Nach nun insgesamt 2638 gefahrenen Kilometern sind wir seit gestern in Whitehorse, Kanada angekommen. Hier haben wir uns dazu entschlossen einen fahrfreien Tag einzurichten und sowohl uns als auch unsere Kleidung wieder auf Vordermann zu bringen. Die letzten Kilometer haben uns eine hübsche Schlammpatina verpasst. Am Morgen nach meinem letzten Eintrag ging es, wie geplant, von der Sheep Mountain Lodge in Richtung Denali Nationalpark. Eigentlich wollten wir diesen an dem Tag auch erreichen, aber wir hatten die Straßenverhältnisse total unterschätzt. Anstatt aus einer Teer- oder Betonstraße besteht der 218 km lange Denali Highway, der die Städte Paxson und  Cantwell miteinander verbindet und uns wieder nach Westen zum Nationalpark führen sollte, zu 99% aus Schotter. Für uns und unserer Enduros kein Problem sondern ein riesen Spaß, es dauert aber deutlich länger, als über glatten Teer zu fahren. Dementsprechend haben wir uns dazu entschieden einfach auf einer kleinen Anhöhe mitten im Nirgendwo unser Nachtlager aufzuschlagen. Belohnt wurden wir mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Berge und den Sonnenuntergang bzw. –aufgang. Wobei man beides kaum auseinanderhalten kann, da in Alaska, wie überall in der Nähe des Polarkreises die Sonne eigentlich nicht wirklich untergeht. Der dunkelste Moment ist eher eine Art Dämmerlicht, welchem sehr schnell wieder der Sonnenaufgang folgt. In dieser Zeit wird man aber mit einem tollen Ausblick belohnt. Weniger Eindrucksvoll sondern einfach nur unglaublich nervig sind die Heerscharen von Moskitos, die es überall in Alaska gab.  An einem Platz an dem wir wie ein Festessen für ausgehungerte Bewohner aussehen, kommt natürlich auch jeder vorbei, um einen Happen zu probieren. Zunächst eingepackt in Schutzkleidung und später eingesprüht mit DEET  hielten sich die Stiche aber in Grenzen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter zum Denali Nationalpark, wo wir anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages auch ein wenig feierten und Würstchen grillten. Den nächsten Tag nutzten wir, um in dieser tollen Umgebung auszuspannen, Sport zu machen und unser Packsystem weiter zu optimieren. So beeindruckend die Wege waren, die wir bisher schon hinter uns gebracht hatten, so schmerzlich wurde uns bewusst, dass wir langsam weiter müssen, weil wir schon deutlich hinter unserem Zeitplan lagen. Ursprünglich wollten wir direkt von Anchorage nach Fairbanks, um Freunde meines damaligen Austauschschülers John zu besuchen und bei ihnen zu übernachten. Die Empfehlung, die uns aber von allen Seiten ausgesprochen wurde, nicht den direkten Weg sondern den Glenn und den Denali Highway zu nehmen, waren überaus gut, haben uns aber deutlich Zeit gekostet. Also machten wir uns nun mit dem Plan wieder etwas Zeit rein zu fahren auf nach Fairbanks und besuchten Joe, Josh und Derrick, die uns herzlich willkommen hießen und gerade dabei waren Hühner zu schlachten und für den Winter einzufrieren. Wir bekamen ein bereits geräuchertes Huhn und kochten damit eine Art Couscouscurry aus allem was wir für passend erachteten. Nachdem wir noch kurz bei 35°C am See waren läuteten wir einen entspannten Abend ein, der unseren Plan wieder änderte, da uns Josh vorschlug am nächsten Tag mit ihm Kanu fahren zu gehen. Am nächsten Tag sah allerdings alles komplett anders aus. Ich wurde gegen sieben wach, weil es fürchterlich nach Rauch stank. Der Wind hatte sich gedreht und eines der vielen riesigen Waldbrände, welches in der Nähe von Fairbanks wütete (ca. 100 km entfernt) tauchte die Stadt in dichten Smog. Es war so schlimm, dass man kaum atmen konnte. Daraufhin brachen wir alle Pläne ab, Fairbanks noch weiter zu besichtigen und machten uns auf den Weg in Richtung Tok, welches 325 km weiter östlich liegt. Bisher unser erster schlechter Tag auf der Tour. Das Wetter wechselte sich zwischen Regen und Rauch ab, bis wir schließlich in Tok ankamen und endlich wieder klare Luft atmen konnten.

Dort rasteten wir kurz, um uns anschließend nach einem geeigneten Platz zum Übernachten umzuschauen, als uns Carroll und Jackie aufgrund unserer deutschen Nummernschilder und meiner Deutschlandflagge ansprachen. Carroll könnte man am ehesten als motorradbegeisterten Lebemann beschreiben, der absolut hilfsbereit ist. Jackie ist aus Taiwan und fährt momentan mit seinem Fahrrad um die Welt. Er wohnt für ein paar Tage als Couchsurfer bei Carroll. Nachdem Constantin ihm von seinem eiernden Vorderrad erzählt hat, lud er uns zu sich ein und wir arbeiteten bis Nachts um 1 Uhr an unseren Motorrädern. Wir zogen Constantins Vorderrad neu auf, da die deutsche Werkstatt hier eher mäßige arbeitet geleistet hatte und spannten seine Kette nach. Mein Schalter am Abblendlicht hatte sich leider verabschiedet, sodass ich nur noch mit Fernlicht oder ohne fahren konnte. Kurz das Kabel des Abblendlichtes neu verlötet und schon brannte es wieder. Nachdem wir noch original gegrillten Lachs aus Alaska verspeisen durften, ging es in unser Nachtquartier: Ein alter Bus aus dem Denali Nationalpark, den Carroll für 400$ gekauft hatte. Vorgestern starteten wir dann auf dem Top of the World Highway in Richtung Kanada. Diese Route führt entlang der alten Goldgräberroute. Die letzte Stadt auf unserem Weg durch Alaska, die durch die Goldgräberzeit geprägt wurde heißt Chicken. Mittlerweile besteht sie weitestgehend aus für Touristen betriebenen Gebäuden und hat lediglich 7 Einwohner. Nach knapp 70 weiteren Kilometern überquerten wir die Landesgrenze nach Kanada und befinden uns seitdem auch in einer neuen Zeitzone. Wir sind nicht mehr 10h sondern nur noch 9h hinterher. Gleich hinter der Landesgrenze, am Ende des Top of the World Highway, liegt Dawson City, welche während des Klondike Goldrausches 1896 gegründet wurde und heute immer noch den Charme einer alten Westernstadt versprüht. Tatsächlich haben wir auf unserem Weg nach Whitehorse an einer Tankstelle einige junge Leute getroffen, die das Wochenende in Dawson verbringen wollen, um dort nach ein paar Nuggets zu graben. Gestern auf dem Weg nach Whitehorse hatten wir dann unser bisheriges Tierhighlight. Nachdem wir bereits mehrere Elche und Füchse gesehen haben, lief gestern in ca. 5 Metern Abstand ein Grizzlybär an der Straße vorbei. Mit laufendem Motor und jederzeit bereit einfach wieder Gas zu geben, bin ich nochmal zurück, um ihn ein wenig zu beobachten. Ziemlich unbeeindruckt von mir schnupperte er an etwas Müll, der im Graben lag und verschwand dann wieder im Wald. Morgen wollen wir ohne bisheriges Tagesziel auf die Rocky Mountain Route in Richtung Banff aufbrechen. Schönes Wochenende und bis dann.

3 Comments

  • Doreen sagt:

    Wie interessant! Du schreibst das such so toll, dass ich richtig traurig bin wenn ich am ende des Textes angekommen bin :'(
    Ich freue mich auf euere neuen Geschichten 😍
    Beste Grüße Doreen

  • Matthias sagt:

    Hammer Stories! Freu mich schon auf weitere Berichte! Bonecrushers Faust!!!

  • Mama & Detlef sagt:

    Hallo Großer, schön von Dir wieder was zu hören. Wir verfolgen gespannt alles was Du schreibst und sehen uns das auch auf der Landkarte an. Du hast tolle Fotos gemacht und alles so schön beschrieben, welches einen richtig guten Eindruck vermitteln, was Du so erlebst (besonders die Verpflegung der Moskitos auf deinem Knie). Wir hoffen, es geht Euch beiden weiterhin gut und drücken die Daumen für alles, was da noch kommt.
    Lieben Gruß
    Mama & Detlef

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