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21.08 – 10.09 Cleone bis San Diego

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Die Worte „Ich brauch jetzt erstmal einen Kaffee.“, die Constantin zu mir sagte, kurz nachdem wir um 6:00 Uhr morgens durch das Gebrüll eines Laubgebläses vor dem Visitors Center in Olema geweckt wurden, hatten einen größeren Einfluss auf die nächsten Tage, als wir gedacht hätten. Wir waren auf unserem Weg in Richtung San Francisco wie so oft durch die diversen Aussichtspunkte gefesselt worden und haben uns daher zu später Stunde dazu entschlossen den bisher immer sehr angenehmen Platz vor einem Visitor Center als Schlafplatz zu nutzen. Etwas unbehaglich wurde uns als wir sahen, dass auf großen Tafeln erklärt wurde, wie man sich im Falle eines Berglöwenangriffs zu verhalten hat. „Fight back aggressively!“ Okay. Zusammenrollen und tot stellen, wie bei einem Grizzly ist also definitiv die falsche Taktik. Wir hofften, dass lautes Geschnarche den Berglöwen so einen Schrecken einjagt, dass sie uns gar nicht erst als  möglichen Mitternachtssnack in Betracht ziehen. Hat geklappt! Stattdessen sind wir morgens vom bereits erwähnten Gebrüll des Stiehl Laubgebläses geweckt worden. Nicht sehr sanft, aber immerhin ohne scharfe Zähne. Etwas Schlaftrunken machten wir uns auf den Weg, um Constantins Verlangen nach frisch gebrühtem Kaffee zu stillen. Wir fuhren entlang des Highway 1 nach Stinson Beach und entdeckten das kleine Eck-Café, welches bereits durch einige Bewohner belagert wurde, die den gleichen Drang nach Kaffee hatten wie wir. Nachdem wir uns mit Banana-Walnutbred, Muffins und Kaffee eingedeckt hatten, kamen wir mit Paul ins Gespräch. Er erzählte uns, dass er fast jeden Morgen hier frühstückt und wollte wissen, wer wir sind und was wir mit unseren Motorrädern vorhaben. Nachdem er hörte, was wir machen und dass wir beide bloggen, war er begeistert und lud uns zu sich nach San Francisco in seinen Co-Working Space ein. Unter einem Co-Working Space versteht man, dass in einem Großraumbüro unterschiedliche Firmen arbeiten können, wenn sie beispielsweise noch auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude sind oder bspw. zu klein, um sich eigene Räumlichkeiten leisten zu können. Da wir Pauls Gäste waren, konnten wir natürlich kostenlos einen Schreibtisch beziehen und etwas arbeiten (Fotos kopieren, Blogeintrag vorbereiten etc.). Constantin hatte später noch einen Termin bei der Werkstatt Moto Guild, um sein Motorrad auf Vordermann zu bringen und so blieb ich erstmal alleine im Co-Working Space und unterhielt mich mit Paul, der fragte, ob ich nicht Lust hätte später mit ihm auf ein Jazz Festival in Sausalito zu kommen und ob wir schon einen Schlafplatz hätten oder Abends bei ihm im Gästehaus übernachten wollen. Hört sich beides super an! Aber erstmal hatte ich noch ein wenig Zeit mir einen ersten Eindruck der Stadt zu bilden und so machte ich mich auf den Weg in Richtung des benachbarten Chinatowns. Auf dem Weg entdeckte ich einen Barber und ergriff die Chance mir mal die Haare schneiden zu lassen.

Ein freundlicher Asiate bat mich, auf einem Stuhl Platz zu nehmen. Das war auch weitestgehend die einzige Konversation, die ich mit ihm führen konnte. Er fing dementsprechend ohne wissen zu wollen wie oder was ich will an, die Haare zu schneiden. Sehr skurril dabei fand ich, dass der riesige Spiegel, der die komplette Wand des Ladens einnahm nicht vor sondern hinter mir war und ich stattdessen auf einem ebenfalls riesigen Fernseher eine Dokumentation über genmanipuliertes Essen schauen konnte. Da ich sowieso jeden Tag einen Helm anhabe, lies ich ihn einfach mal machen. Nach nicht mal 15 Minuten war alles vorbei und ich konnte wieder gehen. Schnell, günstig und akzeptabel. Als nächstes ging ich wieder zurück und fuhr mit Paul ins benachbarte Sausalito, um die Air Force Bigband anzuhören. Die Musik war nicht schlecht, der Ausflug hatte sich für mich aber eher dahingehend gelohnt, dass ich das Golden Gate mitsamt Brücke bei Dämmerung sehen konnte. Mit Constantin hatte ich ausgemacht, dass ich ihn um ca. 10 Uhr bei Moto Guild abhole und wir danach zu Paul nach Stinson Beach zurück fahren würden, um dort zu nächtigen. Der Termin dauerte so lange, da Moto Guild nicht nur Motoräder repariert, sondern den Ansatz verfolgt Kunden zu zeigen, wie sie diverse Handgriffe selbst erledigen können. Als ich dort ankam, war er der letzte Kunde, räumte alles raus und fing draußen an sein Motorrad zu bepacken. Wir verabschiedeten uns von den Betreibern und wollten ein paar Minuten später ebenfalls losfahren, als Constantin auffiel: „Verdammt! Ich habe meinen Helm drinnen vergessen.“ Oh nein! Was machen wir denn jetzt? Eine Stunde lang auf einer kurvigen Strecke nach Stinson Beach in der Dunkelheit mit nicht besonders hellen Lampen und ohne Helm zu fahren, ist keine gute Idee. Wir überlegten, ob es eine Idee wäre, sich an der benachbarten Rollerverleihstation ein Gefährt auszuleihen, da diese immer mitsamt Helm übergeben werden. Gerade als wir uns leicht genervt mit den Geschäftsbedingungen des Betreibers vertraut machen wollten, kam einer der Betreiber zurück, weil auch er etwas vergessen hatte. Was ein Glück!! Ca. um elf machten wir uns also endlich auf, um in unser Nachtlager zu gelangen und was wir vorfanden, war Vergleichbar mit einer Hotelanlage. Eigener Pool, eigener Whirlpool, direkt am Strand und ein Bungalow in dem man durchaus auch länger hätte wohnen können. Nachdem jeder sein Nachtlager bezogen hatte, schliefen wir aufgrund der Erschöpfung der letzten Tage auch ziemlich schnell ein. Am nächsten Morgen kamen wir beim Frühstück auf die „Abalone“ (dt: Seeohren), die es in dieser Region sehr häufig im Pazifik gibt zu sprechen und uns wurde ein wenig verspätet klar, dass wir bereits Tage zuvor in Fortuna eine richtige Delikatesse probieren durften. Dort hatten wir ein wenig dieser sehr gut schmeckenden Muschelart probieren dürfen, aber erst hier erfuhren wir, dass Seeohren mittlerweile nicht mehr in Restaurants angeboten werden dürfen, da das „Veal of the Sea“ zu viele Liebhaber hatte und der Bestand durch Überfischung deutlich zurückgegangen war. Als Privatperson ist es aber weiterhin gestattet über eine Genehmigung maximal 5 Exemplare pro Tauchgang zu „ ernten“. Ich schreibe ernten, da sich diese Tiere nur sehr langsam fortbewegen können und man sie mit einem speziellen Instrument ruckartig von den Steinen auf denen sie meistens sitzen lösen muss. Ist man zu langsam, saugt sich das Seeohr fest und man hat kaum eine Chance mehr eines der Tiere zu erbeuten. Für die Nacht hatten wir über Airbnb einen Katamaran mit Schlafmöglichkeit in San Francisco auserkoren. Leider hatte sich der Eigentümer nicht mehr gemeldet und die Raten für andere Übernachtungsmöglichkeiten schossen gegen Nachmittag so in die Höhe, dass Paul uns anbot einfach noch eine Nacht bei ihm zu bleiben und SF auf den nächsten Tag zu verschieben. Wie geplant, begannen wir den nächsten Tag bereits sehr früh, um genügend Zeit für die Stadt zu haben.

San Francisco hat mir sehr gut gefallen. Die Lombard Street mit ihren Kurven oder die Cable Cars sind nur ein paar der bekannten Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Sicherlich am populärsten ist die Golden Gate Bridge,  die zur Überbrückung der Golden Gate Meerenge dient, welche den Pazifik und die Bucht von San Francisco miteinander verbindet. Ebenfalls zu San Francisco gehört das ehemalige Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz, welches seit 1972 von Touristen besucht werden kann und durch Filme wie „The Rock“, „X-Men“ und „The Book of Eli“ bekannt ist. Außerdem empfehlenswert ist der durch Seelöwen bevölkerte Pier 39. Die Tiere haben eine bootsfreie Zeit wegen Reparaturarbeiten im Oktober 1989 genutzt um die Stege zu besiedeln und ihren ursprünglichen Platz „Seal Rock“ verlassen. Zunächst gab es nach der Wiedereröffnung des Piers für den Bootsverkehr Probleme zwischen Mensch und Tier, sodass 1990 der Pier für den Bootsverkehr komplett geschlossen wurde und seitdem nur noch durch die Seelöwen genutzt wird. Zum Mittagessen begaben wir uns in ein Restaurant, welches uns schon einen Tag zuvor ins Auge gestochen ist: Das Knoblauchrestaurant „The Stinking Rose“. Wer Knoblauch mag ist hier definitiv richtig. Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, wem man die nächsten Stunden noch begegnen möchte, da hier wirklich alles mit SEHR viel Knoblauch zubereitet wird. Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es ohne Absicht direkt zur nächsten „Stinkbombe“ über. Wir schlenderten durch China Town, um zurück zu unseren Motorrädern zu kommen und San Francisco wieder zu verlassen, als wir an einem Gemüse- und Obststand eine Dame sahen, die eine Durian zerteilte. Die Durian oder auch Stinkfrucht genannt, kannte ich bisher nur aus Erzählungen. Ich hatte gehört, dass das Fruchtfleisch unglaublich stinken aber sehr gut schmecken soll. Als wir mit der Kundin sprachen, für die die Frucht gerade filetiert wurde, fragte sie uns, ob wir ein Stück probieren wollen. Der Geruch ist tatsächlich extrem gewöhnungsbedürftig. Der Geschmack hingegen ist wirklich okay, zu meinem Lieblingsobst wird die Durian aber eher nicht. Nachdem wir wieder an unseren Motorrädern waren, besuchten wir noch kurz die zweistöckige Bay Bridge und fuhren dann nach Mountain View, wo wir bei einem Freund unterkommen kommen. Leider war er etwas im Stress, sodass wir abends und am nächsten Morgen keine Zeit hatten, wie alle unseren bisherigen Gastgeber auf einem Foto abzulichten. Daher einfach so: „Danke Alex!“. Der nächste Tag stand fast vollständig im Zeichen von Google. Die Firma, die in Mountain View sitzt, ist gerade dabei ein Visitors Center aufzubauen, hat aber bereits jetzt für Besucher einen gut gestalteten Bereich, um einiges über die Geschichte des Unternehmens zu erfahren, der deutlich interessanter als der Besucherbereich von Microsoft aufgebaut und daher wirklich sehr empfehlenswert ist. Zum bekanntesten Teil gehört wahrscheinlich die Ausstellung der Android Statuen. Google benennt jede Version seines mobilen Betriebssystems mit einem fortlaufenden Buchstaben und koppelt daran eine bekannte Süßigkeit. Momentan befinden wir uns bei Version M „Marshmallow“, weshalb die aktuelle Figur einen großen Marshmallow trägt. Als nächsten Wegpunkt hatten wir eigentlich den Yosemite Nationalpark festgelegt. Die Routenberechnung von Google hatte aber auf einmal keinen Vorschlag mehr, um in Richtung Las Vegas durch diesen hindurch zu fahren, wie noch die Tage zuvor. Uns viel ein, dass wir von einem Pesterreger in dem Nationalpark gehört hatten und schauten kurz im Internet nach. Tatsächlich waren manche Campingplätze geschlossen worden, weil in den letzten Monaten bereits zwei Pestfälle bei Menschen diagnostiziert wurden. Ohne weiter Nachzuforschen stand für uns schnell fest, dass wir der Pest nicht unbedingt begegnen müssen und nahmen als Alternativroute wieder den Highway 1, was aus Sicht eines Motorradfahrers auch sicher die bessere Route war. Wir übernachteten auf dem Kirk Creek Campground, den ich definitiv empfehlen möchte. Zum einen ist er deutlich günstiger als die umliegenden offiziellen Campingplätze und zum anderen liegt er direkt am Pazifik, was sowohl abends als auch morgens einen tollen Ausblick ermöglicht. Zum Highlight auf diesem Campingplatz gehörte definitiv der dauernde Besuch unserer tierischen Nachbarn. Eine Waschbärfamilie, die im Unterholz lebt, kam immer wieder heraus, um am Zelt und an unseren Motorrädern (vergeblich) etwas Essbares zu finden. Wirklich lustig, wie sie sich immer wieder angeschlichen haben und dann sofort abgehauen sind, wann man ihnen offensichtlich gezeigt hat, dass man sie sieht. Der nächste Tag begann ohne Erbarmen unfassbar heiß. Wir hatten über 40°C, was uns den normalerweise kühlenden Fahrtwind wie einen Fön fühlen ließ, der auf vollster Stufe direkt auf uns gerichtet war. Je weiter wir auf unserem Weg nach Las Vegas ins Landesinnere fuhren, desto heißer wurde es. Wir entschlossen uns daher kurzerhand dazu, in die Nacht hinein zu fahren. Ursprünglich hatten wir den Plan, nicht die gesamte Strecke an einem Tag zu bewältigen, aber es war für uns tagsüber in Nevada auf dem Motorrad schlichtweg zu heiß. Mit lauter Musik im Helm und vielen Pausen, um den Flüssigkeitshaushalt mit koffeinhaltigen Getränken wieder auszugleichen, erreichten wir nachts um 2 Uhr bei 36°C endlich unser Ziel: Las Vegas.

Wir suchten uns das erstbeste Motel, was nicht zu runtergekommen aussah und erholten uns von der Fahrt. Am nächsten Morgen tauschten wir unsere Unterkunft gegen ein Hotel in der Nähe und zogen ein, um die Stadt zu erleben in der das vorherrschende Thema das Glücksspiel ist und die durch Künstler wie Elvis, Frank Sinatra und Johnny Cash geprägt wurde. Las Vegas ist einfach unglaublich. Ich meine das im wahrsten Sinne, da diese Stadt lediglich aus einem beeindruckenden „Schein“ besteht. Man begegnet beispielsweise vielen Wahrzeichen aus anderen Teilen der Welt. Sehr beeindruckt hat mich davon das nachgebaute Venedig. Wenn man dort hindurch schlendert, kann man tatsächlich den Eindruck gewinnen, man wäre gerade in Italien und nicht in der Wüste Nevadas. Genauso finden sich in derselben Straße das Kolosseum, der Eifelturm, eine Pyramide und die Freiheitsstatue. Neben dem obligatorischen Geld verzocken und einem grandiosen ersten Abend, haben wir die Zeit aber natürlich auch wieder genutzt, um Einwohner der Stadt zu finden und kennenzulernen, um hinter diesen Vorhang schauen zu können und einen Eindruck von dem „wahren“ Leben zu erhalten, das sich in Las Vegas abspielt. Den Glamour, den man nämlich im Vordergrund vorgegaukelt bekommt und in dem man sich sehr gut verlieren kann, obwohl natürlich klar sein sollte, dass es nur eine Maskerade ist, bleibt eben nichts als Schein. Wenn man hinter die Kulisse schaut, stellt man fest, dass nicht alles so zuckersüß ist und Menschen in Situationen kommen, aus denen es schwierig ist, zu entkommen. Wir hatten zufällig die Möglichkeit uns mit einem Menschen zu unterhalten, der uns von seinem Weg aus einem „normalen“ Leben in ein Leben mit Glücksspiel und Drogen berichtet hat. Natürlich gibt es Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben, nicht nur in Las Vegas, dennoch nimmt man sich sonst natürlich eher nicht die Zeit mit diesen zu sprechen. Mir hat diese Unterhaltung vor allem wieder mal vor Augen geführt, dass es viele Menschen gibt, die richtig tief (ob selbstverschuldet oder nicht) in der Scheiße sitzen und man sich bewusst machen und dankbar sein sollte, wenn man selbst nicht dazu gehört. Kontrastreich ging es nach Las Vegas wieder mit mehreren Tagen Natur pur weiter. Wir fuhren weiter nach Osten, um uns die Wüsten- und Canyonlandschaft Arizonas und Utahs anzuschauen. Als erstes fuhren wir in Richtung des  Zion Nationalparks. Diesen hatten wir vorher nicht auf unserer geplanten Route, allerdings wurde er uns bereits Tage zuvor am „Floras Lake“ wärmstens empfohlen. Glücklicherweise verfuhren wir uns erstmal, sodass wir einen ganzen Tag damit zubrachten eine Kilometerlange Sackgasse nördlich des Parks um das Kolob Reservoir zu befahren. Wir hatten schon relativ früh den Eindruck, dass wir nicht mehr auf dem richtigen Weg sind, aber die Umgebung war einfach so umwerfend und so menschenleer, dass wir einfach weiterfuhren bis wir aufgrund einer Sackgasse umdrehen mussten. Wer also dort in der Gegend sein sollte, und etwas Abstand von den durch Touristen bevölkerten Nationalparks sucht, sollte westlich von Rockville auf die Kolob Terrace Rd abbiegen. Da dieses Gebiet außerdem „Public Land“ ist, kann man hier super kostenlos campen. Gleich hinter Rockville beginnt dann der eigentliche Zion Nationalpark und es hat sich wirklich gelohnt dort vorbei zu fahren. Die roten Steine, die auch in der gesamten Gegend zur Herstellung des Straßenbelags verwendet werden, geben der gesamten Gegend einen einmaligen Charakter. Nicht weit vom Zion Nationalpark entfernt, liegt der Bryce Canyon. Er besteht ebenfalls wieder aus dem für diese Gegend charakteristisch roten Sandstein, gibt allerdings durch seine Hoodoos ein komplett anderes Bild ab. Als Hoodoos werden die durch Wind über die letzten 40 – 60 Millionen Jahre geformten Gesteinssäulen bezeichnet. Für den nächsten Tag hatten wir den Antelope Canyon als Ziel. Ich hatte schon viele Bilder davon gesehen, war aber ziemlich enttäuscht, als wir ankamen. Um zu diesem Canyon zu gelangen, fährt man stundenlang durch ein sehr sehenswertes Gebiet, welches ebenfalls durch den roten Stein geprägt ist, sich aber durch die andersartigen Felsformationen vom Umland abhebt. Der Canyon selbst liegt inmitten dieser endlosen Weite in einem winzigen Indianerreservat, dass man nur gegen Gebühr betreten darf und zur Besichtigung des Canyons eine Führung buchen muss. Wir entschieden uns dagegen und fuhren nach Süden zum North Rim des Grand Canyon. Auf dem Weg dorthin machten wir einen kurzen Halt am Horseshoe Bend. Diese Flussschlinge (Mäander) des Colorado Rivers liegt in der Nähe der Stadt Page, AZ und ist vom Highway 89 sehr gut zu erreichen. Der Fluss ist auch für die Entstehung des 450km langen Grand Canyons verantwortlich. Seinen Namen hat der Canyon dem Fluss ebenfalls zu verdanken, da er früher auch Grand River genannt wurde.

Wir erreichten abends noch die nördlichen Ausläufer des Canyons außerhalb des Nationalparks und schliefen dort, bevor wir uns am nächsten Morgen in den Park begaben. Auf 2.684 Metern am North Rim liegt der höchste Aussichtspunkt des Grand Canyons. Anders als der Süden ist dieses Plateau vergleichsweise kühl und feucht, sodass sich hier zwischen das Rot der Steine ein fast künstlerisches Grün durch die herrschende Vegetation mischt. Wir beschlossen den Weg zum Süd Rim nicht mehr auf uns zu nehmen, da der Weg dorthin und zurück mindestens nochmal einen Tag gedauert hätte und wir langsam wieder in Richtung Küste wollten. Unser Nachtlager schlugen wir wieder in dem erwähnten Campingplatz in der Kolob Terrace Rd auf und fuhren den kompletten nächsten Tag nach Westen in Richtung Tehachapi, da dort bereits Freunde von Constantins Mutter auf uns warteten. Erika und Axel, die bereits 1967 nach Amerika ausgewandert sind und seit 1979 hier auf einem Berg in Bear Valley einer Art Vorort von Tehachepi leben, empfingen uns fürstlich und zeigten uns unsere Schlafmöglichkeiten für die nächsten Tage. Den nächsten Tag nutzten wir zunächst zur Erholung und um uns mit dem tollen Gebiet vertrauter zu machen, auf dem die Beiden leben. Sicherlich zum Highlight gehören die drei Lamas, die auf dem großen Grundstück leben und als größere „Wachhunde“ fungieren. Für den Folgetag hatten wir einen Tagestrip ins Death Valley geplant und so gingen wir abends früh schlafen, um fit für die strapaziöse Fahrt des nächsten Tages zu sein. Als wir uns am nächsten Tag bei knapp unter 10°C aufmachten, um uns mit 6 Flaschen Wasser bepackt durch die Mojave-Wüste ins Tal des Todes zu begeben, war uns noch nicht klar, was uns erwartet. Die Wüste selbst zählt zu den Regenschattenwüsten. Dies bedeutet, dass die vom Pazifik kommenden Wolken, an den Tehachapi-Bergen „hängen bleiben“, dort abregnen und daher für das Gebiet hinter der Bergkette kein Wasser mehr übrig ist. Je weiter wir in die Wüste in Richtung des Death Valleys hineinfuhren, desto Lebensfeindlicher wurde die Umwelt. Da es sich, wie der Name vermuten lässt, um ein Tal handelt kamen wir auf ca. 2000 Metern bei angenehmen 28°C an und mir war zunächst nur wage klar, wieso bereits die ersten Tafeln davor warnten, nicht die geteerten Straßen zu verlassen und möglichst genug zu trinken. Als wir jedoch in das kesselartige umschlossene Tal des Todes hinunter fuhren, wurde es mit jedem Meter immer heißer, bis das Thermometer schließlich auf über 40°C im Schatten kletterte. Das alleine war allerdings nicht dafür verantwortlich, das die Fahrt durch das Tal ohne kühlende Klimaanlage in einem Auto zu einer absoluten Strapaze wurde. Die trockene Luft gepaart mit der Hitze, lässt einen spürbar dehydrieren und ich war wirklich froh, dass wir genügend Wasser dabei hatten. Wie trocken es ist, merkt man spätestens, wenn man am tiefsten Punkt der USA dem Badwater Basin auf -85,5 Metern steht und kein Grundwasser zu finden ist. Dieses Phänomen kann lediglich durch die erbarmungslose Hitze, die regelmäßig über 50°C liegt, entstehen und genau so habe ich das Tal des Todes erlebt: Erbarmungslos. Auch wenn der Name eine deutlich höhere Zahl vermuten lässt, als der Hitze tatsächlich zum Opfer fallen, ist es nicht verwunderlich, dass hier immer wieder Leute sterben, die sich auf Wegen abseits der Teerstraßen bewegen, verirren und verdursten. Selbst Kakteen können an manchen Stellen des Tals nicht mehr überleben, da ihre Strategie nicht tagsüber sondern nachts ihre Poren zum Atmen zu öffnen bei nächtlichen Temperaturen jenseits der 30°C immer noch zu viel Wasser verdunsten lässt. Dementsprechend gibt es im Death Valley überwiegend Steine in den verschiedensten Formen und Farben zu sehen. Diese Ursprünglichkeit und die Erbarmungslosigkeit, die man in diesem Tal findet, hat mich sehr fasziniert, trotzdem ist ein Besuch im Winter und in einem Auto wohl deutlich empfehlenswerter, da man sich deutlich stärker auf die Szenerie konzentrieren kann und nicht damit beschäftigt ist, ständig anzuhalten, um sich abzukühlen und etwas zu trinken. Unseren Heimweg, auf den wir nach ca. drei Stunden aufbrachen, führte uns noch durch einen Sandsturm, der uns den Sand wie Schmirgelpapier über die wenigen unbedeckten Hautstellen blies, als wollte das Gebiet zum Abschied nochmals seinen Charakter unterstreichen. Als wir am Abend nach fast 14 Stunden Fahrt wieder im Bear Valley ankamen, merkten wir, dass die Strapazen aus Hitze, Trockenheit und einem unaufhörlichen Wind mehr zugesetzt hatten, als gedacht und so beschlossen wir den nächsten Tag nochmal als Ruhetag zu nutzen.

Vollständig wiederhergestellt ging es nach diesem Ruhetag nach Los Angeles. Irgendwie hat uns der Ersteindruck der Stadt nicht besonders zugesagt, sodass wir die Touristenspots abklapperten und ziemlich direkt weiter in Richtung San Diego zu Dave fuhren. Als Constantin mit seiner Idee aufkam in San Francisco eine Privatstunde für Motorradreparaturen zu belegen zu wollen, suchte ich nach einer Werkstatt mit ähnlichem Konzept in San Diego, da mir San Francisco als noch zu früh für mein Motorrad erschien und so stieß ich auf Cerberus Motorcycles. Als der Eigentümer Dave hörte, was wir machen, war er Feuer und Flamme und lud uns ein, neben den Servicemaßnahmen auch eine Möglichkeit zum Übernachten zur Verfügung zu stellen und uns die Stadt zu zeigen. Wir haben echt Glück! Obwohl wir Sonntag hatten, sagte uns Dave, dass wir ihn am Shop treffen sollen und als wir ankamen, trafen wir auf jemanden, der sein Hobby wirklich zum Beruf gemacht und in den absoluten Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat. Das Gebäude der Werkstatt wurde bereits zwischen 1923 – 1925 inspiriert durch den Fund  Tutenchamuns im Jahr 1922 im ägyptischen Stil errichtet. Als Dave vor 4 Jahren im richtigen Moment sah, dass es zur Miete frei stand, schlug er zu. Allerdings baute er in diesem hangarartigen  Gebäude nicht nur seine Werkstatt auf, sondern zog gleich mit 4 Schiffscontainern ein, die er und seine Freundin Jennifer zu ihrer Wohnung umbauten. Unseren Schlafplatz haben wir auf den Containern, sozusagen im zweiten Stock aufgebaut. Da der erste Tag bei Dave in den USA ein Feiertag war, kam auch kein Kunde außer uns in den Laden und so hatten wir den ganzen Tag Zeit, um uns die gesamte Palette der umherstehenden Custom Bikes anzuschauen und die Modifikationen erklären zu lassen. Angefixt von dem was wir sahen, beschlossen wir auch unsere Motorräder auf sinnvolle Art mit Gadgets zu ergänzen und so sind wir nun nicht mehr mit den gefühlsmäßig deutlich zu dunklen und alten Halogen H4 Lampen unterwegs, sondern mit mehr als doppelt so hellen LED Birnen, die uns auch im Dunkeln etwas sehen lassen. Abends hatten Dave und Jennifer ein BBQ für uns organisiert und motorradbegeisterte Freunde eingeladen, die an unserer Tour interessiert sind. Schon fast familiär verlief der Abend und wiedermal bin ich von der Gastfreundschaft und Offenheit mit der uns begegnet wird begeistert. Der nächste Tag begann mit einer sehr amüsanten Begegnung. Dave hatte bereits einen Tag vorher Bescheid gegeben, dass er einen Freund organisiert hat, der uns die interessanten Spots San Diegos zeigen kann. Morgens kam dieser mexikanische Freund in den Laden, ich begrüßte ihn und stellte mich mit meinem Namen vor, woraufhin er mit „Nice to meet you, I’m German“ entgegnete. Ich war zunächst ziemlich verwirrt. Relativ schnell klärte sich aber auf, dass German ein durchaus gebräuchlicher Vorname in Südamerika ist. German fuhr mit uns den ganzen Tag durch San Diego und zeigte uns sowohl Touristenspots als auch Gegenden, die wir wohl ohne ihn nie gefunden hätten. Außerdem kamen wir aufgrund seines Krav Maga Shirts auf diese israelische Kampfsportart zu sprechen. Da er begeistert von unserem Interesse war, bot er uns an für den nächsten Tag eine Trainingseinheit zu organisieren. Zunächst fuhren wir aber zurück zum Shop, wo der zweite Besitzer von Cerebus Motorcycles, Erik, auf uns wartete. Dave hatte bereits erwähnt, dass er in Tijuana wohnt und uns ggf. dabei unterstützen kann, die nötigen mexikanischen Versicherungen und Visa für uns zu organisieren. Aber nicht nur das. Im Vorfeld wurden wir SEHR oft davor gewarnt nach Mexiko zu fahren, bzw. die Stadtgrenze Tijuanas zu überqueren, sodass wir kurz davor waren die Stadt weitläufig zu umfahren. Als wir mit Erik allerdings darüber sprachen, wie es ist, als „Gringo“ in der Stadt zu wohnen, versicherte er uns, dass es in den letzten Jahren deutlich sicherer geworden ist. Ein großer Teil der Kriminalität wurde laut ihm dadurch gefördert, dass die Drogenkartelle sich in Tijuana niederließen, um über einen möglichst kurzen Weg Marihuana und andere Drogen in die USA zu schmuggeln. Durch die weitgehende Legalisierung von Marihuana entlang der Westküste, ist den Kartellen allerdings ein riesiger Markt weg gebrochen und hat sogar dazu geführt, dass nun mehr der Droge von den USA nach Mexiko geschmuggelt wird. Logischerweise ist der Markt für andere Drogen noch immer gegeben und daher sind die Kartelle nicht komplett verschwunden, die Präsenz habe aber deutlich abgenommen. Außerdem hat er etwas bestätigt, was wir bereits vorher vermuteten. Nahezu alle Personen, die uns davor warnten nach Mexiko zu fahren, waren selbst noch nie dort, sondern haben bisher lediglich von den Gefahren gehört. In jedem Fall hatte uns Erik dazu eingeladen das Wochenende mit ihm in Tijuana zu verbringen und das Nachtleben zu erkunden, nachdem wir alle Reparaturarbeiten an unseren Motorrädern abgeschlossen haben. Da Cerberus Motorcycles am nächsten Tag komplett geschlossen war, hatten wir die Möglichkeit den ganzen Tag unter Anleitung von Dave, selbstständig unsere Motorräder zu reparieren und aus technischer Sicht wirklich kennenzulernen. Gegen Abend holte uns German wieder ab und wir fuhren in die Stadt, um einen kurzen Einblick ins Krav Maga zu erhalten. Nach einer Stunde Training, war ich wirklich fix und fertig. Die Bewegungsabläufe die trainiert wurden, sind schlicht nicht alltäglich, waren sehr anstrengend und der Muskelkater am nächsten Tag daher auch entsprechend. Da wir am nächsten Tag Dave und Jennifer verlassen wollten, luden wir sie als Dankeschön abends ins benachbarte äthiopische Restaurant ein. Mit tollem Essen und einer Kaffeezeremonie ließen wir den letzten Abend ausklingen, um am nächsten Tag noch die finalen Reparaturarbeiten erledigen zu können und uns auf den Weg nach Tijuana zu machen. MEXICO wir kommen!!!