absolut wert. Das einzige auf das wir immer mal wieder trafen, waren kleinste Dörfer, in denen wir ebenfalls immer wieder jubelnd begrüßt wurden. Langsam aber sicher hatten wir allerdings das Problem, dass es dunkel wurde, und wir keine Ahnung hatten wo wir schlafen sollten. Eine Weisheit, die mir damals von einem 73 jährigen Frankfurter auf dem Jakobsweg mitgegeben wurde, hat sich aber auch hier wiedermal bewahrheitet: „Mer muss sisch logger mache“ (Man muss sich locker machen). In dem Moment als die Sonne unterging, kamen wir in ein kleines Dörfchen, und fragten, ob es irgendwo in der Nähe eine Schlafmöglichkeit gäbe. Tatsächlich hatte in dem Ort gerade vor ein paar Wochen eine Familie eine kleine Pension eröffnet und wir somit einen Schlafplatz für die Nacht. Begleitet von den Geräuschen der Nutztiere (Schweine, Hühner, Ziegen etc.), die überall im Dorf frei herumliefen, schliefen wir ein und konnten unseren Weg entlang der Schotterpiste in Richtung Honduras am nächsten Tag fortsetzen. Eine der schönsten Erlebnisse Guatemalas hatten wir kurz vor der Grenze. Seit Alaska haben wir es geschafft aus jedem Gebiet/Land einen Aufkleber mit der jeweiligen Flagge zu organisieren. Außer in Mexiko ging das bisher auch immer ohne Probleme, aber in Guatemala gab es keine Chance. Wir fragten in so vielen Geschäften nach, aber nirgends war ein Aufkleber zu finden. Bis wir in Chiquimula Carlos trafen. Er war wirklich sehr bemüht uns zu helfen und fuhr auf seinem Roller mit uns in die verschiedensten Geschäfte, bis er schließlich die Idee hatte in einen Copyshop zu fahren, wo wir unseren eigenen Aufkleber angefertigt bekamen. Wir wollten kurz testen, ob die Folie auch auf dem Motorrad hält und verließen daher das Geschäft. Als wir wieder zurück wollten, hatte er bereits bezahlt und verabschiedete sich von uns mit den Worten, dass dies ein Geschenk von Guatemala an uns wäre und er uns weiterhin eine gute Reise wünscht. Wirklich nur eine Kleinigkeit, aber mich hat das in diesem Moment unglaublich gefreut.

Aufgrund einiger Reisebusse, die an der Grenze zu Honduras vor uns angekommen waren, dauerte unsere Einreise deutlich länger als geplant, sodass es bereits dunkel war als wir ins Land fuhren und wir uns in der ersten Stadt etwas zum Übernachten suchten. Copán Ruinas ist aufgrund der Mayaruinen zwar sehr touristisch, aber trotzdem absolut empfehlenswert. Tolle Altstadt, die durch die Ruinen und die Geschichte geprägt ist und viele schöne Restaurants. Der restliche Teil von Honduras hat mir auch sehr gut gefallen und auch hier waren die Menschen alle wieder sehr nett. Leider hat uns aber die fortschreitende Zeit dazu gedrängt weiter in Richtung Nicaragua zu fahren und nicht länger dort zu bleiben.  Schon kilometerweit vor der Grenze standen die ersten parkenden LKW und wir hatten wieder mal Glück mit dem Motorrad unterwegs zu sein, weil wir uns komplett bis vorne durchschlängeln konnten. Trotzdem hat der Grenzübertritt bis in den späten Abend hinein gedauert und so hatten wir eigentlich vor, nichts anderes zu machen, als in der ersten Stadt nach der Grenze in Ocotal einen Schlafplatz zu suchen und noch eine Kleinigkeit zu essen. Schon während des Essens wurden wir von Francisco angesprochen, was wir in der Stadt machen und wer wir seien. Nachdem wir von unserer Tour berichteten war auf einmal die halbe Bar von uns und unserem Vorhaben begeistert und alle fingen an mit uns feiern. Irgendwann als die Bar schloss, wollten uns die Einheimischen noch nicht gehen lassen, weil eben nicht alle Tage Menschen aus Deutschland mit ihrem Motorrad durch das Städtchen kommen und so zogen wir weiter in das örtliche Casino, weil dort der Einzige Ort war, der noch Bier verkaufte. Wie vorher waren auch hier alle total begeistert, dass wir ausgerechnet hier gelandet waren und feierten mit uns bis tief in die Nacht. Außerdem riet man uns nicht nach Managua zu fahren, sondern in die deutlich schönere Stadt Granada. Sie ist die drittgrößte Stadt des Landes und wurde 1524 gegründet.  An diesem Abend wurde uns ein Restaurant mit lokalen Speisen empfohlen und da wir uns nicht entscheiden wollten, nahmen wir einfach die Platte mit allen lokalen Köstlichkeiten. Es war grandios! Wie schon in den vorherigen Ländern ist auch hier die Banane sehr präsent in den verschiedenen Gerichten und hat einen ähnlichen Status wie unsere Kartoffel. Daher wird auch sie in den verschiedensten Formen zur Beilage. Gekocht, gebraten, gegrillt, frittiert, hauchdünn oder etwas dicker und jedes Mal schmeckt sie irgendwie anders aber immer gut. Als wir Granada hinter uns ließen überquerten wir kurze Zeit später die Grenze zu Land Nr. 5 auf unserer Route durch Zentralamerika: Costa Rica.

Das Land zeigte sich zunächst nicht von seiner besten Seite. Aufgrund einer ausgiebigen Pause der Versicherungsmitarbeiterin dauerte der Grenzübergang (wieder mal) deutlich länger als erwartet und als wir endlich ins Land fuhren, fing es ordentlich an zu regnen. Der nächste Tag begann mit Sonnenschein und wir starteten unsere Tour zu unserem Tagesziel Cahuita. Wir hatten hier zwei Ziele für den nächsten Tag. Zum einen der Cahuita Nationalpark und zum anderen das Sloth Sanctuary, welches nicht weit entfernt liegt. Constantin hatte dieser Forschungsstation für Faultiere vor einiger Zeit etwas Geld gespendet und so die Möglichkeit erhalten an einer Privattour teilzunehmen. Faultiere sind einfach super lustige Tiere und es gibt deutlich mehr unterschiedliche Arten, als ich dachte. Zum einen die dreifingerigen, die lediglich in dieser speziellen Gegend in Costa Rica leben und dann die etwas robusteren zweifingerigen, die mit weniger Fell in tieferen Gegenden und mit sehr wuscheligem und viel Fell auch in den Bergen anzutreffen sind. Faultiere sind eigentlich nicht wirklich faul. Sie bewegen sich verhältnismäßig relativ viel und klettern herum, allerdings ist alles was sie machen so unglaublich langsam, dass man den Eindruck erhält, sie seien einfach faul. Der Grund sich so langsam zu bewegen liegt aber darin, dass sie dadurch nicht von Jägern wahrgenommen werden.  Im Anschluss an die Führung durch die komplette Forschungseinrichtung, hatten wir noch die Möglichkeit eine Kanutour durch den Dschungel zu machen. Zunächst war die Vegetation das einzige was wirklich beeindruckend war, bis wir auf einmal wildes, lauter werdendes Gebrüll hörten und sich über unseren Köpfen durch die Baumkronen Brüllaffen schwangen. Vögel, die Geräusche machen als wären sie gerade aus einem Science Fiction Film entsprungen und Krokodile, die neben uns im Gras lagen, schafften ein Flair, das wir bisher auf der gesamten Tour so noch nicht hatten. Vor unserer Abfahrt am nächsten Tag besuchten wir noch kurz den Nationalpark, um weitere Tiere zu entdecken und machten uns gegen zwölf auf in Richtung Panama, welches wir innerhalb von zwei Tagen durchqueren mussten, um rechtzeitig zum Verladen der Motorräder auf die Stahlratte in Carti zu sein.

Bis wir in Panama Stadt ankamen, haben wir von dem Land außer Regen leider nicht viel mitbekommen. Die Natur, entlang der 200 Kilometer zwischen Sixaola und David ist absolut traumhaft, aber ab David, sind wir lediglich entlang der Schnellstraße gefahren, um so viele Kilometer wie möglich zu machen und haben daher kaum noch etwas mitbekommen. In Panama Stadt buchten wir uns im Panamahouse ein, welches durch die Stahlratte empfohlen wurde und lernten zum ersten Mal einen Teil unserer Mitfahrer für die nächsten Tage kennen: Eine Gruppe Neuseeländer, die ebenfalls von Alaska nach Feuerland fahren. Am nächsten Tag war es soweit. Um 8:30 fuhren wir ca. zwei Stunden in den Dschungel von Panama und kamen gegen elf Uhr in Carti an, wo die Stahlratte bereits auf uns wartete. Wir luden unser Gepäck ab, wurden an Bord gebracht und lernten die Crew kennen. Das Video, welches ich von Youtube kannte und zeigte, wie jedes einzelne Motorrad mit einem Kanu zur Stahlratte gebracht und von dort aus aufgeladen wird, ist schon älter und findet heute so nicht mehr statt. Ludwig, der Kapitän, hat vor einigen Jahren beschlossen, dass es besser sei, keinen der Passagiere beim Aufladen der Motorräder an Bord zu haben und so zu vermeiden, dass sich jeder zum Experten in logistischen Angelegenheiten entwickelt. Wir wurden daher bereits nach kurzer Zeit im Boot wieder abgeholt und auf eine der San Blas Inseln gebracht: El Porvenir. Die San Blas Inseln liegen im karibischen Meer und bestehen aus insgesamt 365 Inseln. Auf den Inseln leben etwa 25.000 der indigenen Ethnie „Kuna“, die zudem das gesamte Gebiet selbst verwalten. Mir war vorher überhaupt nicht klar, was mich erwartet, aber man hat das Gefühl im Paradies angekommen zu sein. Überall kleine Inseln, glasklares Wasser und ganz feiner Sand. Am nächsten Tag wurden wir um 8:45 Uhr wieder abgeholt und zurück auf die Stahlratte gebracht. Mangels Wind setzten wir keine Segel sondern fuhren mit Motorantrieb ca. drei Stunden durch die Inseln bis wir mitten im Kuna Gebiet in Coco Bandera ankamen. Auf einer der Inseln gab es am Abend ein Barbecue und eine Strandparty mit den Einheimischen. Den kompletten nächsten Tag ankerten wir in diesem Gebiet und konnten mit Flossen und Schnorchel bepackt, Korallen, Rochen und bunte Fische beobachten oder einfach in der Sonne liegen. Außerdem bestand die Möglichkeit mal ins 20 Meter hohe Krähennest der Stahlratte zu klettern. Extrem wacklig, aber geniale Aussicht und wann man hat man sonst dazu die Möglichkeit. Begleitet vom Sonnenaufgang und einigen Delfinen, wurden am nächsten Tag morgens um halb sechs die Segel gehisst und Kurs auf Cartagena genommen, welches wir innerhalb der nächsten 30 Stunden erreichen sollten. Aufgrund der guten Wetterverhältnisse schafften wir es bereits nach knapp 24h und kamen so in aller Frühe in Cartagena, Kolumbien an. Insgesamt kann ich jedem nur empfehlen mal mit der Stahlratte zu fahren. Es ist wirklich ein Abenteuer und man sieht Orte, die man ohne niemals sehen würde. Als Motorradfahrer hat man zudem kaum eine andere Möglichkeit von Panama nach Kolumbien zu gelangen. Der Fährbetrieb zwischen den beiden Punkten wurde nach nur einem halben Jahr wieder eingestellt, da die Fähre für 1500 Leute und 500 Fahrezugen ausgelegt war und schlicht nicht genügend Passagiere mit Fahrzeugen vorhanden waren. Und so bleibt als einzige Alternative nur zu fliegen. Da dies aber ähnlich viel kostet, man lediglich nach Bogota fliegen kann und somit halb Kolumbien verpasst und letztendlich nicht mal ansatzweise so viel Spaß bringt, kann ich nur die Stahlratte empfehlen. Nochmal danke an den hier mitlesenden Michael, der mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hat.

Schlussendlich war das Essen immer ausgezeichnet, was mich zum letzten Punkt für diesen Eintrag bringt. Ich wurde gebeten mehr Bilder von unserem Essen online zu stellen. Here we go:

11.09 – 08.10 Mexico

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„Ihr seid ja verrückt, dass ihr durch Mexiko wollt.“, „Passt auf, Mexiko ist gefährlich.“, „Tijuana…, umfahrt die Stadt besser, als Weiße werdet ihr da auf jeden Fall ausgeraubt.“ Diese und weitere Warnungen haben wir erhalten, als wir durch die USA gefahren sind und unsere Vorfreude auf die unbekannte Kultur und das Andersartige wurde etwas durch die Sorge um das eigene Wohl gedämpft. Irgendwann kamen wir dann auf die Idee, die Leute nach ihren schrecklichen Erfahrungen zu fragen, die sie in Mexiko gemacht haben. Die meisten Warnungen gründeten sich allerdings lediglich auf Hörensagen, da viele unserer potentiellen Lebensretter noch nie in Mexico waren. Wir sind nach knapp 4 Wochen Mexiko nicht ausgeraubt worden, leben noch und waren davon fast eine Woche in Tijuana. Gerade dort  merkt man, dass das negative Marketing, welches im Norden betrieben wird, seine Spuren hinterlassen hat. Überall stehen ehemalige Nachtclubs, Cafés und Geschäfte leer. Dabei ist die Stadt und das was wir bisher in Mexiko erlebt haben alles andere als gefährlich. Ganz im Gegenteil. Alles fing mit dem wohl leichtesten Grenzübertritt in ein nicht EU-Land an, den ich bisher hatte. Wir hatten gehört, dass ein Grenzübertritt nach Mexiko unter Umständen Stunden dauern kann. Dies liegt unter anderem daran, dass viele Leute im günstigen Tijuana leben, in San Diego arbeiten und daher tagsüber die Grenze sehr stark frequentiert ist. Als wir abends gegen zehn Uhr nach Mexiko einreisen wollten, war daher nichts los und wir konnten direkt zur Kontrolle. Von den drei Motorrädern (Erik unser Gastgeber in Tijuana, Constantin und ich) wollten die Grenzer überhaupt nur Constantins Motorrad inspizieren. Wir hielten natürlich trotzdem alle an, damit wir uns nicht verlieren. Die Kontrolle beschränkte sich aber auf einen oberflächlichen Blick in einen seiner Koffer. Danach konnten wir weiterfahren und tauchten in eine deutlich buntere Welt ein, als wir sie noch von den USA gewohnt waren. Unser Ziel war die Haupt Partystraße in der Altstadt Tijuanas: Die „Avenida Revolución“. Die Straße erholt sich langsam wieder und neben vielen noch immer leerstehenden Gebäuden, kehren Clubs, Cafés und Restaurants langsam zurück. Erik hat die Chance genutzt und sich hier einen leerstehenden zweistöckigen Nachtclub als Wohnung gemietet. Über ihm wohnt Arturo, der in der Straße einen kleinen Burgerladen betreibt.  Absolut empfehlenswert! Aber auch das sonstige Essen was man in der Stadt erhält ist grandios. Arturo und Erik haben uns in den paar Tagen einen guten ersten Einblick in die mexikanische Küche gegeben. Tacos, Buritos, Gorditas und Adobados sind nur einige der deftigen Gerichte, die wir versuchten. Irgendwann zu späterer Stunde unterhielt ich mich mit Arturo über die unterschiedliche Art und Weise, wie in Deutschland und in Mexiko gegessen wird. In Deutschland benutzt man Messer und Gabel, sodass das Essen eine ziemlich saubere Angelegenheit darstellt. In Mexiko ist das nicht möglich, weil die meisten Speisen so zubereitet sind, dass an allen Ecken etwas herunterfällt und es maximal eine Gabel zum Essen gibt. Arturo erklärte mir, dass das gewollt ist, weil man so deutlich stärker mit seiner Nahrung in Kontakt kommt und diese mit mehreren Sinnen wahrnimmt. Da es ihn so amüsierte, dass ich trotzdem weiterhin versuchte „sauber“ zu essen, machte er für uns am Tag vor unserer geplanten Abreise aus Tijuana „Flautas“. Als Basis wird hierbei Kartoffelbrei in Teigtaschen eingerollt, die wie kleine Flöten aussehen und frittiert werden. Auf einem Teller werden drei dieser Flöten verteilt und dann mit Salat, Tomaten, Sour Cream und geriebenem Käse belegt. Sehr lecker und einfach unmöglich „sauber“ zu essen. Da ich natürlich noch weitere unbekannte Gerichte probieren wollte,  gab es in der Zeit in Tijuana zudem eine sehr leckere Stachelrochensuppe und Grillen. Grillen kann man in einem Tacco zu Guacamole essen oder eben einfach als Snack, wie Chips. Ebenfalls empfehlenswert! Durch einen glücklichen Zufall habe ich außerdem schon in Tijuana meinen Favorit in Sachen Süßigkeiten entdeckt. Wer mich kennt, wird wissen, dass ich Marzipan liebe. Unser „kulinarischer Reiseleiter“ Arturo gab uns eine kleine kreisförmige Süßigkeit und erklärte, dass diese total beliebt bei Kindern sei. Es war mexikanisches Marzipan „Mazapán“. Anders als unser Marzipan wird dieses nicht aus Mandeln sondern aus Erdnüssen hergestellt und schmeckt dadurch nicht ganz so süß.

Wir haben in Tijuana aber natürlich nicht nur gegessen. Auch das Nachtleben ist vielseitig. Viele coole Bars und Clubs mit sehr guten DJs. Auch tagsüber zeigt sich Tijuana als sehr abwechslungsreich. In der Zeit in der wir zu Besuch waren, fand auf der Avenia Revolucion beispielsweise eine Lowrider-/Autoshow und eine Parade anlässlich des Unabhängigkeitstages statt. Nicht nur zu besonderen Anlässen sondern auch abseits dieser, findet man auf den Straßen überall eine Tierart, die nur in Tijuana anzutreffen ist: „Der Zonky“. Hinter dem Namen verbirgt sich nichts anderes als ein Esel (Donkey), der angemalt ist, wie ein Zebra. Die Idee entstand um 1930 herum, da ein Fotograf einen Weg suchte, die meist hellen Tiere in den Schwarz-Weiß Aufnahmen hervorzuheben. Seitdem hat sich diese „Tradition“ weiter etabliert und der Zonky ist fester Bestandteil Tijuanas.

Neben all dem Vergnügen und Geschlemme hatten wir allerdings auch noch auf offizieller Seite einiges zu tun, da wir aufgrund unserer schnelle Einreise nach Mexiko eigentlich illegal im Land waren. Die Mexikaner sind insgesamt deutlich lockerer drauf, als man das von Deutschland gewohnt ist, allerdings kann ein fehlendes Visum oder eine fehlende Versicherung für unser Motorrad bei einer Kontrolle auch darin enden, dass entweder ein horrendes Schmiergeld fällig wird oder man wahlweise eine Nacht im mexikanischen Knast verbringen kann. Da wir auf beides keine Lust hatten, erkundigten wir uns, wie wir nun am einfachsten an die benötigten Papiere kommen. Glücklicherweise hatte Constantin sich länger mit dem benachbarten Kunsthändler Jorge unterhalten und ihm natürlich ebenfalls von unserem Vorhaben erzählt. Er bot uns an einen Freund von der Touristeninformation anzurufen, um von ihm eine detaillierte Aufstellung aller Dokumente zu erhalten und die Adressen der zuständigen Ämter und Firmen. Allerdings bekamen wir Hilfe von oberster Stelle: „El Director De Calidad, Facilitación Y Cultura Turística“ Carlos Valenzuela, empfing uns im Touristen Center und wir wurden hochoffiziell zu Touristen der Baja California erklärt. Hochoffiziell bedeutet, dass auf unsere Namen jeweils ein Dokument mit Wappen ausgestellt wurde, welches unser Vorhaben beschreibt und uns helfen sollte an den Militärposten entlang der Baja ohne Probleme passieren zu können (Wir wurden nicht ein einziges Mal kontrolliert, sondern immer nur durchgewunken). Nachdem Carlos uns noch dabei half eine Versicherung für unsere Motorräder abzuschließen machte er ein paar Telefonate und organisierte einen „Termin“ an der Grenze, damit wir nun mit einigen Tagen Verspätung offiziell einreisen konnten. Ein formaler Akt, der normalerweise zur Mittagszeit aufgrund der Wartezeit mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann, wurde von uns in 15 Minuten abgehandelt und wir hatten endlich alle Dokumente zusammen, die wir für die Weiterreise benötigen… Dachten wir… Da Deutschland in der Welt für sein Bier berühmt ist, werden auch in Mexiko ähnliche Fragen zu unserer Trinkkultur gestellt, wie bereits in den USA. Da auch Tijuana über einige an kleinen Brauereien verfügt, wollte Carlos es sich nicht nehmen lassen noch zwei von diesen zu besichtigen und jeweils ein Bier mit uns zu probieren. So lernten wir ein Weizenbier der Brauerei Mamut und ein Kokosnussbier der Azteca Brauerei. Erfreulicherweise lernten wir auch den Geschäftsführer der Brauerei kennen, der perfekt Deutsch gesprochen hat, weil er dort mehrere Jahre gelebt und das Brauhandwerk erlernt hat. Zum Bier selbst: Das Weizenbier war gut, kann aber wie fast alle der „traditionellen“ Biere, die wir bisher getrunken haben, meiner Meinung nach nicht mit unserem Bier mithalten. Was mich aber immer wieder begeistert ist die enorme Vielfalt an Bier, die man sowohl hier als auch in den USA vorfindet. Ich hätte mir vorher nie vorstellen können, dass ein Schwarzbier mit einer leichten Kokosnote gut schmecken kann. Aber gerade in der Hitze Tijuanas schmeckt der Kontrast zwischen der Schwere des Schwarzbiers und dem tropischen Charakter durch die Kokosnuss wirklich hervorragend.  Auch wenn wir locker noch ein paar Tage länger hätten bleiben können, erinnerte uns ein Blick auf unseren Zeitplan daran, dass wir nun keinen weiteren Tag in dieser interessanten und tollen Stadt bleiben dürfen. An dieser Stelle, will ich mich noch mal bei Arturo und Erik bedanken, die direkt zu Beginn unsere mitgebrachten Bedenken bzgl. des Landes im Keim erstickten.

Und so ging es dann am nächsten Tag nach Süden. Für frische Meeresfrüchte zum Mittagessen hielten wir kurz in der Küstenstadt El Rosario, um danach weiter in die Wüstenlandschaft der Baja California einzutauchen. Vor dieser Reise war Wüste für mich einfach immer nur karges Land, aber die unterschiedlichen Wüsten, die wir bisher schon gesehen haben, unterscheiden sich wirklich enorm. Die Wüste der Baja finde ich bisher am beeindruckendsten. Der Grund dafür liegt in der großen Vielfalt an Kakteen, die immer wieder punktuell anzutreffen sind. Unter anderem finden sich Carnegiea gigantea Kakteen, die bis zu 20 Meter wachsen können. Obwohl ich die Landschaft wirklich genoss, war ich nach 500 km trotzdem froh, als ab San Ignacio endlich wieder mehr zu sehen war, als nur Steine, Sand und Kakteen. Etwas  weiter im Süden liegt die Stadt Santa Rosalia. Die ihre Existenz der Kupfervorkommen zu verdanken hat, die bis heute noch abgebaut werden. Unser Tagesziel Mulegé erreichten wir gegen Abend und verbrachten diesen damit den kleinen Ort zu erkunden. Mitten in der Nacht wurde ich durch lauten Regen kurz wach, dachte mir aber nicht wirklich etwas dabei. Als wir allerdings am nächsten Morgen aufstanden, wurde uns das Ausmaß des Regens klar. Durch seltenen Regen, gibt es hier nicht das Abwassersystem, welches man aus Deutschland kennt. Daher mussten wir uns den ganzen Tag durch überschwemmte Straßen kämpfen, bis es gegen Nachmittag wieder anfing zu regnen, was in einer Überschwemmung mündete und zur Folge hatte, dass wir an einer Stelle nicht mehr weiter kamen, weil die Straße schlicht nicht mehr da war. Im Stau lernten wir einen weiteren Weltreisenden kenn: Niv, momentan ebenfalls mit dem Motorrad unterwegs schloss sich uns an und zu dritt überlegten wir, ob es nicht doch einen Weg gibt das gemeinsame Tagesziel La Paz zu erreichen. Keine Chance. Überall waren reißende Flüsse entstanden, die neben der einsetzenden Dunkelheit eine Weiterfahrt viel zu gefährlich gemacht hätten. Wir beschlossen daher zurück zu fahren und uns eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Am nächsten Tag beobachteten wir den vorbeifahrenden Verkehr und hatten die Befürchtung, dass wir noch immer nicht weiter nach Süden fahren könnten, da so gut wie kein Auto aus Süden an uns vorbei kam. Wir versuchten es trotzdem und sahen das Ausmaß der Verwüstung. Der Regen war so stark, dass er die Straße komplett unterspülte und ein ca. 5 Meter langes und 3 Meter tiefes Loch hinterließ. Über die Straße war also definitiv kein Vorankommen möglich, aber wir haben Enduros nicht dabei, um nur abenteuerlich auszusehen und so waren wir an dem Morgen wohl die einzigen, die es schafften sich abseits der Straße durch den zurückgelassenen Schlamm auf die andere Seite zu kämpfen, um am Nachmittag endlich La Paz zu erreichen. Wir mieteten uns gemeinsam mit Niv in ein Hostel ein und sprachen am Abend über unsere weitere Planung. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie die Fährverbindung zum  Festland aussieht und wollten daran festmachen, wann wir nach Mazatlán aufbrechen und ob wir uns noch die angeblich sehr schöne Südspitze der Halbinsel anschauen, wo unter anderem auch das durch die Eagles besungene „Hotel California“ zu finden ist. Während des Gesprächs fragte uns Niv nach den Papieren und wir erzählten stolz von unserer Begegnung in Tijuana. Als er aber die für die Fährfahrt angeblich benötigten Einfuhrdokumente für unsere Motorräder ansprach und uns erzählte, dass er zwei Amerikaner getroffen hatte, die aufgrund fehlender Dokumente wieder den kompletten Weg zurück nach Tijuana fahren mussten, war es mit unserer guten Laune kurzzeitig vorbei. Unser Puffer, den wir bis zur gebuchten Überfahrt von Panama nach Kolumbien eingeplant hatten, war aufgebraucht und eine Rückfahrt konnten wir zeitlich in keinem Fall bewältigen. Wir erkundigten uns im Internet nach den Einfuhrdokumenten und fanden heraus, dass man diese angeblich in jeder Filiale der Bank Banjercito erhalten kann. Wir wussten außerdem bereits, dass zwei verschiedene Fähren von La Paz aus in Richtung Mazatlan fahren und sahen, dass die günstigere scheinbar am nächsten Tag ablegen sollte. Wir planten daher, am nächsten Tag nichts zu besichtigen, sondern zunächst den Papierkram zu erledigen und je nach Verfügbarkeit der Tickets unsere Überfahrt zu beginnen. Unser Plan wurde allerdings am nächsten Morgen durch die lokalen Gegebenheiten über den Haufen geworfen, da keiner der Hostelbetreiber anwesend war und wir somit unseren Schlüsselpfand von 500$ (mexikanische Pesos werden ebenfalls mit $ gekennzeichnet) was in etwa 25€ entspricht nicht zurück erhalten konnten. Um 12 Uhr, also genau zur maximalen Chek-Out Zeit, kam endlich jemand, der den Schlüssel entgegen nahm und uns unser Pfand aushändigte. Etwas frustriert starteten wir unseren Weg durch La Paz auf der Suche nach den benötigten Dokumenten. Als wir endlich eine Filiale der Banjercito fanden und mit immer noch spärlichem Spanisch erklärten was wir wollten, erklärte man uns, dass wir hier falsch seien. Ohne großes hin und her, nahm die Bankangestellte den Telefonhörer, wählte eine Nummer und bedeutete uns zu warten. Nach kurzer Zeit drückte sie uns den Hörer in die Hand und wir hatten eine englisch sprechende Kollegin auf der anderen Seite, die uns erklärte, dass es die Genehmigung nur noch in Pichilingue gebe und  sie direkt im Hafengebiet sitze. Sollten wir es also trotz der fortgeschrittenen Zeit doch noch schaffen, heute alles zu erledigen? Wir begannen also unsere Tour in Richtung Hafengebiet und fragten uns so lange durch, bis wir endlich vor dem Schalter der Bank standen. Nach zehn Minuten war alles erledigt und wir hatten unsere Genehmigung gekauft. Glücklicherweise waren direkt nebenan sowohl ein schicker Schalter der Baja Ferries und ein weiterer etwas chaotischer Schalter der TMC-Transportación Marítima de California. Da an diesem Tag nur die TMC ablegte und diese auch noch knapp über 1000$ günstiger p.P. ist, ließen wir unsere Motorräder wiegen, kauften das Ticket und gingen genau 10 Minuten bevor das Schiff ablegte an Bord. Was ein Timing. Da die TMC hauptsächlich zum Transport von Frachtgütern genutzt wird, kann man hier auch keinen Luxus erwarten. Jeder der also mit dem Gedanken spielt, ebenfalls von La Paz nach Mazatlán mit der Fähre zu reisen, sollte sich überlegen, ob es für ihn okay ist, neben Kampfhähnen und laufenden LKW zu schlafen. Ich fand die Überfahrt extrem amüsant. Das inkludierte Abendessen war wirklich top und das Abendprogramm, welches daraus bestand ohne Auswahlmöglichkeit spanische Filme zu schauen, erreichte seinen Höhepunkt, als zu späterer Stunde der Film „Jackass 3D“ begann. Es war einfach stark zu sehen, wie sich Männer zwischen 20 und 60 Jahren alle über die gleichen „sinnfreien Aktionen“ kaputt lachen können. Am nächsten Morgen um 6 Uhr gab es Frühstück und kurz danach fuhren wir begleitet vom Sonnenaufgang in Mazatlán ein. Für den Tag hatten wir unsere Route entlang der Küste in Richtung des südlich gelegenen Puerto Vallarta geplant und zum ersten Mal auf unserer Tour fuhren wir in den Dschungel. Riesige Schmetterlinge und Grün wo auch immer man hinschaut. Toller Kontrast zur kargen Landschaft, die uns bis einen Tag zuvor noch entlang der Baja begleitet hat und so stoppten wir nicht wie geplant in Puerto Vallarte, sondern in dem kleinen Dorf an der Küste namens Bucerias. Den Abend verbrachten wir im Zentrum mit Taccos, Corona und beobachteten das bunte Treiben der vielen Händler. Nachdem wir am nächsten Tag dem Golf von Kalifornien noch einen kurzen Besuch abstatteten, fuhren wir weiter in Richtung unseres Tagesziels Guadalajara. Unser Weg führte uns durch die Stadt „Tequila“. Und was gibt es in Tequila? Massig Schnaps! Wir hatten noch ein paar Kilometer vor uns und so beschlossen wir uns in einem gut sortierten Laden, lediglich eine Flasche des empfohlenen Agavendestillates zu kaufen und diesen aufzusparen, bis sich die Zeit ergibt. Fünf  Stunden später in Guadalajara war es soweit 😉 Allerdings kamen wir vorher zum ersten Mal mit einer kulturellen Veränderung in Kontakt, die uns vorher verborgen geblieben war. Wir fuhren in das sehr belebte Zentrum der Stadt, welches zu Feierei und guter Laune einlud und suchten nach einer Bleibe für die Nacht. Das erste Hotel war uns entschieden zu teuer, ebenso das nächste. Ein paar hundert Meter weiter, fiel uns ein Motel auf, welches die Preise an einer Tafel außerhalb angebracht hatte. 280$ für eine Nacht im „Habitación Torre“  was so viel wie Turmzimmer heißt und die günstigste auf der Tafel beschriebene Möglichkeiten war. Top, 7€ für ein Hotel im Zentrum der Stadt pro Person. Da kann man nicht meckern. Da sich bisher aber ausgezahlt hat, die Zimmer erstmal zu inspizieren, fragte ich eine der Hausdamen, ob ich mir das Zimmer denn mal anschauen könnte. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig verwundert, dass nirgends eine Rezeption zu sehen war, aber mein Spanisch war zu diesem Zeitpunkt gerade gut genug, um nach einem Zimmer und der Ausstattung zu fragen. Hinter ihr, ging eine Tür auf, wo mehrere ihrer Kolleginnen arbeiteten und auf einmal alle leicht anfingen zu kichern, als sie uns sahen und ihnen etwas von ihrer Kollegin gesagt wurde. Ich machte mir zu diesem Zeitpunkt noch keine großen Gedanken darüber, weil wir scheinbar auf unseren Motorrädern immer eine besondere Ausstrahlung auf die Bevölkerung haben. Von heimlichen Fotos bis hin zu Kindern, die von ihren Eltern einfach auf unsere Motorräder gesetzt werden und so tat ich dieses gekichere erstmal als weitere Reaktion auf unsere Erscheinung ab. Ich wiederholte, dass ich mir gerne eines der Zimmer anschauen würde und wurde von zwei der Damen in ein Zimmer begleitet. Super Ausstattung, aber leider nur ein Doppelbett. Ich präzisierte und teilte ihnen mit, dass ich zwei Betten suche. Sie diskutierten kurz und wir setzten uns in Bewegung, um mir das nächste Zimmer zu zeigen. Allerdings zeigte man mir kein Zimmer mit zwei Betten, sondern zwei Zimmer mit Durchgang. Ich präzisierte also nochmals und sagte, dass ich nach einem Zimmer mit zwei Betten suche. „No, tenemos.“ Hmmm. Na gut. Es geht auch so. Dann nehmen wir eben ein Zimmer mit einem großen Bett. Wir fuhren wieder runter und wurden gefragt, ob wir auch eine Garage benötigen oder ob uns die offene Tiefgarage reicht. Logisch reicht uns das, solange diese überwacht wird. Wir fingen also an unser Gepäck abzuladen und freuten uns, dass wir solch ein günstiges Hotel gefunden hatten. Als wir oben waren, fiel uns auf, dass keiner von uns einen Schlüssel erhalten hatte. Ich ging also nochmal runter, während Constantin oben wartete und wollte abklären, wann wir denn den Schlüssel erhalten. Zufällig war nun auch eine Rezeption erkennbar. Hinter verspiegeltem Glas und mit einer kleinen durchreiche. Davor stand eine ganze Schaar der Hausdamen, die alle wieder anfingen zu kichern, als sie mich sahen. Ich fragte wann ich denn nun den Schlüssel für das Zimmer erhalte und mir wurde ein Code aufgeschrieben, der eher an ein WLAN Passwort erinnerte. Ich fragte nochmals nach dem Schlüssel für unser Zimmer und stieß lediglich auf Unverständnis. Mir kam dann die Idee mal nach der Check-Out Zeit zu fragen. Immer 8h! Immer 8h? Okay, irgendwas läuft hier falsch. Ich glaube wir suchen uns etwas anderes. Ich ging also wieder hoch zu Constantin, der zur gleichen Zeit einen ähnlichen Entschluss gefasst hat, da er in der Karte des Zimmerservice neben normalen Speisen auch Vibratoren, Gleitgel und ähnliches Zubehör entdeckt hat. Kurz zur Erklärung für alle Mexiko-Reisenden: In einigen Südamerikanischen Ländern, sind Motels nichts anderes als Stundenhotels. Dies kommt daher, dass viele Menschen auf kleinstem Raum gemeinsam mit ihrer Familie leben und daher kein Platz vorhanden ist, um Zeit mit seinem Partner zu verbringen. Diese Motels, werden daher hauptsächlich von jungen Paaren, für Affären oder von Prostituierten frequentiert und eher selten von Motorradreisenden. Als wir zu fortgeschrittener Stunde dann endlich ein normales Hotel gefunden hatten, war aufgrund der gesamten Suchaktion die Zeit des Tequilas gekommen. Deutlich leckerer als Sierra und Co. Nach einem Glas gingen wir dann später nochmal in die Stadt zum Platz der „Mariachis“, wo Tag und Nacht von den typisch mexikanischen Musikern gespielt wird. Als nächsten Punkt auf unserem Weg nach Osten, kamen wir in die bisher wohl schönste Stadt der Reise: „San Miguel de Allende“. Die Stadt wurde 1542 gegründet und zählt seit 2008 zum Weltkulturerbe.  Zentrale Anlaufstelle ist hier der Platz vor der Kathedrale „Parroquia de San Miguel Arcángel“. Auch sonst ist in der Stadt aber überall etwas los und so haben, wir trotz des Zeitmangels die Stadt und deren Nachtleben so ausgiebig erkundet, dass wir am nächsten Tag beschlossen noch einen Tag länger zu bleiben.  Mit Sonnenschein und guter Laune ging es am nächsten Tag in Richtung Mexiko Stadt. Die Stadt selbst ist riesig und man könnte für die Erkundung wahrscheinlich einen ganzen Urlaub darauf verwenden. Wir haben uns hier einen Tag Zeit genommen, um auf unseren Motorrädern die Stadt erkundet und sind in den als Weltkulturerbe aufgenommenen Stadtteil Xochimilco gefahren, der vor allem für seine schwimmenden Gärten und die vielen Blumen bekannt ist. Was mir in der Stadt aber am meisten gefallen hat, war die Tatsache, dass wir immer wieder aus den Autos oder von Rollerfahrern gefragt wurden, was wir hier machen. Mit zunehmend besser werdendem Spanisch, haben wir dann jedes Mal erzählt, was wir machen und begeisterte Blicke erhalten und einen „Daumen-hoch“. Immer wieder, wenn wir dann darauf zu sprechen kamen, dass wir aus Deutschland seit ca. 3 Wochen Mexiko von der West- bis an die Ostküste bereisen, waren alle sichtlich erfreut, dass wir ihr Land erkunden.

Der nächste Tag hielt die erste Ruinenstadt für uns bereit: „El Tajin“, im 1. Jahrhundert v. Chr. gegründet und vor ca. 800 Jahren verlassen, ist diese Aztekenstadt nach dem Gott des Blitzes, Tajin, benannt. Sehr beeindruckend ist die 25 Meter hohe und 1225m² große Nischenpyramide mit ihren 365 Nischen. Die Pyramide stelle einen Jahreszyklus dar, der mit der Einbringung der Ernte endete und mit einem großen Fest gefeiert wurde. Über eine 240 km lange perfekte Motorradstrecke durch den Dschungel ging es von dort aus nach Oaxaca de Juárez. Die Stadt stand eigentlich nicht auf unserem Plan, aber nachdem uns mehrere Leute rieten dort vorbeizuschauen, folgten wir dem Ratschlag und wurden nicht enttäuscht. Die Stadt wurde 1486 gegründet und hat eine gut erhaltene und tolle Altstadt, die man ohne Probleme auch mehrere Tage entdecken kann. Wir fuhren allerdings am nächsten Tag weiter in Richtung Osten. Ein kurzer Stop in der weniger interessanten Stadt „Ciudad del Carmen“, um am nächsten Tag gegen frühen Nachmittag Mérida zu erreichen. Die Stadt sollte uns eigentlich lediglich als Ausgangspunkt dienen, um eine weitere Ruinenstadt, „Chichen Itza“, zu besuchen, entpuppte sich aber ebenfalls als sehr sehenswert, weshalb wir hier einen ganzen Tag blieben und die Besichtigung der Ruinenstadt auf den nächsten Tag schoben, wenn wir sowieso in Richtung Osten fahren würden. Die Ruinenstadt selbst empfand ich leider als viel zu überlaufen und touristisch gestaltet. In El Tajin, waren kaum Leute und man konnte sich eher auf die Szenerie einlassen. In Chichen Itza steht an jeder Ecke ein Verkäufer, der versucht eine Maske oder sonstige Souvenirs zu verkaufen, was dem ansonsten wirklich interessanten Ort ein wenig von seinem Charme nimmt. Daher waren wir auch deutlich schneller mit der Besichtigung fertig und fuhren weiter nach Cancún. Die Stadt ist für ihr Partyleben und ihre Traumstrände bekannt und so haben wir hier drei Nächte verbracht und nichts anderes unternommen, als das Nachtleben erkundet und den Strand der Isla de Mujers besucht. Heute verlassen wir Mexiko und ich kann jedem nur empfehlen dieses tolle Land zu beuschen. Wir hatten nie ein unsicheres Gefühl, ganz im Gegenteil. Jedes Mal wenn wieder eine Horde Kinder ein Foto von uns machen wollte oder sich freuten, wenn sie sich mal kurz auf die Motorräder setzen durften oder wir wieder einen begeisterten Gesichtsausdruck erhielten, dass wir diese Reise machen, habe ich mich fast dafür geschämt, dass im Vorfeld so viele Menschen schlecht über das Land geredet haben. Mein Fazit von Mexiko: Nette Menschen, tolle Natur und einfach grandioses Essen.

21.08 – 10.09 Cleone bis San Diego

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Die Worte „Ich brauch jetzt erstmal einen Kaffee.“, die Constantin zu mir sagte, kurz nachdem wir um 6:00 Uhr morgens durch das Gebrüll eines Laubgebläses vor dem Visitors Center in Olema geweckt wurden, hatten einen größeren Einfluss auf die nächsten Tage, als wir gedacht hätten. Wir waren auf unserem Weg in Richtung San Francisco wie so oft durch die diversen Aussichtspunkte gefesselt worden und haben uns daher zu später Stunde dazu entschlossen den bisher immer sehr angenehmen Platz vor einem Visitor Center als Schlafplatz zu nutzen. Etwas unbehaglich wurde uns als wir sahen, dass auf großen Tafeln erklärt wurde, wie man sich im Falle eines Berglöwenangriffs zu verhalten hat. „Fight back aggressively!“ Okay. Zusammenrollen und tot stellen, wie bei einem Grizzly ist also definitiv die falsche Taktik. Wir hofften, dass lautes Geschnarche den Berglöwen so einen Schrecken einjagt, dass sie uns gar nicht erst als  möglichen Mitternachtssnack in Betracht ziehen. Hat geklappt! Stattdessen sind wir morgens vom bereits erwähnten Gebrüll des Stiehl Laubgebläses geweckt worden. Nicht sehr sanft, aber immerhin ohne scharfe Zähne. Etwas Schlaftrunken machten wir uns auf den Weg, um Constantins Verlangen nach frisch gebrühtem Kaffee zu stillen. Wir fuhren entlang des Highway 1 nach Stinson Beach und entdeckten das kleine Eck-Café, welches bereits durch einige Bewohner belagert wurde, die den gleichen Drang nach Kaffee hatten wie wir. Nachdem wir uns mit Banana-Walnutbred, Muffins und Kaffee eingedeckt hatten, kamen wir mit Paul ins Gespräch. Er erzählte uns, dass er fast jeden Morgen hier frühstückt und wollte wissen, wer wir sind und was wir mit unseren Motorrädern vorhaben. Nachdem er hörte, was wir machen und dass wir beide bloggen, war er begeistert und lud uns zu sich nach San Francisco in seinen Co-Working Space ein. Unter einem Co-Working Space versteht man, dass in einem Großraumbüro unterschiedliche Firmen arbeiten können, wenn sie beispielsweise noch auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude sind oder bspw. zu klein, um sich eigene Räumlichkeiten leisten zu können. Da wir Pauls Gäste waren, konnten wir natürlich kostenlos einen Schreibtisch beziehen und etwas arbeiten (Fotos kopieren, Blogeintrag vorbereiten etc.). Constantin hatte später noch einen Termin bei der Werkstatt Moto Guild, um sein Motorrad auf Vordermann zu bringen und so blieb ich erstmal alleine im Co-Working Space und unterhielt mich mit Paul, der fragte, ob ich nicht Lust hätte später mit ihm auf ein Jazz Festival in Sausalito zu kommen und ob wir schon einen Schlafplatz hätten oder Abends bei ihm im Gästehaus übernachten wollen. Hört sich beides super an! Aber erstmal hatte ich noch ein wenig Zeit mir einen ersten Eindruck der Stadt zu bilden und so machte ich mich auf den Weg in Richtung des benachbarten Chinatowns. Auf dem Weg entdeckte ich einen Barber und ergriff die Chance mir mal die Haare schneiden zu lassen.

Ein freundlicher Asiate bat mich, auf einem Stuhl Platz zu nehmen. Das war auch weitestgehend die einzige Konversation, die ich mit ihm führen konnte. Er fing dementsprechend ohne wissen zu wollen wie oder was ich will an, die Haare zu schneiden. Sehr skurril dabei fand ich, dass der riesige Spiegel, der die komplette Wand des Ladens einnahm nicht vor sondern hinter mir war und ich stattdessen auf einem ebenfalls riesigen Fernseher eine Dokumentation über genmanipuliertes Essen schauen konnte. Da ich sowieso jeden Tag einen Helm anhabe, lies ich ihn einfach mal machen. Nach nicht mal 15 Minuten war alles vorbei und ich konnte wieder gehen. Schnell, günstig und akzeptabel. Als nächstes ging ich wieder zurück und fuhr mit Paul ins benachbarte Sausalito, um die Air Force Bigband anzuhören. Die Musik war nicht schlecht, der Ausflug hatte sich für mich aber eher dahingehend gelohnt, dass ich das Golden Gate mitsamt Brücke bei Dämmerung sehen konnte. Mit Constantin hatte ich ausgemacht, dass ich ihn um ca. 10 Uhr bei Moto Guild abhole und wir danach zu Paul nach Stinson Beach zurück fahren würden, um dort zu nächtigen. Der Termin dauerte so lange, da Moto Guild nicht nur Motoräder repariert, sondern den Ansatz verfolgt Kunden zu zeigen, wie sie diverse Handgriffe selbst erledigen können. Als ich dort ankam, war er der letzte Kunde, räumte alles raus und fing draußen an sein Motorrad zu bepacken. Wir verabschiedeten uns von den Betreibern und wollten ein paar Minuten später ebenfalls losfahren, als Constantin auffiel: „Verdammt! Ich habe meinen Helm drinnen vergessen.“ Oh nein! Was machen wir denn jetzt? Eine Stunde lang auf einer kurvigen Strecke nach Stinson Beach in der Dunkelheit mit nicht besonders hellen Lampen und ohne Helm zu fahren, ist keine gute Idee. Wir überlegten, ob es eine Idee wäre, sich an der benachbarten Rollerverleihstation ein Gefährt auszuleihen, da diese immer mitsamt Helm übergeben werden. Gerade als wir uns leicht genervt mit den Geschäftsbedingungen des Betreibers vertraut machen wollten, kam einer der Betreiber zurück, weil auch er etwas vergessen hatte. Was ein Glück!! Ca. um elf machten wir uns also endlich auf, um in unser Nachtlager zu gelangen und was wir vorfanden, war Vergleichbar mit einer Hotelanlage. Eigener Pool, eigener Whirlpool, direkt am Strand und ein Bungalow in dem man durchaus auch länger hätte wohnen können. Nachdem jeder sein Nachtlager bezogen hatte, schliefen wir aufgrund der Erschöpfung der letzten Tage auch ziemlich schnell ein. Am nächsten Morgen kamen wir beim Frühstück auf die „Abalone“ (dt: Seeohren), die es in dieser Region sehr häufig im Pazifik gibt zu sprechen und uns wurde ein wenig verspätet klar, dass wir bereits Tage zuvor in Fortuna eine richtige Delikatesse probieren durften. Dort hatten wir ein wenig dieser sehr gut schmeckenden Muschelart probieren dürfen, aber erst hier erfuhren wir, dass Seeohren mittlerweile nicht mehr in Restaurants angeboten werden dürfen, da das „Veal of the Sea“ zu viele Liebhaber hatte und der Bestand durch Überfischung deutlich zurückgegangen war. Als Privatperson ist es aber weiterhin gestattet über eine Genehmigung maximal 5 Exemplare pro Tauchgang zu „ ernten“. Ich schreibe ernten, da sich diese Tiere nur sehr langsam fortbewegen können und man sie mit einem speziellen Instrument ruckartig von den Steinen auf denen sie meistens sitzen lösen muss. Ist man zu langsam, saugt sich das Seeohr fest und man hat kaum eine Chance mehr eines der Tiere zu erbeuten. Für die Nacht hatten wir über Airbnb einen Katamaran mit Schlafmöglichkeit in San Francisco auserkoren. Leider hatte sich der Eigentümer nicht mehr gemeldet und die Raten für andere Übernachtungsmöglichkeiten schossen gegen Nachmittag so in die Höhe, dass Paul uns anbot einfach noch eine Nacht bei ihm zu bleiben und SF auf den nächsten Tag zu verschieben. Wie geplant, begannen wir den nächsten Tag bereits sehr früh, um genügend Zeit für die Stadt zu haben.

San Francisco hat mir sehr gut gefallen. Die Lombard Street mit ihren Kurven oder die Cable Cars sind nur ein paar der bekannten Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Sicherlich am populärsten ist die Golden Gate Bridge,  die zur Überbrückung der Golden Gate Meerenge dient, welche den Pazifik und die Bucht von San Francisco miteinander verbindet. Ebenfalls zu San Francisco gehört das ehemalige Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz, welches seit 1972 von Touristen besucht werden kann und durch Filme wie „The Rock“, „X-Men“ und „The Book of Eli“ bekannt ist. Außerdem empfehlenswert ist der durch Seelöwen bevölkerte Pier 39. Die Tiere haben eine bootsfreie Zeit wegen Reparaturarbeiten im Oktober 1989 genutzt um die Stege zu besiedeln und ihren ursprünglichen Platz „Seal Rock“ verlassen. Zunächst gab es nach der Wiedereröffnung des Piers für den Bootsverkehr Probleme zwischen Mensch und Tier, sodass 1990 der Pier für den Bootsverkehr komplett geschlossen wurde und seitdem nur noch durch die Seelöwen genutzt wird. Zum Mittagessen begaben wir uns in ein Restaurant, welches uns schon einen Tag zuvor ins Auge gestochen ist: Das Knoblauchrestaurant „The Stinking Rose“. Wer Knoblauch mag ist hier definitiv richtig. Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, wem man die nächsten Stunden noch begegnen möchte, da hier wirklich alles mit SEHR viel Knoblauch zubereitet wird. Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es ohne Absicht direkt zur nächsten „Stinkbombe“ über. Wir schlenderten durch China Town, um zurück zu unseren Motorrädern zu kommen und San Francisco wieder zu verlassen, als wir an einem Gemüse- und Obststand eine Dame sahen, die eine Durian zerteilte. Die Durian oder auch Stinkfrucht genannt, kannte ich bisher nur aus Erzählungen. Ich hatte gehört, dass das Fruchtfleisch unglaublich stinken aber sehr gut schmecken soll. Als wir mit der Kundin sprachen, für die die Frucht gerade filetiert wurde, fragte sie uns, ob wir ein Stück probieren wollen. Der Geruch ist tatsächlich extrem gewöhnungsbedürftig. Der Geschmack hingegen ist wirklich okay, zu meinem Lieblingsobst wird die Durian aber eher nicht. Nachdem wir wieder an unseren Motorrädern waren, besuchten wir noch kurz die zweistöckige Bay Bridge und fuhren dann nach Mountain View, wo wir bei einem Freund unterkommen kommen. Leider war er etwas im Stress, sodass wir abends und am nächsten Morgen keine Zeit hatten, wie alle unseren bisherigen Gastgeber auf einem Foto abzulichten. Daher einfach so: „Danke Alex!“. Der nächste Tag stand fast vollständig im Zeichen von Google. Die Firma, die in Mountain View sitzt, ist gerade dabei ein Visitors Center aufzubauen, hat aber bereits jetzt für Besucher einen gut gestalteten Bereich, um einiges über die Geschichte des Unternehmens zu erfahren, der deutlich interessanter als der Besucherbereich von Microsoft aufgebaut und daher wirklich sehr empfehlenswert ist. Zum bekanntesten Teil gehört wahrscheinlich die Ausstellung der Android Statuen. Google benennt jede Version seines mobilen Betriebssystems mit einem fortlaufenden Buchstaben und koppelt daran eine bekannte Süßigkeit. Momentan befinden wir uns bei Version M „Marshmallow“, weshalb die aktuelle Figur einen großen Marshmallow trägt. Als nächsten Wegpunkt hatten wir eigentlich den Yosemite Nationalpark festgelegt. Die Routenberechnung von Google hatte aber auf einmal keinen Vorschlag mehr, um in Richtung Las Vegas durch diesen hindurch zu fahren, wie noch die Tage zuvor. Uns viel ein, dass wir von einem Pesterreger in dem Nationalpark gehört hatten und schauten kurz im Internet nach. Tatsächlich waren manche Campingplätze geschlossen worden, weil in den letzten Monaten bereits zwei Pestfälle bei Menschen diagnostiziert wurden. Ohne weiter Nachzuforschen stand für uns schnell fest, dass wir der Pest nicht unbedingt begegnen müssen und nahmen als Alternativroute wieder den Highway 1, was aus Sicht eines Motorradfahrers auch sicher die bessere Route war. Wir übernachteten auf dem Kirk Creek Campground, den ich definitiv empfehlen möchte. Zum einen ist er deutlich günstiger als die umliegenden offiziellen Campingplätze und zum anderen liegt er direkt am Pazifik, was sowohl abends als auch morgens einen tollen Ausblick ermöglicht. Zum Highlight auf diesem Campingplatz gehörte definitiv der dauernde Besuch unserer tierischen Nachbarn. Eine Waschbärfamilie, die im Unterholz lebt, kam immer wieder heraus, um am Zelt und an unseren Motorrädern (vergeblich) etwas Essbares zu finden. Wirklich lustig, wie sie sich immer wieder angeschlichen haben und dann sofort abgehauen sind, wann man ihnen offensichtlich gezeigt hat, dass man sie sieht. Der nächste Tag begann ohne Erbarmen unfassbar heiß. Wir hatten über 40°C, was uns den normalerweise kühlenden Fahrtwind wie einen Fön fühlen ließ, der auf vollster Stufe direkt auf uns gerichtet war. Je weiter wir auf unserem Weg nach Las Vegas ins Landesinnere fuhren, desto heißer wurde es. Wir entschlossen uns daher kurzerhand dazu, in die Nacht hinein zu fahren. Ursprünglich hatten wir den Plan, nicht die gesamte Strecke an einem Tag zu bewältigen, aber es war für uns tagsüber in Nevada auf dem Motorrad schlichtweg zu heiß. Mit lauter Musik im Helm und vielen Pausen, um den Flüssigkeitshaushalt mit koffeinhaltigen Getränken wieder auszugleichen, erreichten wir nachts um 2 Uhr bei 36°C endlich unser Ziel: Las Vegas.

Wir suchten uns das erstbeste Motel, was nicht zu runtergekommen aussah und erholten uns von der Fahrt. Am nächsten Morgen tauschten wir unsere Unterkunft gegen ein Hotel in der Nähe und zogen ein, um die Stadt zu erleben in der das vorherrschende Thema das Glücksspiel ist und die durch Künstler wie Elvis, Frank Sinatra und Johnny Cash geprägt wurde. Las Vegas ist einfach unglaublich. Ich meine das im wahrsten Sinne, da diese Stadt lediglich aus einem beeindruckenden „Schein“ besteht. Man begegnet beispielsweise vielen Wahrzeichen aus anderen Teilen der Welt. Sehr beeindruckt hat mich davon das nachgebaute Venedig. Wenn man dort hindurch schlendert, kann man tatsächlich den Eindruck gewinnen, man wäre gerade in Italien und nicht in der Wüste Nevadas. Genauso finden sich in derselben Straße das Kolosseum, der Eifelturm, eine Pyramide und die Freiheitsstatue. Neben dem obligatorischen Geld verzocken und einem grandiosen ersten Abend, haben wir die Zeit aber natürlich auch wieder genutzt, um Einwohner der Stadt zu finden und kennenzulernen, um hinter diesen Vorhang schauen zu können und einen Eindruck von dem „wahren“ Leben zu erhalten, das sich in Las Vegas abspielt. Den Glamour, den man nämlich im Vordergrund vorgegaukelt bekommt und in dem man sich sehr gut verlieren kann, obwohl natürlich klar sein sollte, dass es nur eine Maskerade ist, bleibt eben nichts als Schein. Wenn man hinter die Kulisse schaut, stellt man fest, dass nicht alles so zuckersüß ist und Menschen in Situationen kommen, aus denen es schwierig ist, zu entkommen. Wir hatten zufällig die Möglichkeit uns mit einem Menschen zu unterhalten, der uns von seinem Weg aus einem „normalen“ Leben in ein Leben mit Glücksspiel und Drogen berichtet hat. Natürlich gibt es Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben, nicht nur in Las Vegas, dennoch nimmt man sich sonst natürlich eher nicht die Zeit mit diesen zu sprechen. Mir hat diese Unterhaltung vor allem wieder mal vor Augen geführt, dass es viele Menschen gibt, die richtig tief (ob selbstverschuldet oder nicht) in der Scheiße sitzen und man sich bewusst machen und dankbar sein sollte, wenn man selbst nicht dazu gehört. Kontrastreich ging es nach Las Vegas wieder mit mehreren Tagen Natur pur weiter. Wir fuhren weiter nach Osten, um uns die Wüsten- und Canyonlandschaft Arizonas und Utahs anzuschauen. Als erstes fuhren wir in Richtung des  Zion Nationalparks. Diesen hatten wir vorher nicht auf unserer geplanten Route, allerdings wurde er uns bereits Tage zuvor am „Floras Lake“ wärmstens empfohlen. Glücklicherweise verfuhren wir uns erstmal, sodass wir einen ganzen Tag damit zubrachten eine Kilometerlange Sackgasse nördlich des Parks um das Kolob Reservoir zu befahren. Wir hatten schon relativ früh den Eindruck, dass wir nicht mehr auf dem richtigen Weg sind, aber die Umgebung war einfach so umwerfend und so menschenleer, dass wir einfach weiterfuhren bis wir aufgrund einer Sackgasse umdrehen mussten. Wer also dort in der Gegend sein sollte, und etwas Abstand von den durch Touristen bevölkerten Nationalparks sucht, sollte westlich von Rockville auf die Kolob Terrace Rd abbiegen. Da dieses Gebiet außerdem „Public Land“ ist, kann man hier super kostenlos campen. Gleich hinter Rockville beginnt dann der eigentliche Zion Nationalpark und es hat sich wirklich gelohnt dort vorbei zu fahren. Die roten Steine, die auch in der gesamten Gegend zur Herstellung des Straßenbelags verwendet werden, geben der gesamten Gegend einen einmaligen Charakter. Nicht weit vom Zion Nationalpark entfernt, liegt der Bryce Canyon. Er besteht ebenfalls wieder aus dem für diese Gegend charakteristisch roten Sandstein, gibt allerdings durch seine Hoodoos ein komplett anderes Bild ab. Als Hoodoos werden die durch Wind über die letzten 40 – 60 Millionen Jahre geformten Gesteinssäulen bezeichnet. Für den nächsten Tag hatten wir den Antelope Canyon als Ziel. Ich hatte schon viele Bilder davon gesehen, war aber ziemlich enttäuscht, als wir ankamen. Um zu diesem Canyon zu gelangen, fährt man stundenlang durch ein sehr sehenswertes Gebiet, welches ebenfalls durch den roten Stein geprägt ist, sich aber durch die andersartigen Felsformationen vom Umland abhebt. Der Canyon selbst liegt inmitten dieser endlosen Weite in einem winzigen Indianerreservat, dass man nur gegen Gebühr betreten darf und zur Besichtigung des Canyons eine Führung buchen muss. Wir entschieden uns dagegen und fuhren nach Süden zum North Rim des Grand Canyon. Auf dem Weg dorthin machten wir einen kurzen Halt am Horseshoe Bend. Diese Flussschlinge (Mäander) des Colorado Rivers liegt in der Nähe der Stadt Page, AZ und ist vom Highway 89 sehr gut zu erreichen. Der Fluss ist auch für die Entstehung des 450km langen Grand Canyons verantwortlich. Seinen Namen hat der Canyon dem Fluss ebenfalls zu verdanken, da er früher auch Grand River genannt wurde.

Wir erreichten abends noch die nördlichen Ausläufer des Canyons außerhalb des Nationalparks und schliefen dort, bevor wir uns am nächsten Morgen in den Park begaben. Auf 2.684 Metern am North Rim liegt der höchste Aussichtspunkt des Grand Canyons. Anders als der Süden ist dieses Plateau vergleichsweise kühl und feucht, sodass sich hier zwischen das Rot der Steine ein fast künstlerisches Grün durch die herrschende Vegetation mischt. Wir beschlossen den Weg zum Süd Rim nicht mehr auf uns zu nehmen, da der Weg dorthin und zurück mindestens nochmal einen Tag gedauert hätte und wir langsam wieder in Richtung Küste wollten. Unser Nachtlager schlugen wir wieder in dem erwähnten Campingplatz in der Kolob Terrace Rd auf und fuhren den kompletten nächsten Tag nach Westen in Richtung Tehachapi, da dort bereits Freunde von Constantins Mutter auf uns warteten. Erika und Axel, die bereits 1967 nach Amerika ausgewandert sind und seit 1979 hier auf einem Berg in Bear Valley einer Art Vorort von Tehachepi leben, empfingen uns fürstlich und zeigten uns unsere Schlafmöglichkeiten für die nächsten Tage. Den nächsten Tag nutzten wir zunächst zur Erholung und um uns mit dem tollen Gebiet vertrauter zu machen, auf dem die Beiden leben. Sicherlich zum Highlight gehören die drei Lamas, die auf dem großen Grundstück leben und als größere „Wachhunde“ fungieren. Für den Folgetag hatten wir einen Tagestrip ins Death Valley geplant und so gingen wir abends früh schlafen, um fit für die strapaziöse Fahrt des nächsten Tages zu sein. Als wir uns am nächsten Tag bei knapp unter 10°C aufmachten, um uns mit 6 Flaschen Wasser bepackt durch die Mojave-Wüste ins Tal des Todes zu begeben, war uns noch nicht klar, was uns erwartet. Die Wüste selbst zählt zu den Regenschattenwüsten. Dies bedeutet, dass die vom Pazifik kommenden Wolken, an den Tehachapi-Bergen „hängen bleiben“, dort abregnen und daher für das Gebiet hinter der Bergkette kein Wasser mehr übrig ist. Je weiter wir in die Wüste in Richtung des Death Valleys hineinfuhren, desto Lebensfeindlicher wurde die Umwelt. Da es sich, wie der Name vermuten lässt, um ein Tal handelt kamen wir auf ca. 2000 Metern bei angenehmen 28°C an und mir war zunächst nur wage klar, wieso bereits die ersten Tafeln davor warnten, nicht die geteerten Straßen zu verlassen und möglichst genug zu trinken. Als wir jedoch in das kesselartige umschlossene Tal des Todes hinunter fuhren, wurde es mit jedem Meter immer heißer, bis das Thermometer schließlich auf über 40°C im Schatten kletterte. Das alleine war allerdings nicht dafür verantwortlich, das die Fahrt durch das Tal ohne kühlende Klimaanlage in einem Auto zu einer absoluten Strapaze wurde. Die trockene Luft gepaart mit der Hitze, lässt einen spürbar dehydrieren und ich war wirklich froh, dass wir genügend Wasser dabei hatten. Wie trocken es ist, merkt man spätestens, wenn man am tiefsten Punkt der USA dem Badwater Basin auf -85,5 Metern steht und kein Grundwasser zu finden ist. Dieses Phänomen kann lediglich durch die erbarmungslose Hitze, die regelmäßig über 50°C liegt, entstehen und genau so habe ich das Tal des Todes erlebt: Erbarmungslos. Auch wenn der Name eine deutlich höhere Zahl vermuten lässt, als der Hitze tatsächlich zum Opfer fallen, ist es nicht verwunderlich, dass hier immer wieder Leute sterben, die sich auf Wegen abseits der Teerstraßen bewegen, verirren und verdursten. Selbst Kakteen können an manchen Stellen des Tals nicht mehr überleben, da ihre Strategie nicht tagsüber sondern nachts ihre Poren zum Atmen zu öffnen bei nächtlichen Temperaturen jenseits der 30°C immer noch zu viel Wasser verdunsten lässt. Dementsprechend gibt es im Death Valley überwiegend Steine in den verschiedensten Formen und Farben zu sehen. Diese Ursprünglichkeit und die Erbarmungslosigkeit, die man in diesem Tal findet, hat mich sehr fasziniert, trotzdem ist ein Besuch im Winter und in einem Auto wohl deutlich empfehlenswerter, da man sich deutlich stärker auf die Szenerie konzentrieren kann und nicht damit beschäftigt ist, ständig anzuhalten, um sich abzukühlen und etwas zu trinken. Unseren Heimweg, auf den wir nach ca. drei Stunden aufbrachen, führte uns noch durch einen Sandsturm, der uns den Sand wie Schmirgelpapier über die wenigen unbedeckten Hautstellen blies, als wollte das Gebiet zum Abschied nochmals seinen Charakter unterstreichen. Als wir am Abend nach fast 14 Stunden Fahrt wieder im Bear Valley ankamen, merkten wir, dass die Strapazen aus Hitze, Trockenheit und einem unaufhörlichen Wind mehr zugesetzt hatten, als gedacht und so beschlossen wir den nächsten Tag nochmal als Ruhetag zu nutzen.

Vollständig wiederhergestellt ging es nach diesem Ruhetag nach Los Angeles. Irgendwie hat uns der Ersteindruck der Stadt nicht besonders zugesagt, sodass wir die Touristenspots abklapperten und ziemlich direkt weiter in Richtung San Diego zu Dave fuhren. Als Constantin mit seiner Idee aufkam in San Francisco eine Privatstunde für Motorradreparaturen zu belegen zu wollen, suchte ich nach einer Werkstatt mit ähnlichem Konzept in San Diego, da mir San Francisco als noch zu früh für mein Motorrad erschien und so stieß ich auf Cerberus Motorcycles. Als der Eigentümer Dave hörte, was wir machen, war er Feuer und Flamme und lud uns ein, neben den Servicemaßnahmen auch eine Möglichkeit zum Übernachten zur Verfügung zu stellen und uns die Stadt zu zeigen. Wir haben echt Glück! Obwohl wir Sonntag hatten, sagte uns Dave, dass wir ihn am Shop treffen sollen und als wir ankamen, trafen wir auf jemanden, der sein Hobby wirklich zum Beruf gemacht und in den absoluten Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat. Das Gebäude der Werkstatt wurde bereits zwischen 1923 – 1925 inspiriert durch den Fund  Tutenchamuns im Jahr 1922 im ägyptischen Stil errichtet. Als Dave vor 4 Jahren im richtigen Moment sah, dass es zur Miete frei stand, schlug er zu. Allerdings baute er in diesem hangarartigen  Gebäude nicht nur seine Werkstatt auf, sondern zog gleich mit 4 Schiffscontainern ein, die er und seine Freundin Jennifer zu ihrer Wohnung umbauten. Unseren Schlafplatz haben wir auf den Containern, sozusagen im zweiten Stock aufgebaut. Da der erste Tag bei Dave in den USA ein Feiertag war, kam auch kein Kunde außer uns in den Laden und so hatten wir den ganzen Tag Zeit, um uns die gesamte Palette der umherstehenden Custom Bikes anzuschauen und die Modifikationen erklären zu lassen. Angefixt von dem was wir sahen, beschlossen wir auch unsere Motorräder auf sinnvolle Art mit Gadgets zu ergänzen und so sind wir nun nicht mehr mit den gefühlsmäßig deutlich zu dunklen und alten Halogen H4 Lampen unterwegs, sondern mit mehr als doppelt so hellen LED Birnen, die uns auch im Dunkeln etwas sehen lassen. Abends hatten Dave und Jennifer ein BBQ für uns organisiert und motorradbegeisterte Freunde eingeladen, die an unserer Tour interessiert sind. Schon fast familiär verlief der Abend und wiedermal bin ich von der Gastfreundschaft und Offenheit mit der uns begegnet wird begeistert. Der nächste Tag begann mit einer sehr amüsanten Begegnung. Dave hatte bereits einen Tag vorher Bescheid gegeben, dass er einen Freund organisiert hat, der uns die interessanten Spots San Diegos zeigen kann. Morgens kam dieser mexikanische Freund in den Laden, ich begrüßte ihn und stellte mich mit meinem Namen vor, woraufhin er mit „Nice to meet you, I’m German“ entgegnete. Ich war zunächst ziemlich verwirrt. Relativ schnell klärte sich aber auf, dass German ein durchaus gebräuchlicher Vorname in Südamerika ist. German fuhr mit uns den ganzen Tag durch San Diego und zeigte uns sowohl Touristenspots als auch Gegenden, die wir wohl ohne ihn nie gefunden hätten. Außerdem kamen wir aufgrund seines Krav Maga Shirts auf diese israelische Kampfsportart zu sprechen. Da er begeistert von unserem Interesse war, bot er uns an für den nächsten Tag eine Trainingseinheit zu organisieren. Zunächst fuhren wir aber zurück zum Shop, wo der zweite Besitzer von Cerebus Motorcycles, Erik, auf uns wartete. Dave hatte bereits erwähnt, dass er in Tijuana wohnt und uns ggf. dabei unterstützen kann, die nötigen mexikanischen Versicherungen und Visa für uns zu organisieren. Aber nicht nur das. Im Vorfeld wurden wir SEHR oft davor gewarnt nach Mexiko zu fahren, bzw. die Stadtgrenze Tijuanas zu überqueren, sodass wir kurz davor waren die Stadt weitläufig zu umfahren. Als wir mit Erik allerdings darüber sprachen, wie es ist, als „Gringo“ in der Stadt zu wohnen, versicherte er uns, dass es in den letzten Jahren deutlich sicherer geworden ist. Ein großer Teil der Kriminalität wurde laut ihm dadurch gefördert, dass die Drogenkartelle sich in Tijuana niederließen, um über einen möglichst kurzen Weg Marihuana und andere Drogen in die USA zu schmuggeln. Durch die weitgehende Legalisierung von Marihuana entlang der Westküste, ist den Kartellen allerdings ein riesiger Markt weg gebrochen und hat sogar dazu geführt, dass nun mehr der Droge von den USA nach Mexiko geschmuggelt wird. Logischerweise ist der Markt für andere Drogen noch immer gegeben und daher sind die Kartelle nicht komplett verschwunden, die Präsenz habe aber deutlich abgenommen. Außerdem hat er etwas bestätigt, was wir bereits vorher vermuteten. Nahezu alle Personen, die uns davor warnten nach Mexiko zu fahren, waren selbst noch nie dort, sondern haben bisher lediglich von den Gefahren gehört. In jedem Fall hatte uns Erik dazu eingeladen das Wochenende mit ihm in Tijuana zu verbringen und das Nachtleben zu erkunden, nachdem wir alle Reparaturarbeiten an unseren Motorrädern abgeschlossen haben. Da Cerberus Motorcycles am nächsten Tag komplett geschlossen war, hatten wir die Möglichkeit den ganzen Tag unter Anleitung von Dave, selbstständig unsere Motorräder zu reparieren und aus technischer Sicht wirklich kennenzulernen. Gegen Abend holte uns German wieder ab und wir fuhren in die Stadt, um einen kurzen Einblick ins Krav Maga zu erhalten. Nach einer Stunde Training, war ich wirklich fix und fertig. Die Bewegungsabläufe die trainiert wurden, sind schlicht nicht alltäglich, waren sehr anstrengend und der Muskelkater am nächsten Tag daher auch entsprechend. Da wir am nächsten Tag Dave und Jennifer verlassen wollten, luden wir sie als Dankeschön abends ins benachbarte äthiopische Restaurant ein. Mit tollem Essen und einer Kaffeezeremonie ließen wir den letzten Abend ausklingen, um am nächsten Tag noch die finalen Reparaturarbeiten erledigen zu können und uns auf den Weg nach Tijuana zu machen. MEXICO wir kommen!!!