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06.11 – 12.11 Ecuador

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Ecuador begann zunächst so, wie wir Kolumbien verlassen hatten. Sehr nass. Leider war die Regenzeit während unseres Aufenthalts noch nicht komplett vorbei und je näher wir zum Äquator fuhren desto häufiger und heftiger regnete es täglich. Aufgrund guter Kleidung allerdings kein großer Grund zur Besorgnis. Die erste Station in Ecuador hieß Tulcán. Die Stadt liegt direkt hinter der Grenze auf 2960 Meter, weshalb man hier sehr angenehm kühle Temperaturen vorfindet (die einen sagen so, die anderen sagen so). Ich war jedenfalls von der geringen Luftfeuchtigkeit und dem frischen Wetter mal sehr angetan. Die Stadt selbst hatte nicht wirklich viel zu bieten, empfing uns aber wieder mal sehr herzlich. Vor dem Hotel unserer Wahl, stand ein Mann mit einem Essenswagen, der unserer Konversation während des Abladens lauschte, sich kurz darauf mit verständlichem Deutsch dazugesellte und uns erklärte, dass er arbeitsbedingt mal knapp 1 Jahr in Freiburg gelebt habe. Nachdem wir etwas mit ihm gesprochen hatten, bot er uns „Agua de Avena“ und „Empanadas“ an. Ersteres ist ein sehr dickflüssiges Getränk, welches aus Hafer und Zimt hergestellt wird und Empanadas sind gefüllte Teigtaschen. Gut gesättigt, wollten wir unserem neuen Freund zumindest ein Trinkgeld für das gute Essen geben, aber er nahm nichts an und wollte diese Geste als Willkommensgeschenk verstanden wissen. Wiedermal eine tolle Begegnung und ein gelungener Start in ein neues Land.

Ecuador selbst gliedert sich in 4 Gebiete: Das Amazonasgebiet im Osten, die Andenkette, die sich im mittleren Teil des Landes entlang der Nord- Südachse erstreckt, die Pazifikküste und ca. 1.000 km außerhalb die Galapagos Inseln. Ich weiß nicht ob es an der ausgezeichneten Marketingbroschüre liegt, die man bei der Einreise erhält, aber Ecuador macht sofort den Eindruck, als gäbe es in allen 4 Bereichen unglaublich viel zu unternehmen und zu entdecken. Da wir zunächst in die Hauptstadt Quito wollten, um diese ein paar Tage zu erkunden, blieben wir innerhalb der Anden. Mein Hinterreifen war langsam aber sicher auch wieder fällig und Constantin, der ursprünglich schon in San Diego mit dem Gedanken gespielt hatte, ebenfalls seinen Reifen zu tauschen, wollte sich nun anschließen und seinem Motorrad in Quito auch endlich einen neuen Hinterreifen spendieren. Der Plan änderte sich schlagartig, als wir durch San Miguel de Ibarra fuhren. Auf einer Schnellstraße, die gerade wieder aus der Stadt herausführen sollte, hörte ich über mein Headset: „Merkst du auch gerade so ein extremes schlingern? (ggf. wegen Spurrillen)… Scheiße… Ich muss hier raus.“ Wir hatten glücklicherweise direkt fünf Meter vor uns einen großen Platz, der als Bushaltestelle und Ausfahrt genutzt wurde, sodass wir uns hier kurz hinstellen konnten, um einen Blick auf das Motorrad zu werfen. Der Hinterreifen der Honda war platt. Allem Anschein nach war eine Scherbe dafür verantwortlich. Nachdem wir überlegten, wie wir nun am einfachsten den Reifen tauschten, hielt neben mir ein Taxi, welches eigentlich auf die Schnellstraße einbiegen wollte. Ich sprach den Fahrer an, ob er einen Mechaniker mit passendem Werkzeug kenne, der uns bei der De-/Montage des Reifens helfen könnte. Klar kennt er jemanden. Constantin sprang ins Auto und nach ca. 30 Minuten kamen sie mit Mechaniker und Werkzeug im Schlepptau wieder zurück. Reifen ausgebaut, wieder weg gefahren und nach nochmals ca. 30 waren alle wieder da, der Mechaniker baute das Rad mitsamt neuem Reifen ein und wir waren bereit um unsere Fahrt nach Quito erneut aufzunehmen.

In Quito selbst kamen wir bei strömendem Regen und Dunkelheit an und uns verging etwas die Lust darauf hier mehr Zeit zu verbringen als nötig. Aber am nächsten Tag musste zunächst ein neuer Hinterreifen für mich und ein neuer Vorderreifen für Constantin gesucht werden. Nachdem der nächste Tag genauso schön begann, wie der letzte aufgehört hatte, beschlossen wir uns auf der Suche nach neuem Gummi im Taxi und damit im trockenen durch die Stadt chauffieren zu lassen. Zielsicher fuhr uns der Fahrer ganz in der Nähe unseres Schlafplatzes zu „Bavarian Motors: BMW & Mercedes“. Ist Bayern in der Zeit unserer Abwesenheit irgendwie expandiert? Egal, ggf. bekommt man hier trotzdem Motorradreifen oder einen guten Tipp, wo man diese bekommen kann, und tatsächlich: Nachdem der freundliche Verkäufer akzeptiert hatte, dass ich auf mein Motorrad keinen Autoreifen ziehen lassen möchte, egal wie gut der Reifen ist, hatte er die Idee mal zum Nachbarn zu gehen, da dieser ebenfalls Reifen verkauft. Ich beschrieb was ich suche und nach ein paar Minuten im Lager hatte er tatsächlich etwas da, was mir von der Profilart gefiel und auch von der Größe her zu passen schien… Leider in schlechterem Zustand als der Reifen, den ich gerade fuhr. Ich erklärte ihm, dass ich diesen Reifen gerne in „Neu“ kaufen würde. „Neu“ hat er nicht, nur gebraucht… Also wieder raus ins Taxi und weiter gesucht. Neben einer ungeplanten Stadtrundfahrt, fanden wir nach ca. 20 Minuten endlich jemanden, der sowohl Vorder- als auch Hinterreifen in „Neu“ für unsere Motorräder vorrätig hatte und diese auch direkt vor Ort aufziehen konnte. Vergleichsweise zum Vortag am Straßenrand waren nach einer Ewigkeit beide Reifen getauscht, mittlerweile hatte aber der Regen weitestgehend aufgehört, was wir ausnutzten, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Hierzu hatte uns der Chef des Reifendienstes ein paar Empfehlungen aufgeschrieben. Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich in der Altstadt, weshalb wir als erstes die „Basílica del Voto Nacional“ ansteuerten. Die Idee zum Bau dieser Basilika wurde bereits 1883 gefasst. Aufgrund von finanziellen Engpässen und baulichen Verzögerungen konnte der Bau allerdings erst 1924 fertiggestellt werden. Die Turmspitzen sind 115 Meter hoch und daher von weiten Teilen der Stadt zu erkennen. Nachdem wir uns anschließend in einem traditionell ecuadorianischen Restaurant gestärkt und die malerische Altstadt erkundet hatten, trafen wir auf die ebenfalls in der Altstadt liegenden Straße „La Ronda“. Diese ist sehr belebt und lädt mit vielen kleinen Geschäften beispielsweise zum Schokoladenkauf ein, der aus regional gewachsenem Kakao hergestellt wurde. Zum Abschluss unserer Stadtwanderung begaben wir uns noch auf den Berg „El Penecillo“, der nochmals knapp 200 Meter über Quito liegt und es somit auf 3.035 Metern schafft. Auf diesem Berg thront eine 45 Meter hohe Madonna Statue „La Virgen de El Penecillo“. Von oben hat man einen tollen Ausblick auf die gesamte Stadt. Am tollsten war aber der Flair der dort herrschte. Bereits in dem Restaurant hatten wir zum Abschluss ein Glas Canelazo gereicht bekommen. Dieses aus Naranjillasaft, Zimt und Alkohol bestehende Getränk erinnert sehr stark an Glühwein und wird in Quito an jeder Ecke verkauft, so auch aus kleinen Buden auf El Penecillo. Es dauerte nicht lange bis wir mit einer Gruppe einheimischer ins Gespräch kamen, die sich ebenfalls mit Canelazo wärmten. Das nasskalte Wetter, der ecuadorianische Glühwein, die Lichter der Stadt unter uns in der Dunkelheit. Irgendwie keimte hier aufgrund der aktuellen Jahreszeit und der Szenerie nach etwas mehr als 4 Monaten kurzzeitig ein Gefühl von Heimweh auf. Ein schönes Gefühl…

Auf unserem Weg zurück ins Hotel liefen wir an einer Art Terasse vorbei, die mir vorher schon aufgrund ihres großen Graffitis aufgefallen war und aus deren Inneren Live Musik kam. Kurzentschlossen gingen wir hinein und fanden uns in einer Art Kulturzentrum wieder. Nina Shunku  wurde u.A. von Chuzyk gegründet, der an dem Abend auch vor Ort war und uns eine Führung durch das gesamte Vereinshaus gab. Ein eigener Radiosender, eine Werkstatt, in der aus Bananenpflanzen Trommeln hergestellt werden, ein Theater, ein Aufnahmestudio, Plätze zum Schlafen für Reisende etc. All das findet sich inmitten der Innenstadt.

Den nächsten Tag nutzen wir, um die Umgebung der Stadt zu erkunden. Zunächst fuhren wir zum Mittelpunkt der Welt „Mitad del Mundo“. Ein Monument, welches im Norden Quitos errichtet ist und den genauen Verlauf des Äquators markieren soll. Durch den Einsatz moderner Technik (GPS) hat man allerdings herausgefunden, dass die Messungen ca. 240  Meter daneben liegen und daher heutzutage jeder sein Touristenfoto (wie wir natürlich auch) mit beiden Beinen in der südlichen Hemisphäre macht. Es geht aber natürlich auch mehr um die Symbolik… Nachdem das Wetter schon wieder drohte schlechter zu werden, fuhren wir weiter zum benachbarten „El Crater“ einer Caldera (Krater)  des Pululahua. Diese Caldera entstand als die Magmakammer des Vulkans Pululahua einstürzte. Wir hatten gehört, dass man dort herabsteigen kann, leider war es so neblig, dass man kaum etwas sehen konnte. Wir versuchten es trotzdem, da der Nebel durch den Wind im Kessel immer sehr schnell kam und wieder ging. Nach ca. einer halben Stunde Wanderung erkannten wir, dass Wandern in einer alten Caldera deutlich unspektakulärer sein kann, als gedacht. Außer ein paar Bauern, die sich hier niedergelassen hatten, um dort ihrer Landwirtschaft nachzugehen und der durchaus beeindruckenden Kraterform, die man allerdings aufgrund des Nebels nur vereinzelt wahrnehmen konnte, gab es nicht viel zu sehen. Nach unserem Aufstieg stärkten wir uns noch kurz mit lokaler Kost, bevor es wieder zurück nach Quito ging.

Die nächste Station auf unserer Reise durch Ecuador war die Stadt Baños. Der Weg dorthin führte uns in unmittelbarer Nähe vorbei am Cotopaxi, einem Vulkan der mit 5.897 Metern den zweithöchsten Berg Ecuadors markiert. Die Straße verlief auf knapp 3.000 Metern und wir bekamen erstmalig die Auswirkungen der Höhenluft auf unsere Motorräder zu spüren. Mehr als 90 km/h Bergauf war nicht mehr drin und bei Vollgas fing der Motor an unschöne Ruckler von sich zu geben. Wir fuhren einfach langsamer und kamen gegen Nachmittag in der Stadt an, die aufgrund ihrer zahlreichen möglichen Aktivitäten auf sich aufmerksam gemacht hatte. Eine davon: Bungee Jumping. Ich wollte schon länger mal springen, empfand aber beispielsweise einen Kran auf einer Kirmes immer eher als langweilig, sodass sich die Gelegenheit bisher nie wirklich ergeben hat. Bis jetzt… Die 120 Meter hohe Brücke am Rand der Stadt führt über einen reißenden Fluss  und wird von einigen Wasserfällen aus den angrenzenden Felswänden gespeist. Was kann es für einen besseren Ort geben. Das Wetter war perfekt. Was kann es für einen besseren Zeitpunkt geben? Das dachte sich wohl auch der Veranstalter, da er ca. 10 Sekunden nachdem wir die Brücke betreten hatten und runter in den Fluss schauten schon mit Sprunggeschirr hinter mir stand und mich „nur mal zum anprobieren“ hineinschlüpfen lassen wollte. Nach einer kurzen Einweisung war es dann soweit: Ich kletterte auf das Geländer und sprang… Das Gefühl dort oben zu stehen ist wirklich unbeschreiblich. Der Puls schießt in die Höhe und gleichzeitig wird so viel Adrenalin in die Blutbahn freigesetzt, dass man vom Zeitpunkt des Absprungs bis zur Einfederung eigentlich kaum etwas mitbekommt. Aber auch danach lohnt sich die Aktion noch, da man ca. eine weitere Minute im Seil hängt, hin und her schwingt und dabei die Aussicht genießen kann.

Actionreich ging es am nächsten Tag weiter. Um 8 Uhr wurden wir zum Canyoning abgeholt. Unter Canyoning versteht man das Begehen einer Schlucht von Oben nach Unten indem man sich abseilt, klettert, springt oder rutscht. Bepackt mit Neoprenanzügen, Helmen und Seilen ging es in einer ca. 30 minütigen Fahrt in den Dschungel, kurz Umziehen und schon begann die Wanderung auf einen der Berge. Oben angekommen gab es erstmal Trockenübungen. Wie seilt man sich richtig ab, was tun bei einem Unfall etc. Und dann ging es los. Der erste Hang und Wasserfall war verständlicherweise noch ziemlich klein und gut zum ran tasten geeignet, aber schon ab dem zweiten Wasserfall seilten wir uns durch die Wassermassen hindurch ca. 15 Meter ab auf das nächste Plateau bis wir nach einigen Rutschpartien, Sprüngen und Kletterpassagen nach ca. 2h wieder unten angekommen waren. Neben dem eigentlichen Canyoning war sicher das Highlight die Natur in der wir uns befanden. Mitten im Urwald. Wahnsin!

Nachmittags fuhren wir noch zur „Casa del Arbol“  einem Baumhaus, welches direkt an einem Hang neben dem aktiven Vulkan Tungurahua errichtet wurde und mit zwei großen Schaukeln die Möglichkeit bietet über einen Hang zu schwingen, während man links neben sich einem Vulkan beim Brodeln zuschauen und zuhören kann. Das Baumhaus und auch die Schaukeln sind zwar ganz nett, aber das wirkliche Highlight ist der Vulkan. Ich war vorher noch nie so nah an einem aktiven Vulkan. Es ist schon wirklich beeindruckend, wenn es erst tief in der Erde grummelt und dann kurze Zeit später tiefschwarze Rauchschwaden aus dem Schlot emporsteigen.

In Ecuador hätten wir wahrscheinlich ohne Probleme noch vier Wochen länger bleiben können, aber langsam mussten wir wieder auf den Kalender schauen. Wir hatten nicht mehr lange Zeit bis unser deutscher Besuch in Peru eintreffen sollte, bis zu unserem Treffpunkt aber noch einige Kilometer zu bewältigen. Also machten wir uns am nächsten Tag auf in Richtung der Küstenregion, um am Pazifik entlang nach Peru zu fahren. Auf unserem Weg durch die Anden trafen wir zufällig noch auf einige Kakaobauern, die gerade dabei waren Bohnen auf der Straße zu trocknen und uns bereitwillig in ihr Feld führten, um uns einen kurzen Einblick in ihre Arbeit zu geben. Als wir immer weiter in die Nähe der Küste und somit Peru kamen, änderte sich auf einmal schlagartig das Bild der Natur. Wo vor ein paar Kilometern noch sattes Grün, Wasserfälle und eine üppige Vegetation vorhanden waren, gab es nur noch Wüste…

Und zum Abschluss wieder das Essen.

27.10 – 05.11 Kolumbien

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Hätte mir vor 4 Wochen jemand die Frage gestellt, was Kolumbien zu bieten hat, hätte ich kaum etwas darauf antworten können. Kolumbien war, wie viele andere Teile der Welt ebenfalls, eher ein dunkler Fleck auf meiner Landkarte über den ich kaum etwas wusste. Daher kam es uns sehr gelegen, dass Ludwig – der Kapitän der Stahlratte – uns ansprach und fragte, ob wir noch nach einer Bleibe in Cartagena suchen würden. Er wohnt, wenn er nicht gerade auf hoher See ist, mit seiner Frau, einem Teil ihrer Familie und der gemeinsamen Tochter Mitten in Cartagena und hat 2 Gästezimmer, die er vermietet. Wir überlegten nicht lange, sagten zu und hatten so für die nächsten Tage eine zentrumsnahe Bleibe in der ersten Stadt Kolumbiens. Nachdem wir, noch im Hafen liegend, die offizielle Einreisegenehmigung der Behörden erhielten, fuhren wir sofort gemeinsam mit Ludwig an Land und tauchten während der Taxifahrt in Richtung seiner Wohnung immer weiter in das kolumbianische Leben ein. Laute „Gute Laune-Musik“ die aus den Häusern auf die Straße drang, Menschen, die dazu auf verschiedenste Weise den Tag begannen und irgendwie hatte man aufgrund ihrer Ausstrahlung sofort wieder den Eindruck, dass die Menschen hier sehr glücklich und zufrieden sind. Bei Ludwig zuhause angekommen, bezogen wir erstmal unser Zimmer und verbrachten den halben Tag damit uns möglichst wenig zu bewegen und so nicht allzu sehr zu überhitzen, da die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze jede Bewegung zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machten. Stattdessen verbesserten wir im Gespräch mit Ludwigs Frau unser Spanisch, aßen gemeinsam zu Mittag und bereiteten uns auf den Abend vor. Wir hatten geplant uns nochmal mit einigen unserer Mitreisenden der Stahlratte zu treffen und wollten die Stadt erkunden.

Der „Plaza de la Santisima Trinidad“ liegt mitten in dem Altstadtzugehörigen Teil „Getsmani“ Cartagenas und war an diesem Abend nicht nur unser Treffpunkt, sondern auch der vieler Kolumbianer. Der Platz, dessen Zentrum die Kirche „Santisam Trinidad“ bildet, wird von vielen gemütlichen Bars und Restaurants umringt und ist daher Anlaufstelle für Jung und Alt. Regelmäßig tauchen hier diverse Künstler und Artisten auf, die ihr Können präsentieren und dadurch für eine gewisses Entertainment sorgen. Die Altstadt Cartagenas teilt sich in mehrere Stadtteile auf. „Getsmani“ das ehemalige Armen- und Sklavenviertel liegt südlich der Stadtteile „Centro“ und „San Diego“ welche nach einigen Überfällen 1697 durch eine noch heute erhaltene 11 Kilometer lange Stadtmauer befestigt wurden und damals die Händler und obere Schicht Cartagenas beheimateten. Unser nächstes Ziel bestand diese nördlichen Stadtteile zu erkunden. Wir merkten allerdings schnell, dass hier zwar auch an manchen Stellen nette Bars dazu einluden zu verweilen, aber das Flair des Plazas einfach fehlte. Da wir am nächsten Tag früh raus mussten, um unsere Motorräder, die noch nicht offiziell eingeführt waren, am Hafen abzuholen, beschlossen wir noch auf ein Bier zurück nach „Getsmani“ zu gehen und von dort zurück nach Hause zu fahren.

Am nächsten Morgen um halb sechs machten sich Ludwig und wir auf den Weg in Richtung Stahlratte. Als Verkehrsmittel unserer Wahl standen an diesem Morgen für jeden ein „Moto-Taxi“ bereit. In Cartagena (auch in anderen Städten Kolumbiens haben wir sie gesehen) fahren immer wieder Motorradfahrer durch die Gegend, die einen zweiten Helm über den Arm gestreift haben. Einfach per Handzeichen bedeuten, dass man mitfahren will und die lustige Fahrt kann beginnen… Wer sich selbst eher als schreckhaften Beifahrer bezeichnet, sollte ganz großen Abstand davon nehmen mit einem Moto-Taxi zu fahren. Grundsätzlich gilt: Verkehrsregeln sind eher Richtlinien, die aber auch getrost ignoriert werden können UND wenn irgendwo eine Lücke ist, kommen wir da auch durch… bestimmt. Je mehr Verkehr desto abenteuerlicher wird so eine Reise natürlich. Unschlagbar schnell und wohlauf kamen wir am Hafen an, wurden dort eingesammelt und wieder zur Stahlratte gebracht. Ludwig hatte tags zuvor allen ins Gewissen geredet um Punkt sechs am Pier zu stehen und so wurden nach und nach alle wieder an Bord geholt und anschließend ein Motorrad nach dem anderen auf einen Ponton geladen. In bedächtigem Tempo, sodass keines der Fahrzeuge über Bord gehen konnte, fuhren wir zwei Mal hin und her, bis jedes Motorrad an Land war. Unser nächstes Ziel bestand darin auf direktem Weg zur Zollabfertigung zu fahren, wo bereits Ludwigs Agent Manfred auf uns wartete und Stoßweise alle Motorräder auf einmal abfertigen ließ. Während der Wartezeit wurde auch der wahre Grund hinter der strikten Uhrzeit klar. Auch wenn es nur ein paar Meter sind, ist jedes der Fahrzeuge zwischen Pier und Zoll inoffiziell in Kolumbien. Um etwaigen Stress mit der Polizei zu vermeiden, findet das Abladen und die Fahrt zum Zoll immer genau im Zeitfenster des Schichtwechsels statt… Nach zwei Stunden war alles erledigt und wir konnten mit unseren Motorrädern wieder zurück fahren, um abschließend noch das restliche Gepäck von der Stahlratte zu holen. Eigentlich hätten wir danach noch mit Manfred eine Versicherung kaufen sollen, aber da er nirgends zu sehen war, keiner wusste wo sich die Versicherung befand und nachdem wir sie endlich gefunden hatten, die Bürozeiten bereits vorbei waren, beschlossen wir, dass man auch ohne fahren kann und verbrachten den restlichen Tag damit den ummauerten Teil der Altstadt und die Festung San Felipe zu erkunden, die im ebenfalls Zuge der Stadtbefestigung 1697 erbaut wurde.

Am nächsten Tag standen unsere Zeichen wieder auf „Aufbruch“ und unser Weg führte uns in Richtung Medellín. Da die komplette Strecke für einen Tag zu viel gewesen wäre, stoppten wir eine Nacht in Sahagún und fuhren am nächsten Morgen weiter, um die nächsten 8 h durch erste Ausläufer der Anden durch tolle Landschaften über eine perfekte Motorradstrecke unser Tagesziel zu erreichen.  Was wir bereits in Cartagena erfahren hatten, spitzte sich in Medellín zum äußersten zu: Absolutes Verkehrschaos und überall Motorräder, die sich durch noch so enge Lücken quetschten. Relativ schnell hatten wir den Dreh raus und trotz des Gepäcks übernahmen wir relativ die kolumbianische Fahrweise. Ich hoffe, dass Medellín auf meinen Fahrstil keinen nachhaltigen Einfluss hat, da ansonsten mein Führerschein in Deutschland SOFORT weg ist… Für immer… 😉

In Medellín wartete bereits Ralph auf uns. Er leitet hier seit einem Jahr die Firma Jowat Kolumbien, wohnt daher im Herzen der Stadt und ist ein Freund von meinem ehemaligen Nachbar Andreas, der den Kontakt zwischen uns hergestellt hat. Danke nochmal dafür! Ralph hatte die Idee, dass wir uns in der Firma treffen sollten, da diese deutlich leichter zu finden sei, als seine Heimadresse. Wir hatten uns zwar vorher angeschaut wie wir an unser Ziel gelangen konnten, aber in diesem Chaos waren wir so schnell verloren, dass wir etwas Planlos durch die Stadt irrten und auf einmal waren wir in einem Stadtteil, der so gar nicht einladend aussah. Überall Berge von Müll und Leute auf der Straße, die aussahen als wäre Alkohol noch das Gesündeste was sie zu sich nehmen. Ich kann nicht sagen, wie der Stadtteil hieß oder wo er genau war, aber wir hatten augenblicklich das Gefühl, hier sofort wieder raus zu müssen. Im Verkehr sprachen wir einen anderen Motorradfahrer an, erklärten ihm grob wo wir hin wollen und wieder mal hatten wir das Glück auf jemanden zu treffen, der uns fast eine halbe Stunde durch das Chaos führte und schlussendlich an unserem Ziel wieder uns selbst überließ. Ralph, der seit dem Morgen nichts mehr von uns gehört hatte und sich allmählich schon etwas Sorgen machte, da die geplanten 8 Stunden bis zu ihm mittlerweile seit 2 Stunden überschritten waren, empfing uns und wir fuhren zunächst zu seiner Wohnung. Leider wird in Kolumbien relativ früh zu Abend gegessen, was dazu führte, dass bereits einige der umliegenden typischen Restaurants geschlossen hatten. So landeten wir im Hard Rock Café Medellín und Ralph zeigte sich in außerordentlicher Partylaune. Er hatte es in diesem Monat geschafft Jowat Kolumbien, knapp ein Jahr nach deren Start, profitabel zu machen und war daher verständlicherweise sehr euphorisch. Deshalb und aufgrund des Halloweenwochenendes hatten wir uns unbewusst den perfekten Zeitpunkt für unseren Besuch ausgesucht. Neben dem Nachtleben hat Medellín sehr viel Kunst zu bieten. Beispielsweise hat der kolumbianische Künstler Fernando Botero der Stadt 23 seiner Skulpturen gespendet, die im Botero Plaza ausgestellt sind. Außerdem  ist im Zugticket die Möglichkeit enthalten mit einer Seilbahn auf einen der umliegenden Berge Medellíns zu fahren. Da Medellín im Aburrá-Tal, einem Teil des mittleren Bergzugs der Anden liegt, ist dieser Ausblick sehr lohnenswert. Nachdem wir ursprünglich mal geplant hatten Samstags wieder weiter zu ziehen,  wir aber Montags immer noch in Medellín waren, entschieden wir das Dienstags Morgens wieder die Zeit gekommen war, um weiter nach Süden zu fahren. Unser nächstes Ziel war Cali, welches ich nicht empfehlen kann. Es gibt zwar ein paar schöne Ecken, aber größtenteils machte das Stadtbild Calis eher einen unfreundlichen Eindruck, obwohl wir auch hier wieder sehr nette Menschen getroffen haben.

Unser Tagesziel für den nächsten Tag, sollte eigentlich Ipiales sein, aber aufgrund der serpentinenartigen Straßen durchs Gebirge kamen wir deutlich langsamer voran, als geplant, weshalb wir kurz vor der Stadt Pasto in ein Familiengeführtes Hotel einkehrten. Der 8 Jährige Nachwuchs der Familie fragte mich beim Parken nach den ganzen Aufklebern auf meinem Motorrad und ich erklärte ihm, was wir machen und das mir noch ein Aufkleber der kolumbianischen Flagge fehlt. Als wir später unten im Restaurant saßen kam er auf einmal und wollte mir eine selbst gemachte Flagge für mein Motorrad schenken… Aus Knete auf Papier. Ich habe die Flagge zwar nicht aufs Motorrad geklebt, war aber von der Geste trotzdem sehr begeistert.

Der nächste Tag führte uns in die auf 2.900 Meter gelegene Stadt Ipiales mit ihrer Wallfahrtskirche: „El Santuario de la Virgen del Rosario de Las Lajas en Ipiales“, die auf einer Brücke über einer Schlucht errichtet und zum Teil in den angrenzenden Fels gebaut wurde. Nachdem Sightseeing fuhren wir zur 5 Kilometer entfernten Grenze und konnten nach unverständlich langem Warten ohne große Probleme in Ecuador einreisen.

Und natürlich wieder eine kleine Auswahl von dem was wir so gegessen haben: